Fit für Notfälle: Daniel Brossart aus Wackersdorf bietet nun kostenlose Erste-Hilfe-Kurse an

Von Philipp Breu · 19. Oktober 2024 um 19:00

Jeder kann von einer Sekunde auf die andere in einen akuten Notfall verwickelt werden. Dann sollte man wissen, was zu tun ist. Das versucht Daniel Brossart (27) den Teilnehmern in seinen Kursen klarzumachen. Vor zwei Jahren hat sich der Wackersdorfer im Bereich Erste Hilfe selbstständig gemacht. Nun hat er eine neue Aktion ins Leben gerufen – und auch für die Zukunft hat er viel vor.

Der Ort für den Pressetermin ist ungewöhnlich. Mit einem breiten Grinsen öffnet Daniel Brossart im Gesundheitszentrum Ostoberpfalz die Tür und betritt den OP-Saal. Seit geraumer Zeit bietet er hier, im ehemaligen Neunburger Kreiskrankenhaus, einen Teil seiner Kurse an. Obwohl hier schon länger keine medizinischen Eingriffe mehr stattfinden, sind alle Geräte noch vorhanden – und funktionsfähig.

Wie der Zufall so spielt, hatte Brossart vor einem Jahr Gerhard Fersch kennengelernt. Dieser betreibt im Gesundheitszentrum an der Krankenhausstraße mit dem Refugium seit vielen Jahren unter anderem eine vollstationäre Pflegeeinrichtung und hat das Gebäude vor zwei Jahren gekauft. Beide hätten sich auf Anhieb super verstanden und vereinbart, dass sich der junge Firmengründer für seine Kurse hier einmieten darf. „Ich finde es wirklich klasse, was er macht“, sagt Fersch über Brossart und der 27-Jährige schwärmt derweil über die Räumlichkeiten, die für seine Firma „and1more“ so viele Möglichkeiten bieten würden.

Jahrelang in Hilfsdienst aktiv

Das Unternehmen, das zunächst Wackersdorfer Sanitäts- und Hilfsdienste hieß, existiert seit zwei Jahren und hat mittlerweile sechs Mitarbeiter. Zum Portfolio gehören klassische Erste-Hilfe-Kurse für Jedermann, aber auch Diagnostikkurse (Lungenfunktion, EKG, Echokardiografie) für Fachpersonal bis hin zu Notfalltrainings, Sanitätslehrgängen, Schulungen für Berufsfachschulen und Simulationstrainings für Assistenzärzte.

Die Medizin ist schon lange Teil von Brossarts Leben. Seine Mutter arbeitet als Internistin in Regensburg. „Ich habe meine Mama oft im Krankenhaus besucht und alle Arzthelfer persönlich gekannt“, sagt er. Da scheint es nicht verwunderlich, dass sich auch der junge Wackersdorfer für einen medizinischen Beruf entschieden hat.

Mittlerweile ist der 27-Jährige Medizintechnologe für Funktionsdiagnostik und kann auf jahrelange ehrenamtliche Arbeit bei einem Hilfsdienst zurückblicken. Dort leitete er auch Erste-Hilfe-Kurse und fand immer mehr Gefallen daran. Einziges Manko: Der junge Mann konnte die Kurse nie ganz so gestalten, wie er wollte. „Ich musste mich an einen festgelegten Leitfaden halten, was auch völlig verständlich ist“, sagt er. Dass sei aber nie zu 100 Prozent sein Ding gewesen. Die Überlegungen reiften, die Kurse selbstständig anzubieten. Vor zwei Jahren machte er dann Nägel mit Köpfen und gründete die Wackersdorfer Sanitäts- und Hilfsdienste. Zunächst habe er mit Rehakursen an Schulen begonnen, dann sei die Sache „immer weiter ausgewachsen“.

Daniel Brossart lehrt an zwei Standorten

Mittlerweile lehrt er an zwei Standorten: am Firmensitz in der Wackersdorfer Sportplatzstraße und eben auch in den Räumen des Gesundheitszentrums Ostoberpfalz in Neunburg. Und auch der Name des Unternehmens hat sich geändert. Aus Wackersdorfer Sanitäts- und Hilfsdienste wurde „and1more“. „Der Fokus liegt bei uns klar auf der Bildung. Da hat der alte Name nicht mehr gepasst. Auch wenn wir nach wie vor nebenher noch Sanitätsdienste anbieten – zum Beispiel für größere Veranstaltungen“, erklärt Brossart.

