Beim neuen Tanzabend in Regensburg: Raum und Körper greifen ineinander

Das Ensemble des Theaters Regensburg lotet bei „Next to Me” tänzerisch kollektive Verschränkungen von Räumlichkeit und Körperlichkeit aus. Choreograf Gabriel Pitoni und Dramaturg Sascha Pieper stellten die Produktion, die am Wochenende ihre Uraufführung erleben wird, vorab im Antoniushaus vor.
Der deutsch-italienische Tänzer und Choreograf Gabriel Pitoni, seit dieser Spielzeit am Theater Regensburg tätig, entwickelt mit „Next to Me“ einen Tanzabend, der zum Mitfühlen und Staunen einlädt. Es geht um die Räume, in denen sich Menschen tagtäglich aufhalten, die sie sich aktiv schaffen und in denen sie miteinander in Kontakt treten. Die Grundidee von „Next to Me“: Kein Individuum bewegt sich je isoliert. Stattdessen, das erklärt der Choreograf bei der einführenden Matinee zum Tanzabend, stehen Menschen unweigerlich immer in Beziehung zueinander. Diese Interaktionen und deren emotionale Konsequenzen soll „Next to Me“ künstlerisch aushandeln.
„Es gehört dazu, alles auszuprobieren. Ich möchte alles mischen“, beschreibt Gabriel Pitoni seinen tänzerischen Ansatz, der sich organisch auf seine Arbeit als Choreograf zu übertragen scheint. Er sieht sich als Geschichtenerzähler, der stil- und genreübergreifend arbeitet, um Erfahrungswelten durch Tanz greifbar zu machen. Getreu dem Regensburger Spielzeitmotto „Entfernungen“ ermöglicht der Tanzabend nun das Abtauchen in verschiedene „Räumlichkeiten“ – von abstrakt bis konkret, von öffentlich bis privat – und rückt dabei die komplexe Dynamik menschlicher Interaktion in den Fokus einer aufwendig choreografierten Performance.
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Die Tänzerinnen und Tänzer werden bei „Next to Me“ zu einer Visualisierung von dem, was geschieht, wenn Menschen ihrer Körperlichkeit Ausdruck verleihen und ihren Platz in der Gesellschaft einnehmen. Szenen des teils aggressiv-aneckenden Nebeneinanders, in denen die Tanzenden rasch zwischen synchron und asynchron wechseln, werden durch häusliche Momente der Selbstfindung und des Fallenlassens ergänzt, die schließlich in einem kraftvollen Miteinander des Ensembles gipfeln.
Das Ineinandergreifen verschiedener Stile, das für Pitonis Arbeit so essentiell ist, soll sich in diesem Tanzabend jedoch nicht allein auf die Choreografie beschränken. Auch die Musik bedient sich verschiedener Genres. Scharfkantiger Elektrosound für Phasen der Reibung, des Wachstums und der Stärke alternieren mit sanfter, wohlig-warmer Klaviermusik und wecken – ebenso wie wechselnde Beleuchtungsszenarien – Assoziationen zu diversen menschlichen Erfahrungswelten, die die Choreografie dynamisch nachzuzeichnen sucht. Das Einbeziehen junger unbekannter Künstlern sei unter anderem im Fokus der Musikrecherche gestanden.
Besonders gespannt kann das Publikum auf das Zusammenspiel zwischen Tanz, Bühnenbild und Kostüm sein. Pitoni, der in einer Architektenfamilie aufgewachsen ist, verrät, dass er und Ausstatter Manuel Marte sich bei der Gestaltung der Kulisse vom Fundament eines Rohbaus inspirieren ließen. Als Grundlage eines Gebäudes ist das Fundament ein hochgradig symbolischer Raum. Gleichzeitig erzeugt dessen schlichtes Grau einen „Raum, der nicht per se etwas erzählt, sondern in dem man agieren kann“, so der Choreograf. Ein modularer Bühnenaufbau unterstützt den Ansatz. Neue Räume entstehen auch dadurch, dass die Kompanie die Bühnenelemente kontinuierlich verschiebt, neu anordnet und der Kulisse Leben einhaucht.
Durch die tänzerische Abstraktion alltäglicher Begegnungen und Bewegungen verspricht „Next to Me“ einen Abend voller (Selbst-)Entdeckungen.
„Next to Me“ wird am 3. November (18 Uhr) im Antoniushaus Regensburg uraufgeführt.