Trump oder Harris? Dieses Szenario fürchtet die Wirtschaft im Raum Regensburg

Die älteste Demokratie entscheidet darüber, wer der 47. Präsident der Vereinigten Staaten wird. Die IHK hat regionale Firmen nach möglichen Auswirkungen befragt. Bei den Firmen im Raum Regensburg geht die Angst um vor einem US-Präsidenten Donald Trump, mehr Zölle und eine protektionistische Handelspolitik. Doch als Heilsbringerin sieht man Kamala Harris in der Oberpfalz nicht.
Die Angst geht um vor der Wahl in den USA. Wenn in den Betrieben und Produktionsstätten in der Oberpfalz und Niederbayern die Lichter angehen am Morgen des 6. November, wird vielleicht schon feststehen, wie der 60. Präsident oder die erste Präsidentin der Vereinigten Staaten heißen wird. Erwartet wird eine Hängepartie.
Das merkt man auch hier vor Ort: Laut einer Befragung der Bayerischen Industrie- und Handelskammer bewerten 60 Prozent der etwa 1000 befragten Unternehmen den Ausgang der US-Wahl als wichtig für ihre eigene Geschäftsstrategie. 70 Prozent befürchten gar Zollerhöhungen und Handelsbeschränkungen als Hürden.
Eine Mehrheit ist skeptisch
Dominique Mommers ist Abteilungsleiterin für Internationales bei der IHK Regensburg für die Oberpfalz und Kelheim. Der Ausgang der US-Wahl sei zwar vollkommen offen. „Bei einem Wahlsieger Trump erwarten 56 Prozent eine Verschlechterung der Geschäftsbeziehungen mit den USA in den nächsten vier Jahren“, sagt die IHK-Expertin. Nur 16 Prozent würden bei einem neuerlichen Sieg Trumps eine Verbesserung erwarten. „Würde Harris gewinnen, so rechnen rund 40 Prozent mit einer Verbesserung des Handels mit den Vereinigten Staaten, 12 Prozent mit einer Verschlechterung“, so Mommers weiter.
Unter den von den IHKs jetzt befragten Unternehmen geben rund 28 Prozent an, dass sich ihre Geschäftsbeziehungen unter Biden verbessert haben, nur acht Prozent fanden Trumps Präsidentschaft vorteilhafter, heißt es von der IHK. Insgesamt wurde der Zugang zum US-Markt seit 2016 für die Unternehmen restriktiver, und das unter beiden Präsidenten. Das stützt die Annahme, dass sich die USA in den vergangenen acht Jahren so oder so protektionistischer positioniert haben. Für den Handel aber sind Zölle und Handelsbeschränkungen nie förderlich. „Sanktionen der US-Regierung mit Wirkung auf andere Weltmärkte und erhöhte Zölle und Handelshemmnisse werden auch mit Blick auf die kommenden vier Jahre als größte Risiken für die Geschäftstätigkeit gesehen“, ist dann auch die Bewertung der Unternehmer.
Allerdings attestieren die Unternehmen dennoch unterschiede zwischen einem Republikaner und einem Demokraten im Weißen Haus. Stichwort: Verlässlichkeit. „Bei Trump konnte man nie wissen, was morgen kommt“, sagt Expertin Mommers. Die Biden-Administration hingegen war verlässlich im Hinblick auf Investitionen im Land – „und die tätigt man nur mit Planungssicherheit“. Bidens Inflation Reduction Act 2022 habe zudem Anreize für inländische Investitionen geschaffen, von denen auch Betriebe aus der Region profitiert hätten. Sicher ist: Trump würde noch drastischere Zölle gegenüber China einsetzen. Würde das den regionalen Autobauern nicht sogar helfen? Mommers differenziert: „Da muss man größer denken.“ Der von Trump gegen China geplante Generalimportzoll von 60 Prozent und sogar 200 Prozent auf chinesische Autos könnten den Handelskonflikt zwischen den beiden Supermächten weiter zuspitzen.
China-Zölle kein Vorteil
„Bayerische Unternehmen, für die beide Märkte von höchster Bedeutung sind, könnten ins Kreuzfeuer geraten“, so die Befürchtung. Das würde die ohnehin schwierige Wirtschaftslage hierzulande weiter belasten und viele Betriebe vor ernste Herausforderungen stellen, ist die Einschätzung der IHK-Expertin.
Beide Kandidaten beabsichtigen, die Unternehmenssteuer anzupassen. Kamala Harris plant eine Anhebung von derzeit 21 auf 28 Prozent und eine stärkere Regulierung der Firmen. „Für deutsche Unternehmen könnte das Auftragsrückgänge bedeuten“, sagt Mommers. Zugleich würden Standortverlagerungen in die USA weniger attraktiv, was die Wettbewerbsfähigkeit Europas stärken könnte. „Die vom Harris-Lager angestrebte Förderung grüner Technologien könnte wiederum Geschäftschancen für deutsche Unternehmen schaffen“, heißt es weiter.
Eine Ausweitung des Marktzugangs zu den USA oder ein umfassendes Handelsabkommen mit der EU ist bei beiden Kandidaten eher unwahrscheinlich. „Mit Sorge blicken die Unternehmen hierzulande auf Donald Trumps Vorschläge, einen Zollgrundtarif von mindestens zehn Prozent auf Importe in die Vereinigten Staaten einzuführen“, so Mommers. Deutsche Betriebe müssten sich auf sinkende Nachfrage und geringere Margen einstellen, sofern sie nicht in den USA produzieren. „Im Falle eines Wahlsieges von Kamala Harris ist hingegen nicht mit einer grundlegenden Veränderung der Handelspolitik zu rechnen.“
Das Fazit der Einschätzung durch die Unternehmen und die IHK-Expertin: Die Beziehungen zu den USA haben sich für unsere Unternehmen in den vergangenen Jahren ohnehin verschlechtert. Doch unter einer Trump-Administration rechnen die regionalen Betriebe mit einer weiteren deutlichen Eintrübung.