Steinbruch als Kulisse für Mammutübung: Über 140 Einsatzkräfte proben Katastrophenfall

Von Sebastian Pieknik · 28. Oktober 2024 um 19:00

Über 140 Einsatzkräfte aus der Großgemeinde Neustadt (Landkreis Kelheim) haben am Samstag für den Katastrophenfall trainiert. So lief die Übung ab.

Abgestürzte Radfahrer im unwegsamen Gelände, welche schwer verletzt sind, ein Fallschirmspringer, der im Kran festhängt, eine in Vollbrand stehende Gartenhütte sowie ein illegales Autorennen, das in einer Katastrophe endete – kaum vorstellbare, schlimme Szenarien, die das gesamte Wissen und die komplexe Technik der Feuerwehr fordern. Zum Glück waren das am vergangenen Samstag in der Großgemeinde Neustadt an der Donau nur Übungsszenarien. Insgesamt gab es am Samstag davon gleich sieben.

„Soweit ich zurückdenken kann, war das in der Geschichte der Gemeinde die erste Übung, bei der alle zwölf Feuerwehren mit eingebunden waren“, so Kommandant und Übungsleiter Jürgen Bucher, der am Ende des Tages sichtlich geschafft war. Seit 14 Tagen wurde an dem Konzept der Katstrophenschutzübung gefeilt, um die verschiedenen Einsatzlagen so realistisch wie möglich zu gestalten. Dabei durften vor allem Darsteller nicht fehlen, die unter anderem Verletzte oder vermisste Personen spielten.

„Gerade echte Darsteller lassen einen Übungseinsatz viel realistischer wirken und deshalb nochmals ein großes Dankeschön an euch“, so Bucher. Über 30 freiwillige Personen fanden sich ein und wurden seit den Vormittagsstunden professionell mit Kunstblut und Schürfwunden geschminkt, bevor es zur ersten Lage ging: Im unwegsamen Gelände stürzten zwei Radfahrer und blieben an einem Hang liegen. Eine Person wurde dabei von einem Pfahl durchbohrt und musste aufwendig aus dem Gelände gerettet werden.

Kooperation im Mittelpunkt

„Solche Übungen sind extrem wichtig, damit die verschiedenen Einheiten und Organisationen auch das Zusammenspiel lernen“, so Übungsbeobachter Wolfgang Weiß, der gleichzeitig auch für den Katastrophenschutz im Landkreis Kelheim verantwortlich ist. Nachdem die Radfahrer gerettet wurden, ging der Blick für die Einsatzkräfte in luftige Höhen: Ein abgestürzter Fallschirmspringer hing in einem Kran fest. Eine beeindruckende Kulisse, denn die Übung fand im Marchinger Steinbruch statt. Sofort eilten die ersten Kräfte an die Einsatzstelle.

Ein Team der Absturzsicherung – ein Fachbereich innerhalb der Feuerwehr, für welchen es extra Lehrgänge benötigt – rüstete sich sofort aus und bestieg den Kran bis hinauf zur abgestürzten Person in 28 Metern Höhe. Nachdem die Spezialisten der Feuerwehr die Person mit der Drehleiter retten wollten, musste der Plan umgedacht und die Person abgeseilt werden. „Nicht immer klappt Plan A, so ist das auch im echten Einsatz, aber genau dafür üben wir solche Situationen“, beobachtete Bucher das Agieren der Kräfte genau.

Über 140 Einsatzkräfte der Feuerwehr aus der Großgemeinde, aber auch aus der Nachbargemeinde Pförring, sowie die BRK-Bereitschaft Neustadt und die Drohneneinheit aus Sandelzhausen nahmen am dem Großübungstag teil, um vor allem das Miteinander intensiv zu üben. Die letzten Szenarien hatten es noch einmal in sich: Nach einer Gartenparty von Jugendlichen stand die Laube in Vollbrand.

Umherirrende Verletzte

Verletzte irrten umher und es explodierten immer wieder Gasflaschen – ein Mammuteinsatz für die Retter. Doch auch hier bewiesen sie einen kühlen Kopf und arbeiteten alle Stationen in Ruhe ab. Personenrettung und Brandbekämpfung sowie das Sichern der Einsatzstelle standen dabei an erster Stelle. Wenige Meter weiter kam es im Steinbruch nach einem illegalen Rennen zu einen Verkehrsunfall, mehrere Personen waren in den Fahrzeugen eingeklemmt und mussten schnell und patientenschonend befreit werden. Nach der Arbeit folgte die Manöverkritik, welche durchaus positiv ausfiel: „Natürlich gib es gewisse Nachbesserungen, über die man mit den Kommandanten der Ortswehren nochmal sprechen muss, aber im Gesamten ist die Übung super abgelaufen und es wurde niemand verletzt, das ist das Wichtigste“, freute sich Kommandant Jürgen Bucher.

Rettung eines Fallschirmspringers vom Kran Foto: Sebastian Pieknik
Einsatz nach einem Absturz in unwegsamen Gelände Foto: Sebastian Pieknik
Atemschutzträger bei den Vorbereitungen zum Einsatz Foto: Sebastian Pieknik
Eine in Vollbrand stehende Gartenhütte musste gelöscht werden. Foto: Sebastian Pieknik