Moderator Horst Lichter im Interview über den Wert der Freundschaft

Von Sarah Woipich · 12. Oktober 2024 um 05:00

Horst Lichter (62) hat viele Talente. In seinem neuen Buch widmet sich der Moderator und TV-Koch der Kunst der Freundschaft.

Im Gespräch mit der Mediengruppe Bayern erzählt der „Bares für Rares“-Star, was für ihn gute Freunde sind, warum es heute oft schwieriger ist, Kontakte zu pflegen und warum der Hund nicht der beste Freund des Menschen ist.

Herr Lichter, Ihr neues Buch heißt „Zeit für Freundschaft“. Wie sind Sie auf das Thema gekommen?

Horst Lichter: Eigentlich ganz unromantisch. Der Verlag ist auf mich zugekommen und hat mir das angeboten. Ich dachte, das sei ein großartiges und vor allem ein leichtes Thema, bei dem ich viele lustige Anekdoten erzählen kann. Bei der Recherche dazu ist mir dann aber aufgefallen, dass Freundschaft etwas sehr Komplexes ist. Mir war nicht bewusst, wie tiefgründig das Thema ist.

Was macht für Sie einen guten Freund aus?

Horst Lichter: Ich habe wo gelesen, für eine Freundschaft braucht es tiefe Sympathie und Vertrauen. Ich finde aber, das ist nicht ganz ausreichend. Ich kenne Menschen, die ich zutiefst sympathisch finde und denen ich vertraue, aber das sind nicht unbedingt Freunde von mir.

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Was braucht es dann?

Horst Lichter: Es braucht Vertrauen, Verbundenheit und das Gefühl, dass ich diese Person gerne in den Arm nehmen möchte. Ich muss einfach Freude spüren.

Es heißt ja, im Leben hat man nur wenige gute Freunde. Ist das bei Ihnen auch so?

Horst Lichter: Bei mir ist das auch so, ich bin da nicht anders als alle anderen. Ich habe einen großen Freundeskreis. Menschen, die man alle auf eine große Party einladen würde. Aber ich habe nur eine Handvoll enge Freunde. Wahre Freunde sind diejenigen, die immer und sofort für einen da sind, auch wenn es einem richtig schlecht gehen sollte, heißt es oft. Ich denke mir aber, wenn das so ist, dann möchte ich meine wahren Freunde eigentlich gar nicht kennenlernen.

Glauben Sie, dass es in der heutigen Gesellschaft schwieriger ist, gute Freunde zu finden?

Horst Lichter: Ja, die Welt hat sich verändert. Ich habe das Gefühl, vieles spielt sich mittlerweile online ab und die Menschen legen mehr Wert auf die Zahl ihrer Follower als auf Freunde im realen Leben.

Welche Freundschaften haben Sie am meisten geprägt?

Horst Lichter: Eigentlich alle die Personen, die ich schon als Kind wahnsinnig gern mochte. Ich schätze auch heute die Gesellschaft älterer Herrschaften sehr, weil sie feinfühliger sind, empathischer und verbindlicher. Das Schöne ist, dass manchmal auch Menschen im Leben wieder auftauchen, die man aus den Augen verloren hatte. Ein guter Freund muss einen also nicht das ganze Leben lang begleiten.

Würden Sie sich selbst auch als einen guten Freund bezeichnen?

Horst Lichter: Es gibt zwei Sichten auf Freundschaft. Die eine ist die Meinung, dass man Freundschaften pflegen muss, also sich kümmern, sich meldet und sich regelmäßig sehen muss. Es gibt aber auch die Freundschaft, die nichts verlangt, die nicht aufrechnet. Das entspricht eher meiner Ansicht. Ich habe immer viel gearbeitet, es war und ist nicht immer möglich, sich sehr oft zu sehen und zu melden. Nicht jeder versteht das, aber man muss beide Sichtweisen akzeptieren.

Haben Sie auch schon mal eine Freundschaft beendet?

Horst Lichter: Ja, es gibt Freundschaften, die in die Brüche gegangen sind. Denn auch in Freundschaften gibt es Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen.

Warum braucht es gute Freunde für ein zufriedenes Leben?

Horst Lichter: Weil wir Menschen soziale Wesen sind. Ohne soziale Verbindungen verbittern und verkümmern wir.

Es gibt ja den Spruch vom Hund, der der beste Freund des Menschen sei. Sie sind selber Hundebesitzer. Sehen Sie das auch so?

Horst Lichter: Ja, viele denken, ihr Tier sei ihr Freund. Weil es einen nie enttäuscht, nicht wertet und sich immer über einen freut. Das ist aber nicht Freundschaft, sondern Liebe. Ich würde alles für meinen Hund tun. Aber er ist kein richtiger Freund. Dafür braucht es jemanden, mit dem ich sprechen und mich austauschen kann. Dafür braucht es Menschen.

Horst Lichter ist seit 2009 in dritter Ehe mit Nada Lichter (52) verheiratet, die davor mit seinem besten Freund liiert war. Nach dem Krebstod des Freundes halfen sie sich gegenseitig durch die Trauer und kamen sich näher.
In seinem autobiografischen Buch „Zeit für Freundschaft“, das bei Knaur erschienen ist, gewährt Moderator und TV-Koch Horst Lichter Einblicke in die Freundschaften seines Lebens.