Der Namensbestandteil „and“ sei indes eine Abkürzung und stehe für Akademie, Notfallmedizin, Diagnostik – die drei Säulen seines Unternehmens. Das englische Wort „more“ steht für „und mehr“. Wie viele Kurse der junge Wackersdorfer mit seinem Team stemmt, sei schwer zu sagen. „Im Sommer war es extrem ruhig, aber nun sind es alleine im Oktober schon 20 und im November haben wir auch schon zehn“, sagt er.

Wiederbelebung und stabile Seitenlage

Und schon bald werden noch mehr dazukommen. Denn Brossart hat nun eine neue Aktion ins Leben gerufen: kostenlose Reanimationskurse für Jedermann in kleinen Gruppen. Diese entstanden in Kooperation mit Refugium – Gesundheitsdienste Fersch und dem Ärztenetz Regensburg. Die ersten Termine sind bereits auf der and1more-Internetseite unter dem Titel „Reanimationstraining: Safe in deiner Stadt!“ zu finden. Eine Anmeldung ist zwingend erforderlich.

Mit dem neuen Angebot will Brossart nach eigenen Aussagen Hemmungen abbauen. In seinem Alltag habe er die Erfahrung gemacht, dass sich viele Menschen davor scheuen würden, Erste Hilfe zu leisten. Vor allem, wenn es um Wiederbelebung geht. Dabei sei das in akuten Notfällen essenziell. „Die Regel besagt, dass mit jeder Minute die Lebenswahrscheinlichkeit um zehn Prozent sinkt.“ Gerade in den ländlichen Gegenden könne es aber bis zu 20 Minuten dauern, bis der Notarzt kommt.

90 Minuten sollen die Kurse dauern und auch am Wochenende stattfinden. „Wiederbelebung und stabile Seitenlage, das war‘s“, erklärt Brossart, der damit Menschen animieren möchte, ihre Kenntnisse aufzufrischen. Denn vor allem zeitliche Engpässe und die hohen Kosten (ein üblicher Erste-Hilfe-Kurs kostet zwischen 50 und 60 Euro) würden immer wieder als Gründe genannt, warum entsprechende Kurse nicht wahrgenommen werden. „So gibt es keine Ausreden mehr“, sagt Bossart mit einem Augenzwinkern.

Doch dabei soll es nicht bleiben. Der junge Gründer hat mit „and1more“ noch viel vor. So liebäugelt er damit, zukünftig in Kooperation mit Feuerwehren die Helfer-vor-Ort-Dienste auszuweiten sowie mehr Kurse für Ärzte anzubieten. Auch an die Gründung einer Rettungssanitäterschule hat er schon gedacht. All das soll dazu dienen „unsere liebenswerte Region sicherer zu machen“, so Brossart.

Darauf kommt es bei akuten Notlagen an

Eigenschutz: Egal ob Ersthelfer, Pfleger oder Facharzt. Laut Bosshart sollte bei Notfällen zunächst immer auf den Eigenschutz geachtet werden. Die Einsatzstelle muss sicher sein, bevor man mit den Hilfsmaßnahmen beginnen kann.

Kontakt: Ansehen, ansprechen, anfassen – die Kontaktaufnahme ist wichtig, um zu überprüfen, ob die Person noch bei Bewusstsein ist.

Atemkontrolle: Ist die Person nicht mehr ansprechbar, sollte die Atmung kontrolliert und das Umfeld alarmiert werden. Dazu sollte der Kopf leicht nach hinten gestreckt werden, um die Atemwege frei zu machen. Die Atmung sollte mindestens fünf Sekunden überprüft werden. Dazu aktiv über die Person beugen, hören und den Brustkorb beobachten.

Reanimation: Ist keine Atmung mehr vorhanden, sollte der Notruf veranlasst und umgehend mit der Reanimation begonnen werden. Bei der Herzdruckmassage ist es wichtig, senkrecht auf die Mitte der Brust zu drücken – jeweils sechs bis sieben Zentimeter tief und mit einer Frequenz von etwa zwei Stößen pro Sekunde. Nach 30 Herzdruckmassagen folgen in der Regel zwei Beatmungen – vor allem, wenn Kinder betroffen sind: Mund zu Mund oder Mund zu Nase.

Dauer: Die Reanimation keinesfalls unter- oder abbrechen – bis der Notarzt übernimmt.

Wie man ein mobiles Atmungsgerät bedient, lernen Fachkräfte unter anderem im ehemaligen Neunburger Kreiskrankenhaus.
Eine Lungenpunktion üben Fachärzte an dieser Puppe.