Brand bei Eckart: Auch drei Monate nach Unglück in Wackersdorf ist Ursache unklar

Von Philipp Breu · 14. Oktober 2024 um 05:00

Es war ein Vorfall, der weit über die Landkreisgrenzen hinaus für Schlagzeilen sorgte: Am 20. Juli dieses Jahres kam es bei der Chemiefirma Eckart im Wackersdorfer Industriegebiet (Landkreis Schwandorf) zu einer folgenschweren Verpuffung samt Explosion. Knapp drei Monate sind vergangen. Wie geht es dem Unternehmen heute?

Schon die bloße Zahl an Rettungskräften ließ erahnen, dass etwas Schlimmes passiert sein musste. Rund 150 Feuerwehrler waren am späten Vormittag des 20. Juli nach Wackersdorf geeilt, daneben zahlreiche Einsatzkräfte des Rettungsdienstes und der Polizei. Gegen 11 Uhr hatte bei der Chemiefirma Eckart Aluminiumgrieß in einer Anlage mit dem Namen „Atomizer“ nach einer Verpuffung Feuer gefangen. Als die Retter den ersten Löschangriff starteten, kam es zu einer Detonation im rund 25 Meter hohen Turm.

Sorgen um die Statik des Turms

Teile der Außenverkleidung der Anlage wurden abgesprengt und aufs Werksgelände geschleudert. Die Feuerwehren mussten sich daraufhin zurückziehen. Verletzt wurde glücklicherweise niemand. 22 Firmenmitarbeiter konnten die Gebäude rechtzeitig verlassen.

Nach mehrstündigem Einsatz übernahm schließlich die Werksfeuerwehr des Betriebs, unterstützt von der Feuerwehr Wackersdorf. Man entschied sich dazu, das Feuer im Turm kontrolliert abbrennen zu lassen, um die Einsatzkräfte nicht zu gefährden.

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Wenige Tage später machten sich Vertreter der Polizei, der Gewerbeaufsicht, des Landratsamts und der Firma am Werksgelände ein Bild vor Ort. Eine genauere Inaugenscheinnahme der betroffenen Anlage war aber nicht möglich, denn die Statik des Turms war durch die Detonation stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Wie Schwandorfs Polizeivizechef Florian Meier nun am Telefon erklärte, habe es seitens der Polizei anschließend keine weiteren Untersuchungen gegeben. „Weitere Ermittlungen wurden durch die Staatsanwaltschaft nicht gefordert“, sagte er. Der Brandort sei durch die Staatsanwaltschaft wenige Wochen nach dem Brand freigegeben worden, nachdem nach Hinzuziehung von Brandermittlern und Fachbehörden keine konkrete, zweifelsfreie Ursache festgestellt werden konnte. Das Gebäude konnte anschließend statisch gesichert werden.

Untersuchungen „machen gute Fortschritte“

Warum es zur Verpuffung kam, steht also nach wie vor in den Sternen. Das bestätigt auch Eckart-Unternehmenssprecher Horst Winter auf Nachfrage der Mittelbayerischen. Die betroffene Anlage sei noch abgesichert, und die Untersuchungen zur Ursache durch externe und interne Fachkräfte liefen. „Die Untersuchung macht sehr gute Fortschritte“, sagt Winter.

Wie weitreichend die Schäden am Atomizer sind, wann und ob die Anlage jemals wieder in Betrieb gehen kann und wer letztlich für die Schäden aufkommt – dazu gab es vom Unternehmen keine Auskunft. „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir uns vor dem Abschluss und der Auswertung der Untersuchungsergebnisse zu Ihren weiteren Fragen aktuell leider noch nicht äußern können“, so Winter. Nach wie vor stünden immer noch Gutachten der Versicherungen aus, für deren Abschluss es noch kein konkretes Zeitfenster gebe.

Folgen für die Produktgruppen gering gehalten

Ungeachtet dessen ging und geht der Betrieb bei Eckart in Wackersdorf weiter. Bereits zwei Tage nach dem Unglück wurden alle Anlagen am Standort, mit Ausnahme der betroffenen Anlage Atomizer, wieder hochgefahren. Man habe laut Unternehmenssprecher Winter unmittelbar nach dem Ereignis intensiv analysiert, welche Auswirkungen dieses auf die Produktion, die Liefersituation und die Verfügbarkeit von Produkten hat.

Es seien Lösungen entwickelt worden, um die Folgen für die betroffenen Produktgruppen – in der Anlage wurden Vorprodukte für Aluminium-Pigmente hergestellt – so gering wie möglich zu halten. Dazu gehöre laut Winter zum Beispiel die Nutzung bestehender Lagerbestände und die Optimierung der Lieferwege. Zudem seien am Standort in Wackersdorf und im internationalen Unternehmensverbund vergleichbare Produktionsanlagen im Einsatz, um Kapazitäten zu kompensieren.

Vertreter der Polizei, der Gewerbeaufsicht, des Landratsamts und des Chemieunternehmens machten sich wenige Tage später ein Bild vor Ort. Foto: Philipp Breu