Unternehmen P&S gründet im Gewerbegebiet in Cham eine Forschungsabteilung

Wenn es um die Produktion eines Prototypen geht, war „Am Taschinger Bergfeld 8“ immer schon eine erste Adresse. In 28 Jahren hat sich P & S dort einen Namen gemacht. Die beiden Firmengründer Walter Peter (59) und Max Stahl (62) gehen nun einen weiteren und überraschenden Schritt: Philipp Stahl (26) wird künftig eine eigene Forschungsabteilung aufbauen.
Damit haben die beiden Familien endgültig die Weichen für die Zukunft gestellt. Denn mit Michael Peter (33) ist ein weiterer Sohn in der Firma tätig. Er hat dort Maschinenbauer gelernt und als leidenschaftlicher EDVler nun das entsprechende Studium angehängt.
Forschung? Wie passt das?
Aber gleich eine eigene Forschungsabteilung? Mit 100 Mitarbeitern? Ist man dafür nicht eigentlich zu klein? Die Formengründer haben sich daran gewöhnt, dass sich andere über sie wundern. „Als wir die Oberflächenbearbeitung angefangen haben, da haben sich etliche in der Branche auch ans Hirn gelangt und sich gefragt, ob wir nicht alle Tassen im Schrank haben“, sagt Walter Peter und lacht. Heute gehört es zum Alltag, dass am Taschinger Berg Aluminiumteile eloxiert und veredelt werden.
Der spezielle Maschinenbau bleibt neben Teilefertigung und Oberflächenbearbeitung aber das Standbein des ansonsten sehr flexibel aufgestellten Unternehmens. Wie passt da eine Forschungsabteilung ins Konzept?
Immer risikofrei investiert
„Sehr gut“, sagt Philipp Stahl. „Es vertieft die Grundidee der breiten Aufstellung der Firma.“ Stahl hat sein Bachelor-Studium Maschinenbau an der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Regensburg abgeschlossen und dort auch gleich den Master angehängt – jedes Mal mit Schwerpunkt auf Forschung. Er hat Flüssigluft-Energiespeicherung als Thema genommen. „Das ist so ähnlich wie Batterie-Speicherung, nur auf anderer Basis“, sagt er. Seine Erfahrungen in der Forschung und bei der Leitung von Projekten will er in die Firma einbringen und nebenbei eine Doktorarbeit stemmen.
Das Unternehmen möchte aber bei seiner bisherigen Linie bleiben. „Wir haben immer risikofrei investiert, auch in die Oberflächenbearbeitung. Wir haben es getan, weil wir es konnten“, sagen Peter und Stahl. So soll es auch mit der neuen Forschungsabteilung laufen. Vorerst wird sie ein Ein-Mann-Betrieb sein. Bei konkreten Projekten könnte auch von der OTH Regensburg ein Bachelorant für seine Arbeit zugezogen werden.
Teure Prototypen minimieren
„Es wird aber immer um ein Thema gehen, das einen Nutzen für unser Unternehmen bringt“, grenzt Philipp Stahl sein Gebiet ein. Die ersten Erfahrungen damit sind gut. Stahl bringt als Forscher neue Ansätze in den Betrieb ein und die zahlreichen Spezialisten im Unternehmen bekommen dadurch entweder einen neuen Anstoß, oder können von vorneherein sagen, warum es so nicht funktionieren wird.
Eine zweite Rückversicherung ist die Möglichkeit, digital realistisch zu modellieren und zu simulieren. „Wir können heute durch mathematische Modelle vorhersagen, ob es etwas funktioniert und erste Erkenntnisse gewinnen. Wir können zum Beispiel Strömungen und mechanische Bewegungen nachstellen. Dadurch minimieren wir teuere Prototypen und aufwendige Tests“, sagt Philipp Stahl.
Außerdem habe man nicht vor, große Projekte alleine zu stemmen. Man sei äußerst flexibel bei der Suche nach Partnern für bestimmte Forschungs-Projekte. Eine Zusammenarbeit mit der OTH sei heute schon real. Mögliche Bereiche seien Energie- und Verfahrenstechnik, Robotik oder der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI). Hier schwebt Stahl bereits konkret die Erarbeitung von Programmen vor, die schon bei der Planung eines Prototypen die späteren Kosten errechnen können. „Das minimiert der unternehmerische Risiko“, sagt er.
„Das ist es, was wir können“
Der allgemeine Facharbeitermangel und der daraus resultierende Trend zur Automation arbeitet P & S dabei in die Hände. „Das ist genau das, was wir können“, sagen die beiden Geschäftsführer.
Es sei außerdem eine Schlüsselkompetenz für ein kleines Unternehmen, ab einer bestimmten Komplexität eines Ablaufs durch Simulation vorhersagen zu können, ob etwas funktioniert. So wie bei der Briefmarkenalbum-Herstellungsmaschine. Sie war ein Einzelstück und funktioniert heute noch...
Kommentar
Erfolg ist kein Zufall
Es war 1996. Ich war gerade mal elf Jahre Redakteur, als ich in Roding zum ersten Mal auf Walter Peter und Max Stahl traf. Dort brüteten sie im geschützten Nest des Gründerzentrums über ihrer Idee, eines Tages maßgeschneiderte Maschinen für spezielle Anwendungen zu entwerfen und zu bauen. Das ist es, was sie bis heute tun – und manches mehr.
Ich habe immer wieder die Meilensteine der Firma begleitet. Im Laufe der Zeit ist daraus ein spannendes Projekt geworden, das viel verrät über das Geheimnis der wirtschaftlichen Stabilität der Stadt Cham: Diese kleinen, breit aufgestellten und flexiblen Firmen sind neben der Grenzöffnung der Garant eines steten Aufschwungs. Die kleinen Mittelständler sind später in der Krise und früher wieder heraus – falls sie überhaupt hineinkommen.
Auf den ersten Blick ist die neue Forschungsabteilung für die Firma mit 100 Mitarbeitern eine Überraschung. Auf den zweiten ist sie die logische Fortsetzung einer starken Firmenphilosophie.
