Influencer Felix Wunnike: Kein Freund von Einsamkeit

Als Student zog der Regensburger Felix Wunnike nach München – und fühlte sich auf Anhieb erst einmal recht einsam. Doch der studierte Wirtschaftspsychologe mit erfolgreichem TikTok-Kanal und über 230.000 Followern kam ins Grübeln, ob es Regeln gibt, wie man das unerwünschte Gefühl überwindet. Jetzt erschien sein Ratgeber mit einer Anleitung, wie man Freunde findet – und damit Lebensglück.
Kann man mit mehr als 230.000 Followern auf TikTok wirklich einsam sein? Durchaus, wie Felix Wunnike beweist. Es ist ein neuer Lebensabschnitt, der ihm zeigt, wie sehr man andere braucht. Er beschreibt es selbst in seinem neuen Buch „Alles, was du übers Freunde finden wissen musst“ eindringlich im ersten Abschnitt so: „Im Sommer 2020 saß ich allein in meiner neuen Wohnung in München. Ich hatte die Fenster gekippt und hörte unten eine Gruppe junger Menschen lachend auf der Straße vorbeigehen. Es war ein warmer Sommertag, die Sonne ging gerade unter. ,Die haben Spaß‘, dachte ich mir. Wieso ich nicht? Wieso sitze ich stattdessen alleine in meiner Wohnung?“
Einsamkeit ist wie eine Pandemie im Westen
Einsamkeit ist ein Dauerbrenner in unserer Gesellschaft. Die Menschheit sehnt sich nach Zugehörigkeit. Wieso ausgerechnet aber die reichsten Gesellschaften der Welt immer mehr einsame Menschen aufweisen? Niemand weiß es. Doch die Zahlen sind erschreckend: Je nach Studie gibt jeder vierte oder jeder fünfte erwachsene Deutsche an, sehr einsam zu sein. Alarmierender sind die Zahlen bei den Unter-30-Jährigen: Über 75 Prozent sagen, zumindest ab und zu an Einsamkeit zu leiden. Eine dramatische Entwicklung. Auch Wunnike spürte sie. Auf seinem TikTok-Kanal begann der 28-Jährige, Erkenntnisse aus der Psychologie in kurzen Videos darzustellen.
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Seine Fan-Gemeinde wuchs nicht nur, immer wieder wandten sich Ratsuchende an ihn. „Ich habe keine Freunde – wenn ich wenigstens einen Freund hätte“, schrieben ihm seine Follower. Während der Corona-Pandemie und ihren Einschränkungen war es noch schlimmer. Wunnike fotografierte nebenberuflich Abibälle. „Mein eigener war so schön, ein richtiges Ereignis“, sagt der Social-Media-Experte. Doch während der Pandemie hatte er das Gefühl, es würden sich Fremde treffen. „Die kannten sich alle gar nicht richtig untereinander.“
Wunnike thematisierte die Einsamkeit und das Thema Freundschaft immer wieder in seinem Kanal. Als der Penguin-Verlag auf ihn aufmerksam wurde, war schnell klar: Das ist genau das richtige Thema.
Im Buch schreibt Wunnike über seine Erfahrungen
„Es gibt schon viele gute Bücher über Einsamkeit“, sagt der Autor. Er wollte konkrete Ratschläge geben. In seinem Buch beschreibt er sein eigenes Leben, das Pendeln zwischen München, wo er studierte, und Regensburg. „Geflüchtet“ sei er regelrecht. Auf Events sei es zwar leicht gewesen, Leute kennenzulernen. Aber: „Richtige Freunde kennenzulernen, das war schwierig“, sagt Wunnike.
Geschafft hat er es trotzdem. Wie, das beschreibt er in dem Buch. Wunnike ordnet nicht nur wissenschaftliche Erkenntnisse ein, sondern auch seine eigenen Erfahrungen. „Gibt es jemand in deinem Umfeld, von dem du weißt, dass er sich auch gerne einen tollen Freundeskreis aufbauen will?“, fragt er seine Leser. So nach dem Motto: Wenn ein Einsamer einen Einsamen trifft, wieso nicht zusammen die Einsamkeit bekämpfen? Wunnike kritisiert in seinem Buch auch das Bild, das Hollywood in Serien wie „Friends“ beim Thema Freundschaft prägt. Ähnlich wie in der Liebe werden auch hier Erwartungen geweckt, die den Realitätstest schwer bestehen. Auch das Thema Social Media streift er kritisch. Im Gespräch sagt der 28-Jährige aber auch, dass Instagram, TikTok und Co. häufig niedrigschwellige Möglichkeiten sind, Kontakt zu anderen aufzunehmen – „gerade für Menschen, die sich nicht alleine in eine Bar trauen“. Der erste Kontakt sei die Eintrittsschwelle, um diesen zu vertiefen. Und so könnten Freundschaften entstehen.
Den ersten Kontakt als Eintrittsschwelle nutzen
Der Autor gibt noch viele weitere Tipps. Keiner ist anmaßend so nach dem Motto: Leser, stell dich nicht so an. Im Gegenteil: Wunnike beschreibt einfühlsam, wie sich Einsamkeit anfühlt – und wie man sie bezwingen kann. Dass er bei seiner Recherche selbst viel gelernt hat, macht der Autor im Gespräch mit der Mediengruppe Bayern deutlich. Einmal sei er so verärgert gewesen über einen Freund, dem er geschrieben hatte und der ihm nicht sofort antwortete. „Ich habe gesehen, dass er online war – am liebsten wollte ich den Kontakt mit ihm abbrechen.“ Doch da habe er gemerkt, dass ihm das selbst immer wieder passiert: „Zwei, drei Leuten hatte ich selbst nicht geantwortet, weil ich gerade anderes zu tun hatte.“ Seither hat er sich vorgenommen, immer wieder aufs Handy zu schauen – und alten Freunden einfach zu schreiben.

