Der Boden ist Lava: Wie man in Regensburg für den Ironman auf Hawaii trainiert

Es ist das legendärste Rennen der Welt: Der Ironman auf Hawaii ist für viele Triathleten das Non plus ultra. Hans-Christoph Gallmeier erfüllt sich am 26. Oktober den Traum, dabei zu sein. Wie sich der promovierte Chemiker auf die extreme Belastung vorbereitet, erzählt er bei einem Lauf im Regensburger Donaupark.
Die Sonne strahlt durch das dichte Blätterdach der Bäume, glitzert auf der Oberfläche des Westbadweihers und spiegelt sich in Hans-Christoph Gallmeiers Sportsonnenbrille wieder. Ausnahmsweise mal regnet es bei seinem Lauftraining nicht und es kommt fast sowas wie Wärme auf. Endlich. „Ich bin jemand, der Hitze liebt und Kälte hasst“, sagt Gallmeier.
Die Donau ist nicht der Pazifik
Ein paar Sonnenstrahlen sind natürlich kein Vergleich zu Hawaii. „Die Hitze, wenn du in die Lavawüste läufst, kannst du in Regensburg schwer trainieren“, sagt Gallmeier. Der 51-Jährige weiß, welche Herausforderung ihn erwartet: 42 Kilometer läuft und 180 Kilometer radelt er beim Ironman über die Straßen an der Ostküste der hawaiianischen Hauptinsel – alles in praller Sonne, denn Bäume gibt es an der Strecke quasi keine. Dafür karge Lavafelder und den Pazifik in Sichtweite. Entspannende Abkühlung wird der Schwimm-Anteil des Triathlons dagegen aber nicht, sagt Gallmeier. „Das wird wohl die größte Herausforderung für mich.“ Zwar trainiert er im Westbad und auch mal im Guggi oder in der Donau. Aber die Donau ist eben nicht der Pazifik. „Fast vier Kilometer im offenen Meer ist was völlig anderes“, sagt Gallmeier.
Und warum das alles? „Ich quäl mich schon auch gern“, sagt Gallmeier und lacht. Seit er 2010 das erste Mal beim Ironman in Regensburg zugeschaut hat, sei er angefixt, erzählt er. Nun also der Mythos Hawaii. „Platzierung und Zeit sind mir egal, ich will erhobenen Hauptes ins Ziel kommen und alles gegeben haben“, sagt Gallmeier. An der Strecke feuern ihn seine Frau, seine zwei Kinder, Vater, Schwester und Onkel an.
Um all das zu schaffen, trainiert Hans-Christoph Gallmeier nicht nur seine Ausdauer, sondern lotet auch seine Limits aus. Unter dem Shirt trägt er einen Brustgurt mit Sensoren, am Handgelenk sind weitere verbaut. Sie messen Herzfrequenz, Sauerstoffsättigung und Temperatur. Mit wissenschaftlichem Ehrgeiz analysiert er seine Werte – dabei spielt dem promovierten Chemiker auch in die Karten, dass er selbst an der Entwicklung genau solcher Sensoren beteiligt ist. Seit über 20 Jahren arbeitet er in der Produktentwicklung bei osram, unter anderem am „vital sign monitoring“, also an der Messung von Vitalwerten. Also auch an hochmodernen Sensoren, mit denen Gallmeier jetzt selbst für Hawaii trainiert. Auch seine eigenen Daten hat er mit seinem Team schon diskutiert, um das Referenzdesign auf überlagerte oder rauschende Signale zu prüfen.
Im Anorak durch den Sommer
Für ihn selbst lieferten die Sensoren aber vor allem „wertvolle Werte“, sagt er. Zum Beispiel im Hitzetraining. Dazu lief er im Sommer mit Winterjacke und Handschuhen kilometerweit durch Regensburg. Da habe er schon einige komische Blicke geerntet, sagt Gallmeier. „Da haben sich einige gedacht: der is ned ganz sauber“, erinnert er sich. Lange dauerte es nicht, bis er eine Temperatur von 39 Grad erreicht hatte – quasi Fiebertemperatur. Dank seiner Sensoren kann er seine Werte regulieren, indem er einen Gang zurückschaltet oder Wasser über den Kopf schüttet. Eine ganz schöne Quälerei, doch am 26. Oktober wird er froh sein, sie hinter sich gebracht zu haben – irgendwo in der Lavawüste von Hawaii.
Info über den Ironman
Veranstaltung: Am 26. Oktober findet der Ironman der Männer auf Hawaii statt. Rund 2500 Athleten machen mit, qualifizieren konnte man sich über Vor-Rennen. Gallmeier tat dies über den Ironman Malaysia.
Geschichte: Der erste Ironman auf Hawaii fand im Jahr 1978 statt und gilt damit als ältester Triathlon der Welt. Seit 2023 ist die WM zweigeteilt: Frauen und Männer wechseln sich in Hawaii und dem zweiten Austragungsort Nizza ab. Heuer sind die Männer wieder in Hawaii, die Frauen liefen am 22. September.
