In Irnsing marschieren Kinder mit Alpakas ins Leben

Von Wolfgang Abeltshauser · 22. Oktober 2024 um 11:00

Seit rund zwei Jahren existiert mit dem Naturkindergarten im Neustädter Ortsteil Irnsing eine besondere Betreuungseinrichtung mit Seltenheitswerk in der Region. Spezielle Tiere spielen dabei eine nicht ganz unwichtige Rolle für die Kinder.

Es ist kurz nach 10 Uhr. An diesem freundlichen Oktobervormittag scheint die Sonne noch einmal kräftig auf die Irnsinger Höhen. Kein Wunder, dass die 25 Kinder, die gerade ihre Brotzeit beendet haben, bestens gelaunt auf ihrer Spielwiese herumtollen. Während sich einige im Sandkasten vergnügen, ist der kleine Josef im benachbarten Gehege der Alpakas zu Gange.

Die sind seit rund einem Jahr mindestens einmal pro Woche zu Gast im Naturkindergarten, der seit zwei Jahren am Stadtweg auf einem städtischen Grundstück sein Domizil hat. Ihr Eigentümer Michael Weidinger ist sich ziemlich sicher, dass sie den Weg von ihrem eigentlichen Gehege, das einige hundert Meter weit entfernt liegt, gerne machen. Warte doch beim Naturkindergarten eine schöne sonnenüberflutete Weide mit grünem Gras auf sie.

Dort lockt gerade der kleine Josef mit Körnerfutter zwei der Tiere in ein kleines Gehege, damit ihnen Halfter angelegt werden können. Es soll auf eine kleine Wanderung gehen. Der Junge hat Zutrauen zu den Tieren – Angst vor den für den kleinen Mann großen Tieren scheint er gar nicht zu haben.

Selbstvertrauen entwickeln

Dass sich die Kinder zutrauen, sich den Alpakas zu nähern, auf diese Weise Selbstvertrauen tanken, ist in den Augen von Leiterin Pia Melzl ein Ziel des Einsatzes der Tiere im Naturkindergarten. Es war ihre Idee, nachdem sie eine Zusatzausbildung in tiergestützter Pädagogik abgelegt hat. Letztendlich war es aber Zufall, dass Alpakas eingesetzt werden.

Weidingers Sohn ist eines der 25 Kinder im Naturkindergarten – und so kamen er und die Leiterin im Vorjahr ins Gespräch. Es folgte das eine Wort auf das andere – bald war der Plan geschmiedet.

Wanderungen mit den Alpakas sind ein Teil der Arbeit mit den Tieren. Dazu gebe es laut Melzl übliche Angebote, etwa Malen oder Basteln, im Gehege. Da gehe es darum, sich an die Nähe der Tiere zu gewöhnen. Lob für die Kleinen aus dem Mund von Melzl bleibt nicht aus. Denn die seien immer ganz fleißig dabei, wenn es etwa darum gehe, zu misten oder die Alpakas zu füttern. Auch das müsse sein. Auf diese Weise würden sie lernen, Verantwortung für andere Lebewesen zu übernehmen.

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Gleich neben der Weide für die Tiere erblickt man einen kleinen Gemüsegarten. Auch er dient dem Konzept, das ganze Jahr über die Natur zu erleben. Dort pflanzen die Kinder gemeinsam mit Melzl und deren drei Kolleginnen Gemüse, gießen es, jäten Unkraut und ernten schließlich. Oft würden die kleinen Kiebitze nachschauen, wie weit die Pflanzen den schon gediehen sind. Letztendlich wandert all das Gemüse auf die Teller der Kinder, die in der kleinen Hütte auf dem Gelände Mittagessen bekommen.

Grundsätzlich besagt das Konzept der Einrichtung, dass die Kinder so gut es gehe in freier Natur betreut werden. Sämtliche Zeit soll draußen verbracht werden – entweder auf dem Platz am Stadtweg oder es werden Ausflüge in die nahe Natur unternommen. In Freispielphasen können die Kinder ihrer Kreativität freien Lauf lassen – etwa auf dem Buddelberg, im Sandkasten und auf dem Balancierbalken. In der kalten Jahreszeit gibt es die Möglichkeit, sich am Holzofen aufzuwärmen.

Melzl betont, dass der Kindergarten im Falle des Falles auch die Räume des nahen Feuerwehrgerätehauses nutzen dürfe. Wobei das bei Kälte wohl nicht sein muss, „die macht den Kindern gar nicht so viel aus“. Bei ganz starkem Regen könne ein Ausweichen aber vorkommen. Oder die Betreuerinnen entscheiden sich, für Arbeit in ganz kleinen Gruppen das Gebäude aufzusuchen.

Andrea Förstl, im Rathaus für die Kinderbetreuung zuständig, blickt zufrieden auf das Geschehen. Man sei seitens der Stadt sehr zufrieden mit der Entwicklung des Kindergartens. Die Stadt hat seinerzeit mit angeschoben, den Naturkindergarten aus der Taufe zu heben, nachdem sich der Bau einer klassischen Betreuungseinrichtung im Ortsteil noch hinzieht.

Eltern stehen dahinter

Melzl erzählt, dass zu Beginn vor allem Eltern deshalb ihre Kinder in den Naturkindergarten gaben, weil es dort eben freie Plätze gab. Immer mehr sei es jetzt aber die Regel, dass Neustädter ihre Sprösslinge anmelden, weil sie hinter dem Konzept stehen. So sei für Weidinger rasch klar gewesen, seinen Sohn dort unterzubringen.

Da der am liebsten den ganzen Tag im Freien spiele, sei es auf der Hand gelegen. Derzeit werden die Kinder von Montag bis Freitag von 7.30 Uhr bis 14 Uhr betreut. Eine Ausweitung dieses Angebots ist laut Förstl und Melzl nicht angedacht. Das würde die derzeitigen räumlichen und personellen Grenzen sprengen.