Welche Optionen gibt es für die Aerumtec-Mitarbeiter in Bad Kötzting noch?

Das Werk von Aerumtec in Bad Kötzting (Landkreis Cham) soll geschlossen werden, doch was soll mit den 120 Mitarbeitern geschehen? Nach drei Runden stecken die Verhandlungen fest – die Argumente reichen von Wirtschaftlichkeit bis Verhandlungs-Taktik.
Dass wohl schon in diesem Monat mit der Produktion von Aerumtec – einem Draht- und Litzen-Hersteller mit Sitz im fränkischen Weißenberg – am Standort in Bad Kötzting Schluss sein könnte, wird innerhalb der Belegschaft wohl schon diskutiert. Dass sich die Werkstorte zum Jahresende schließen werden, ist aber auf jeden Fall beschlossene Sache. In den nun laufenden Verhandlungen des Konzerns mit Betriebsrat und IG Metall geht es darum, wie nicht nur die 120 Mitarbeiter am Standort in der Pfingstrittstadt, sondern auch in Weißenburg abgefunden werden können – und auch der Landkreis hat sich bereits eingeschaltet, um Job-Perspektiven eröffnen zu können.
Zuletzt hatten die Mitarbeiter in Bad Kötzting vor Beginn der jüngsten Verhandlungsrunde vor den Werkstoren demonstriert, um auf ihre Lage aufmerksam zu machen. Am Ende des Tages stand der Abbruch der Verhandlungen, wobei Betriebsrat und Gewerkschaft die angebotenen Abfindungen als zu gering einschätzten.
Nun soll die Angelegenheit an die Einigungsstelle – eine innerbetriebliche Schlichtungsstelle – übergeben werden. Im Gespräch mit unserem Medienhaus legen die Beteiligten ihre Positionen schon einmal dar. „Der Umfang der Abfindungen kann sich nur danach bemessen, was das Gesamtunternehmen zur Verfügung stellen kann, ohne sich selbst in wirtschaftliche Schwierigkeiten zu bringen“, sagt Frank Hohl, Sprecher des Unternehmens. Das sei gesetzlich „im Sinne der Anforderungen an die finanzielle Stabilität streng festgeschrieben und für die Geschäftsführung bindend“. Auch die Betriebsräte trügen rein rechtlich hierfür eine Mitverantwortung, weshalb alles weiter geordnet ablaufen solle.
„Ich widerspreche der Darstellung, die Abfindungshöhe sei ,gesetzlich streng festgeschrieben‘“, sagt Rico Irmscher von der der IG Metall. Das Unternehmen habe bereits am 10. Oktober dargestellt, woher die Grenze bei den Abfindungen komme. Die Verhandler vor Ort hätten vom Management ein Volumen mitgeteilt bekommen, das „offenbar von den Gesellschaftern und/oder dem Management festgelegt wurde und folgt deren Regeln, keinesfalls einer gesetzlichen Vorschrift“.
Die IG Metall habe natürlich ein großes Interesse daran, dass der Betrieb in Weißenburg, der ja weitergeführt werde, beste Voraussetzungen für die Zukunft habe. Das sei einer der Gründe, warum die Verhandlungen zur Schließung des Standortes Bad Kötzting gemeinsam mit den Weißenburger Kollegen geführt würden. Die Schließung des Standortes in Bad Kötzting mit der finanziellen Sicherheit des Werkes in Weißenburg zu verknüpfen sehe die IG Metall als Maßnahme, einen Keil in die Belegschaft zu treiben. Sicherheit für Weißenburg sei wichtig, „Gleichzeitig ist es aber auch ein Gebot des Anstands und der Gerechtigkeit, dass das Management genügend Mittel für Abfindungen für diejenigen zur Verfügung stellt, die aufgrund der Management-Entscheidung und -Verfehlung ihren Arbeitsplatz in Bad Kötzting verlieren“, so Irmscher.
Auch der Landkreis hat sich eingeschaltet
Im Hintergrund hat sich auch der Landkreis Cham eingeschaltet, um wenigstens einige der 120 Mitarbeiter an andere Unternehmen vermitteln zu können. „Die Gespräche zur Übernahme des Produktionsstandortes sind aufgrund der aktuellen Wirtschaftssituation und der Rahmenbedingungen in Deutschland schwierig“, heißt es aus der Pressestelle. Landrat Franz Löffler habe zusammen mit den Beteiligten mehrere Gespräche, sowohl mit regionalen Akteuren als auch mit internationalen Firmen geführt.
Schwerpunkt sei dabei nicht nur der Produktionsstandort, sondern auch eine Übernahme der Mitarbeitenden. Doch zeige sich die „aktuell zurückhaltende Investitionsbereitschaft in den Standort Deutschland deutlich“, auch wenn der Wirtschaftsstandort Landkreis Cham von den Firmen deutlich positiver gesehen werde. Daher liefen auch mit „Invest in Bavaria“ des Bayerischen Wirtschaftsministeriums Gespräche mit internationalen Investoren laufen.