Böller-Streit in Deining endet mit Schlagstock-Attacke: Aber welche Aussage stimmt?

Von David Santl · 16. Oktober 2024 um 15:43

Ein 19-Jähriger soll zwei Männer in Deining mit einem Schlagstock attackiert haben. Grund ist ein Streit über nächtliche Böller-Schüsse. Aber sind die beiden Opfer wirklich komplett unschuldig? Das bleibt vorerst unklar. Denn der womöglich entscheidende Zeuge kam nicht zur Verhandlung.

Zunächst klingt alles nach klassischer gefährlicher Körperverletzung. Ein 19-Jähriger soll im August 2023 in Deining zwei Männer mit einem Schlagstock verprügelt haben. Die beiden erlitten laut Anklage Blessuren. Doch die Sache sollte schnell eine andere Wendung nehmen. Es werde kein Geständnis geben, machte Verteidiger Thomas Lößel klar. Die 41- und 35-jährigen Männer – zwei Schwager – hätten den Angeklagten angegriffen, sodass dieser aus Notwehr den Stock gezückt habe. Hintergrund sollen Böller-Schießereien in der Zeit davor gewesen sein.

Die Männer, so Lößel, hätten den Angeklagten und einen Freund verantwortlich gemacht. Der Angeklagte und sein Begleiter hätten die Sache klären wollen und seien zum Grundstück des 35-Jährigen gefahren. Doch dann sei dieser mit dem 41-Jährigen auf sie zugelaufen. Der Angeklagte und sein Freund seien mit dem Rad geflüchtet, die Männer seien ihnen gefolgt. Dadurch sei die Rangelei entstanden, in der der Angeklagte zur Verteidigung zugeschlagen habe – und selbst eine Sprunggelenksfraktur davongetragen habe. Zudem warf Lößel einem der Männer vor, sich auf das Genick des Angeklagten gekniet zu haben, als dieser am Boden lag.

Die Aussage einer Anwohnerin warf auch kein gutes Licht auf die Schwager. Sie habe gesehen, wie der Angeklagte am Boden lag und sie auf ihn „eingewirkt“ hätten. Einer habe gesagt, dass Polizei und Rettungsdienst unterwegs seien. Die Zeugin schilderte, dass sie geblieben sei, um Erste Hilfe zu leisten. Sie habe das Gefühl gehabt, der 19-Jährige werde massiv bedroht.

Gewalt angewandt oder Erste Hilfe geleistet?

Völlig anders schilderten die Männer die Geschichte. Der 35-Jährige berichtete, dass sein Schwager zu Besuch gewesen sei. Dann seien die beiden Jüngeren gekommen, um die Böller-Sache zu klären. Er habe gesagt, dass er die Polizei hole und man dann sprechen könne. Daraufhin seien sie weggefahren. Sein Schwager und er seien gefolgt. Doch dann habe der 35-Jährige gesehen, wie der Angeklagte den Schwager mit dem Stock schlägt. In der Folge hätten sie versucht, ihn zu stoppen. Daraufhin seien alle Drei zu Boden gegangen und der 19-Jährige habe geschrien, dass sein Fuß wehtue. Daraufhin hätten sie gleich Erste Hilfe geleistet.

Beide stritten energisch ab, sich auf sein Genick gekniet zu haben oder sonst auf ihn „eingewirkt“ zu haben. Der 41-Jährige betonte, dass sich der Angeklagte mit den Schlägen nicht verteidigen wollte. Sein Freund habe dem 19-Jährigen stattdessen „mach das nicht“ zugerufen. Dieser Freund schien an der direkten Rangelei zwar unbeteiligt gewesen zu sein, nicht aber an der Vorgeschichte. Denn der 35-Jährige erzählte, dass er diesen in einer Nacht davor wegen der Böllerwürfe zur Rede gestellt habe. Da sei er „wie ein Gangster“ auf ihn zugegangen und habe später einen Stein nach ihm geworfen. Zu seiner Zeugenaussage erschien der Mann jedoch nicht. Darum setzte Richter Marcel Dumke für nächsten Donnerstag einen zweiten Verhandlungstag an, um auch ihn vernehmen zu können.