„Das ist es mir absolut wert“: Parkscheinpflicht in der Werftstraße in Regensburg kommt gut an

Von Jürgen Scharf · 23. Oktober 2024 um 19:00

Sylvia Tuerk legt gerade ihren Parkschein hinter die Windschutzscheibe. Zwei Euro hat sie investiert, um zwei Stunden in der Werftstraße in Regensburg parken zu können. „Und das ist es mir absolut wert“, sagt sie.

Sie habe jetzt auf Anhieb einen Parkplatz bekommen, sagt Tuerk – und hat eine eindeutige Meinung: „Die Änderung der Regelung war auf jeden Fall gut.“

Seit vergangener Woche ist in der Werfstraße in Sachen Parkplätze nämlich alles anders. Die Stadt Regensburg hat für die frei benutzbaren Flächen eine Parkscheinpflicht eingeführt. Damit soll nach Angaben der Kommune dem zuletzt grassierende Dauerparken ein Riegel vorgeschoben werden. Für die Anwohner gibt es derweil weiterhin eigene Parkplätze, bei denen sich nichts ändert.

Eine böse Überraschung

Das Resultat: Gestern Vormittag sind die freien Parkflächen zu einem großen Teil unbenutzt. Kurz vor Mittag steht im vorderen Bereich der Werfstraße nur ein einziges Auto in einem der nun parkscheinpflichtigen Bereiche. Der Fahrzeugbesitzer wird allerdings eine unschöne Überraschung erleben, wenn er zu seinem Wagen zurückkehrt. Hinter dem Scheibenwischer steckt ein Strafzettel. Die Parkscheibe, die der Autofahrer hinter die Windschutzscheibe gelegt hatte, reicht hier jetzt nämlich nicht mehr aus.

Sylvia Tuerk stellt ihren Wagen direkt dahinter ab. Sie ist positiv überrascht, sagt sie, welche starken Auswirkungen die Änderung der Regelung hatte. Und die zwei Euro, die sie für das Ticket bezahlt, seinen in Ordnung, findet sie: Mit dem Bus zu fahren hätte sie sogar noch etwas mehr gekostet, rechnet sie vor.

Die Stadt Regensburg überwacht, ob sich die Autofahrer an die neue Regelung halten. Wie sie mitteilt, seien bei Nichtbeachtung in den ersten Tagen noch lediglich Hinweiszettel angebracht worden. Seit vergangenem Freitag würden aber auch Bußgelder verhängt werden. An den ersten zwei Tagen habe es elfmal einen Strafzettel wegen eines fehlenden Parktickets und acht Mal wegen eines fehlenden Anwohnerparkausweises gegeben.

Auch am Alten Eisstadion muss nun bezahlt werden

Auf dem öffentlichen Parkplatz am Alten Eisstadion wurde im Sommer ebenfalls eine Parkscheinpflicht eingeführt. Am 1. August lief dabei die Übergangsfrist aus. Autofahrer ohne Parkticket müssen seitdem ein Bußgeld zahlen.

Betreiber des Parkplatzes ist das Stadtwerk. Sprecher Martin Gottschalk teilt mit, dass bei Parken ohne Ticket eine Vertragsstrafe von 45 Euro erhoben werde. Wie oft diese bereits verhängt wurde, sei dem Stadtwerk aber nicht bekannt, da dieser Bereich über einen externen Dienstleister abgewickelt wird. „Anhand der Einnahmen über die Automaten, über die App- oder Web-Bezahlmöglichkeit, zeigt sich aber, dass die Kunden den Betrag von einem Euro pro zwölf Stunden meist sehr zuverlässig bezahlen“, sagt er.

Die drei auf dem Gelände aufgestellten Parkautomaten würden „bislang sehr zuverlässig“ laufen, sagt Gottschalk. Auch die Möglichkeit, bargeldlos zu zahlen, werde sehr gut angenommen. Das Stadtwerk will ihm zufolge allerdings noch nicht öffentlich mitteilen, wie viele Parktickets bislang gelöst wurden. Die neue Regelung sei schließlich eingeführt worden, um im Rahmen eines Testzeitraums genaue Daten für den Stadtrat zu sammeln. Diese sollen als Basis für die Debatte über die Notwendigkeit eines neuen Parkhauses dienen. „Konkrete Zahlen werden am Ende des Testzeitraums dem Stadtrat zur Verfügung gestellt. Ich bitte also um Verständnis, dass wir keine Zwischenmeldungen veröffentlichen werden“, sagt Gottschalk. Mit der bisherigen Nutzung sei das Stadtwerk grundsätzlich aber „sehr zufrieden“.

Ein kleiner Schilderwald

Auch Familie Goehl aus Tirschenreuth benutzt heute den Parkplatz. Mutter und Tochter steigen gerade aus dem Auto aus. Sie hätten früher auch hier geparkt und seien nun überrascht gewesen, dass es jetzt etwas kostet.

Mit den vielen Schildern, die an der Einfahrt über das automatische Scannen der Kennzeichen informieren, hätten sie auch einiges zu lesen gehabt, meint die Mutter mit einem Schmunzeln. Letztlich sei es dann „aber schon zu verstehen“ gewesen. „Wir müssen jetzt eben noch am Automaten unser Kennzeichen eingeben und bezahlen. Fertig!“, sagen sie – und schlendern dann weiter zum Parkautomaten.

Familie

Am Alten Eisstadion werden die Kennzeichen für die Parkscheinüberwachung automatisch erfasst. Foto: Scharf