Neubau der Grundschule Woffenbach wird deutlich teurer als geplant: Wie es dazu kam

Der Neubau der Grundschule Woffenbach wird deutlich teurer als in einer ersten Kostenschätzung angegeben. Über die neue Summe ärgerten sich die Neumarkter Stadträte und fragten nach, wie es dazu kommen konnte. Oberbürgermeister Markus Ochsenkühn kündigte Konsequenzen an.
Ende April 2024 hatte das Architekturbüro Berschneider + Berschneider eine Machbarkeitsstudie vorgestellt. Diese erste Untersuchung stellte mögliche Varianten einer Sanierung und eines Neubaus samt der groben Kosten gegenüber. Die Stadträte entschieden sich für einen Neubau samt Dreifach-Turnhalle an der Hochstraße gegenüber dem Gelände des BSC.
25 Millionen Euro lautete die erste Kostenschätzung des Architekturbüros. Das gab aber schon damals zu bedenken, dass die Kosten zum Baubeginn deutlich höher liegen könnten.
Hort war zuvor in Kostenschätzung nicht inbegriffen
Der Baubeginn ist noch weit, doch schon ein gutes halbes Jahr später sind die Kosten bereits massiv höher. Auf rund 40 Millionen Euro schätzt sie eine neue Berechnung, deren Genauigkeit die Verwaltung mit einer Bandbreite von plus/minus 40 Prozent angab. Lautes Murren war im Rathaussaal zu hören. So mancher Stadtrat schüttelte den Kopf. „Das ist ein Brett“, brachte es CSU-Fraktionschef Peter Ehrensberger auf den Punkt.
Wie konnte die Machbarkeitsstudie so daneben liegen? Diese Frage trieb viele Stadträte um. Die Antwort liegt neben gestiegenen Baukosten vor allem darin, dass in ihr weitere Planungen für die Schule noch nicht inbegriffen waren. Zum Beispiel soll ein Hort neu gebaut werden.
Aktuell nutzt die Schule das Donauer Kinderhaus. Die Nachfrage sei aber größer als der vorhandene Platz, sagt Schulleiterin Gisela Winkler. Ein neuer Hort entlaste den Kindergarten. Er könnte mehr benötigte Krippenplätze anbieten, erklärte die Stadtverwaltung. Nicht zuletzt wäre der Weg vom neuen Schulgebäude zu einem Hort im Donauer Haus sehr lang.
Den auch wegen des besonderen pädagogischen Konzepts der Grundschule (siehe Infokasten am Textende) benötigten Platz, hätten Schulleitung und Verwaltung in Gesprächen bereits auf ein Minimum reduziert, hieß es in der Sitzung. Trotzdem bleibe es wichtig, dass die Schule auch Möglichkeiten habe, erweitert zu werden. Auf dem nicht weit entfernten Flugfeld könnten in den kommenden Jahrzehnten neue Wohngebiete entstehen.
Neue Grundschule Woffenbach ist auf 200 Schüler ausgelegt
Die Pläne eines auf 200 Schüler ausgerichteten Neubaus mit Mittagsbetreuung und Hort hat laut Verwaltung das Wohlwollen der Regierung der Oberpfalz. Die wegen der Vereine größer geplante Turnhalle entspricht hingegen nicht den Förderrichtlinien. Dennoch: Fördergelder in Höhe von mindestens fünf Millionen Euro sind für den Schulneubau in Aussicht.
Das änderte aber nichts am Entsetzen vieler Stadträte angesichts der massiven Kostensteigerung seit April. Etliche Räte zweifelten den Sinn von Machbarkeitsstudien an, wenn sich diese oftmals nur als „Luftnummern“ (Ehrensberger) erwiesen. „Ich bin auch kein Freund von Machbarkeitsstudien“, sagte OB Ochsenkühn und kündigte einen Kurswechsel an. Künftig will die Stadt keine Machbarkeitsstudien mehr extern vergeben. Der OB erhofft sich von der Verwaltung präzisere Arbeit. Die nötige Kompetenz sei vorhanden.
An der Summe von 40 Millionen Euro hätte aber auch eine erste Studie aus dem Rathaus wohl nichts geändert. Mit der Zahl wollten sich aber nicht alle Stadträte abfinden. Martin Meier (UPW) plädierte dafür, das Projekt im Ganzen von einem Generalunternehmer umsetzen zu lassen. Mit Klebl habe man in Neumarkt eine Firma, die bei Schulbauten in Berlin damit Erfahrungen gemacht habe. Er warf die Zahl in den Raum, dass sich damit die Kosten auf 30 Millionen Euro senken ließen.
Grundschule Woffenbach könnte im Jahr 2031 fertig sein
Diese Summe zweifelte Ochsenkühn an. Man habe die charmante Option eines regionalen Generalunternehmers geprüft. Es sei aber nicht gesichert, dass sich regionale Unternehmen in einem Vergabeverfahren durchsetzten.
Stadtbaumeister Matthias Seemann erklärte, warum die Verwaltung von einem Generalunternehmer abrät. Man müsse im Vorfeld alles wasserdicht planen, bevor man den Generalunternehmer beauftrage. Das koste Jahre. Nachsteuern sei zudem danach schwierig und nur mit Verzögerungen und Mehrkosten möglich. „Da sind wir unterschiedlicher Meinung“, stellte Meier abschließend fest.
Bei einem waren sich aber alle einig: Dass die Schule grundsätzlich notwendig ist. Einstimmig beschloss der Stadtrat, weiter zu planen. Bis die Planung fertig und die Schule gebaut ist, wird es Jahre dauern. Glaubt man einem ersten Terminplan, könnte die Schule 2031 umziehen.
Das pädagogische Konzept der Grundschule Woffenbach
Flexible Grundschule: Die Grundschule Woffenbach ist eine Flexible Grundschule. Dabei wird viel Rücksicht auf die Unterschiede zwischen den Kindern genommen. Nicht jedes lernt gleich schnell und ist gleich weit in seinen sozialen Fähigkeiten. Die Flexible Grundschule bietet den Spielraum, um auf die Stärken und Schwächen der Kinder einzugehen, wie die Rektorin Gisela Winkler erklärt.
Flexible Zeit: Flexibilität bedeutet vor allem, dass die Kinder die Zeit bekommen, die sie brauchen. Wer nach zwei Jahren noch nicht soweit ist für die dritte Klasse, der kann auch ein drittes Jahr in den ersten beiden Jahrgangsstufen dranhängen. Ohne, dass dies als Wiederholen gilt. Umgekehrt ist es aber so: Wer schnell lernt und sozial schon weit ist, kann nach einem Jahr in die dritte Klasse springen. „Drei Jahre werden aber von immer mehr Eltern gerne genommen“, sagt Winkler. Bedeutet: Der Raumbedarf der Schule wächst, weil mehr Kinder an der Schule sind. Wie viele genau, sei aber schwer vorauszuplanen, sagt die Rektorin. Hinzu kommt der aufwendige Unterricht, der auf die unterschiedlichen Lerngeschwindigkeiten Rücksicht nimmt.
Jahrgänge kombiniert: Die Schüler sind in Kombiklassen. Erst- und Zweitklässler werden zusammen unterrichtet. Das habe große Vorteile für das Lernen und das soziale Verhalten, erklärt Winkler. Die Großen unterstützen die Kleinen. Beispielsweise vertiefen die Großen das Gelernte, wenn sie es den Kleinen nochmals erklären.
