Am Sonntag waren die Verkehrsschilder am Parkplatz in Reitenberg einmal mehr „reine Empfehlung“

Von Stefan Weber · 5. November 2024 um 11:00

Eigentlich hat die Stadt rund 85 000 Euro dieses Jahr investiert, damit auf 75 Parkplätzen auf dem Reitenberg, dem vielleicht beliebtesten Ausgangpunkt von Bad Kötzting hinauf auf den Kreuzfelsen, endlich Ordnung einkehrt. Das war ein Anliegen, auch mit Blick auf die Anwohner entlang der schmalen Straße. Doch wer sich an schönen Wochenende-Tagen wie etwa an diesem Sonntag den Parkplatz als Ausgangpunkt seiner Wanderung ausgesucht hatte, der erlebte das Gegenteil.

Und das nicht zum ersten Mal, wie Stadtbauamtsleiter Christian Kopf auf Nachfrage unseres Medienhauses weiß. Bei ihm landeten viele der Beschwerden über die Parksituation, vor allem vonseiten der Anwohner. „Vogelwuid“ nennt er das, was ihm da bisweilen berichtet wird. Das gelte allerdings nicht nur für den Parkplatz oben in Reitenberg, sondern auch weiter unterhalb in Reitenstein.

Situation ist bekannt

Auch Landwirte meldeten sich immer wieder, weil sie in Waldstücke und Felder nicht einfahren können. „Da waren 60 wohl zu wenig“, meint er mit Blick auf die neuen Parkplätze, die zu den bestehenden hinzugekommen seien. Allerdings sei der Platz nun einmal begrenzt, weshalb an Tagen wie dieses Wochenende wohl auch der größte Parkplatz nicht ausreichen könnte. Es gebe in der Stadtverwaltung aber schon weitere Überlegungen, wie die Situation noch etwas entspannt werden könnte.

Wobei das Problem ja nicht nur darin besteht, dass Anwohner nicht mehr zu ihren Häusern fahren können. Auch Florian Heigl, seines Zeichens Kreisbrandmeister der Freiwilligen Feuerwehren im Bereich Bad Kötzting und Kämmerer der Stadt, bekommt regelmäßig Fotos davon, wie Wanderer auf dem Reitenberg auch in die kleinste Lücke stoßen.

Parker gefährden sich selbst

Gefühlt kann auch er bestätigen, dass Situationen wie am Sonntag seit der Neuanlage der Parkplätze am Wochenende auftreten. Er gibt dabei zu bedenken, dass nicht nur die Feuerwehr mit ihren Fahrzeugen Probleme bekommen könnte, an eine Einsatzstelle entlang der Strecke zu fahren, sondern auch das Rote Kreuz: „Da denken viele gar nicht an sich selber und daran, was passiert, wenn sie selbst am Berg Hilfe brauchen“, gibt er zu bedenken. Weshalb „Leute zum Wandern fahren, dann aber keinen Meter weiter als nötig zu Fuß gehen wollen“, sei ihm ohnehin schleierhaft.

Wie der Stadtverwaltung bleibe im Moment auch der Polizei eigentlich nur, an die Vernunft der Autofahrer zu appellieren, sagt Verkehrsbeauftragter Martin Wanninger. Verbotsschilder gebe es in ausreichender Zahl entlang der Strecke – und die Überwachung des ruhenden Verkehrs, die habe die Stadt an den Zweckverband kommunale Verkehrsüberwachung abgetreten. So würden bei der Polizei erst Fälle aufschlagen, wenn Ordnungswidrigkeiten oder gar Straftaten angezeigt würden, und das sei noch nicht der Fall gewesen.

Kommentar: Sich selbst der Nächste

Keine Parkplätze verfügbar – so, oder so ähnlich, hat wohl jeder schon einmal an einem Parkhaus gelesen und dann den Rückwärtsgang eingelegt. Warum macht das eigentlich kaum einer bei Wanderparkplätzen?

Schon klar: An einem Tag wie Sonntag werden nicht nur Einheimische auf den Berg fahren, die fast keine Anreise hatten. Straubing, Regen, Regensburg, Deggendorf – von überallher kommen die Fans der Bewegung im Freien, und das sei ihnen ja auch vergönnt. Aber ein wenig lassen die Bilder doch daran zweifeln, ob mancher Autofahrer neben seiner eigenen Freizeit auch an das Leben anderer denkt. „Wenn ich einmal falsch parke, was wird das schon ausmachen?“, mag sich der eine oder andere denken. Oder vielleicht sogar: „Mir doch egal, wird eh nicht kontrolliert.“

Was für den Wanderer von weit her ein Ärgernis darstellt, wenn er wieder umkehren und sich einen anderen Ausgangspunkt für seine Tour suchen muss, bedeutet für diejenigen, die hier leben oder auch arbeiten müssen, eine ständige Belastung. Es soll ja in der Vergangenheit auch schon Hausbesitzer gegeben haben, die Fahrzeugen in ihrer Einfahrt eine Fuhre Mist vor das Auto gekippt haben...

Verständlich, denn Anwohner kennen diese Situation seit vielen Jahren, besonders bei „Kaiserwetter“. Schade ist dabei, dass weder die schönste Anlage der Parkplätze noch strahlend neue Verbotsschilder etwas nützen. So bleibt letztlich wohl wieder einmal nur das, was eigentlich keiner so wirklich will: Konsequente Kontrolle und Strafzettel. Einfach, weil sich sonst jeder – wie leider sooft – der Nächste ist, Rücksichtnahme ist da Fehlanzeige.

Ein Verhalten, das im Alltag in aller Regel immerhin nicht zu größeren Schäden führen dürfte, was mit Blick auf Unfälle auf dem Berg aber sehr böse Folgen haben kann.

Wenn bei einem Notfall keine Rettungskräfte mehr anfahren können und wirklich jemand ernsthaft zu Schaden kommt, ist die Reue sicher groß. Die Einsicht kommt dann aber zu spät.

Selbst auf dem Wanderweg selbst wurden noch viele Fahrzeuge geparkt, die damit auch gut und gerne 100 Meter hinter dem Parkverbot zu stehen kamen.