Archäologin blickt unter die Erde: Am Neumarkter Münster wurde vor Jahrhunderten gekocht

Von Josef Wittmann · 30. Oktober 2024 um 17:00

Wann genau die Stadt Neumarkt auf dem Kirchengrund hinter dem Ölberg von St. Johannes den Grund der neuen öffentlichen Toilette für Touristen und Kirchgänger legen kann, ist noch offen. Aber die Vorarbeiten laufen. Dabei kam Historisches zu Tage.

Zwischen Bräugasse und den abgerissenen Pfarrgaragen wurde dieser Tage für die nötige Infrastruktur des stillen Örtchens in Gestalt von Strom- und Wasserleitungen das Pflaster geöffnet.

Historische Vorratskammer

Das ist auf dem historischen Boden die beste Gelegenheit für Archäologin Daniela Rehberger von der Parsberger Firma „Adilo, Archäologische Dienstleistungen“, um einen Blick in die Neumarkter Vergangenheit zu werfen.

Wo früher das Auto des Pfarrers vor dessen Garage parkte, hat der Bagger einen gut einen Meter tiefen Graben gezogen, in dem jetzt Daniela Rehberger steht. Sie zeigt im ockerfarbenen Sand auf das Profil einer „großen Kuhle mit dickem Bauch. Das sind die klar geschnittenen Konturen einer Vorratsgrube, in der man damals sein Obst und Gemüse aufbewahrt hat“, erklärt sie. Den ausgegrabenen Sand hätten die historischen Neumarkter an anderer Stelle für Mörtel verwendet, und den entstandenen Hohlraum mit Holz ausgekleidet.

Warten Überraschungen?

Gleich daneben sticht eine Schicht im Sand ziegelrot heraus. „Das ist tatsächlich wie Ziegel gebrannt. In unserem Sand ist relativ viel Eisen drin“, erklärt die Archäologin. Die damaligen Bewohner hätten solche Gruben auch zum Kochen, Backen und Werkeln genutzt.

Daniela Rehberger ist gespannt, was auf dem Grund des eigentlichen Pfarrstadels zu Tage kommen wird. Denn der entstand wie der barocke Pfarrhof möglicherweise nicht nur neben dem alten Friedhof, sondern vielleicht sogar auf einem Teil des Gräberfelds, vermutet sie. „Das wird sich zeigen“, freut sie sich auf den Tag, an dem sie dort graben darf.