Die XEC-Variante von Corona breitet sich im Landkreis Cham aus und trifft die Grippe

Von Johannes Schiedermeier · 30. Oktober 2024 um 05:00

Die neue Corona-Variante XEC breitet sich schnell aus. Und sie trifft auf die Grippe. Woran erkennt man, was man sich eingefangen hat? Woher weiß das Gesundheitsamt, wie der Durchseuchungsgrad ist? Und überhaupt: Wie ist das Gesundheitsamt Cham zwischenzeitlich in Sachen Pandemie aufgestellt? All diese Fragen haben wir dessen stellvertretender Leiterin Helga Bachmeier-Traurig gestellt.

Die Problematik ist ohne Test im Grunde unlösbar. Denn die Symptome ähneln denen einer Grippe, sagt Bachmeier-Traurig: Fieber, Schüttelfrost, Husten, Schnupfen, Kurzatmigkeit, Müdigkeit, Gliederschmerzen, Kopfschmerzen, Halsschmerzen und gelegentlich auch noch Verlust von Geschmacks- oder Geruchssinn, Appetitlosigkeit, Magen- und Darmbeschwerden. Eine Unterscheidung von XEC-Variante und Grippe ist also ohne Test nicht machbar.

Impfung empfohlen?

Empfiehlt das Gesundheitsamt eine Corona- bzw. Grippe-Impfung – und wenn ja, für wen? Hier verweist das Gesundheitsamt auf die Ständige Impfkommission (Stiko). Sie empfiehlt Menschen ab 60 Jahren und Erwachsenen mit Grunderkrankungen, sich im Herbst eine Auffrischungsimpfung gegen Corona zu holen.

Eine Grippeimpfung wird vor allem bestimmten Personengruppen geraten. Hierzu zählen insbesondere Menschen ab 60 Jahren, Personen mit chronischen Erkrankungen jeden Alters, Schwangere, Bewohner von Alten- und Pflegeheimen und Menschen mit erhöhtem beruflichem Risiko, beispielsweise medizinisches Personal.

Welchen Schutz bietet Impfung?

Welchen Schutz bieten die bereits verabreichten Impfungen gegen die neue Variante? Reicht es zum Beispiel, wenn man drei Mal geimpft ist und dazwischen an einer der Vorgänger-Varianten erkrankt war? Auch hier empfiehlt die stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamtes Personen ab 60 Jahren sowie Erwachsenen mit Grunderkrankungen, die ein erhöhtes Risiko für schwere Covid-19 Verläufe haben, jährliche Auffrisch-Impfungen im Herbst.

Allerdings verweist Bachmeier-Traurig auf eine Ausnahme, die die Stiko zur Auffrisch-Impfung empfiehlt: Personen, die zu der Risikogruppe gehören, können auf die Auffrisch-Impfung verzichten, wenn sie immungesund sind und sich im Lauf des Jahres mit SARS-CoV-2 infiziert haben.

Daten zur Wirksamkeit zeigten, dass der Impfschutz vor schwerer Erkrankung in der Regel mindestens zwölf Monate anhält. Mit den Impfungen im Herbst sollte ein bestmöglicher Schutz während der erwartbaren Infektionssaison erreicht werden. Dabei wird ein Impfstoff verwendet, der möglichst nah an aktuelle Varianten angepasst ist. Die aktualisierten Covid-19-Impfstoffe schützen aller Voraussicht nach auch bei den neuen Varianten vor schweren Krankheitsverläufen.

Wer kennt die Zahlen wirklich?

Eine Möglichkeit, trotzdem einen Rückschluss auf den momentanen Stand der Infektionen ziehen zu können, ist die Messung der Virenlast im Abwasser der Kläranlagen. Aber wird im Landkreis Cham überhaupt getestet?

Im Abwasser von Kommunen finden sich geringe Mengen an genetischer Information von Krankheitserregern, die im Einzugsgebiet aktuell Infektionen verursachen, bestätigt das Gesundheitsamt. Es benötige allerdings leistungsfähige Verfahren aus der Molekularbiologie, um die Infektionslast qualitativ zu erfassen und daraus das Infektionsgeschehen abzuschätzen zu können.

März 2020: An der Technikfront wurde teilweise noch per Fax gekämpft

Das Mulekulargenetische SARS-CoV-2 Überwachungsnetzwerk in Bayern wurde durch die Ludwig-Maximilians-Universität München eingerichtet. Diese wählt die Teststellen aus und führt die Tests durch. Das Gesundheitsamt verweist hierzu auf die Informationen auf der Internetseite unter https://www.bay-voc.lmu.de/abwassermonitoring. Dort findet man die nächsten Abwasser-Messstellen in Regensburg und Straubing. Beide zeigen fallende Tendenzen. In Passau steigt die Virenlast derzeit. Im Landkreis Cham existiert also keine Messstelle.

Als 11. März 2020 Corona zur Pandemie erklärt wurde, hat das die Gesundheitsämter in ganz Deutschland an ihre Grenzen gebracht und gezeigt, dass an der Technikfront teilweise noch per Fax gekämpft wurde. Wie ist das heute im Landkreis Cham? Was hat sich verbessert?

Bachmeier-Traurig sagt, dass bereits während der Pandemie im Gesundheitsamt Cham mit großartiger Unterstützung der Sachgebiete am Landratsamt, Informations- und Kommunikationsabläufe kontinuierlich effizienter und auch digitaler gestaltet worden seien. Dank guter technischer Ausstattung, sowohl bei Hard- als auch Software, sei die Bearbeitung der astronomisch hohen Inzidenzen im Frühjahr 2022 erst möglich geworden.

Für Pandemie gut gerüstet

Bei anderen Dienstleistungen des Gesundheitsamtes werden Abläufe gerade digitalisiert. Derzeit sei in Planung, die Bescheinigung für alle, die erstmalig gewerbsmäßig im Lebensmittelbereich tätig sind oder beschäftigt werden (Infektionsschutzbelehrung, sogenanntes „Gesundheitszeugnis“), digital zu gestalten. Die Terminbuchung für Schuleingangsuntersuchungen laufe unter anderem bereits über die digitale Plattform des Landratsamtes.

Während der Pandemie hatte das Gesundheitsamt den Personalstand massiv aufgestockt. Was ist davon eigentlich geblieben und wie ist der aktuelle Stand? Vor der Pandemie, so die stellvertretende Leiterin, habe das Gesundheitsamt aus 17 Vollzeitstellen bestanden, die während der Pandemie auf zwischenzeitlich rund 58 Stellen angewachsen waren. Derzeit gebe es um sieben Stellen mehr als vor der Pandemie, also insgesamt 24 Stellen. „Damit sind wir gerüstet für mögliche zukünftige Herausforderungen“, sagt Bachmeier-Traurig.

Wer kennt die Inzidenz?

Welche belastbaren Zahlen oder Anhaltspunkte hat das Gesundheitsamt für den Landkreis Cham überhaupt noch in Bezug auf die Ausbreitung von Corona, nachdem keine Meldepflicht mehr besteht und keine Tests mehr vorgeschrieben sind? Das Gesundheitsamt könne sich hier lediglich auf Inzidenz-Schätzungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) stützen. Die liege derzeit bei 1400.

Kommt das auch im Landkreis hin? Da kann Bachmeier-Traurig nicht sicher sein: „Hierzu können wir keine Aussage treffen. Belastbar sind letztlich nur die nach PCR-Test gemeldeten 37 Neuinfektionen innerhalb der letzten Woche. Dies entspricht einer 7-Tage-Inzidenz von 28,26. Zum Vergleich: In Bayern liegt diese bei 20,9.“