Kaserne bekommt eine Kuschelecke: Kindergarten statt Großtagespflegestelle in Roding

Von Christoph Klöckner · 9. Oktober 2024 um 05:00

Die Stadt Roding braucht einen neuen Kindergarten. Die, die da sind, arbeiten am Limit – neue Betreuungsplätze sind gefragt. Und doch hat Roding gerade – praktisch unbemerkt und über Nacht – einen Kindergarten dazu bekommen. Nur zu erreichen ist er nicht so einfach.

Und das Betreuungsangebot für Soldatenkinder an sich ist auch nicht ganz neu. Seit 2017 gibt es in der Arnulf-Kaserne eine Kinderbetreuung, damals eingerichtet als ein Projekt von wenigen bundesweit. Damals hatte sich Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen auf die Fahne geschrieben, die Bundeswehr familienfreundlicher zu machen, etwa mit Schwangerenuniformen oder eben auch Kinderbetreuung in den Kasernen.

Der Weg wurde eingeschlagen, um neue Soldatinnen und Soldaten zu gewinnen. Heute, wo das ausgegebene Ziel von Verteidigungsminister Boris Pistorius die Kriegstüchtigkeit ist, fehlt zwar immer noch Personal, doch Familienfreundlichkeit ist als Vorgabe eher ins zweite Glied gerückt.

Im Block 13 untergebracht

Geblieben ist jedoch die Betreuungseinrichtung in der Rodinger Arnulf-Kaserne, die bislang unter der sperrigen Bezeichnung Qualifizierte Großtagespflegestelle firmierte und eine von fünf privaten Betreuungseinrichtungen der Chamerin Evi Mannhart im Landkreis ist. Im September dieses Jahres hat sich nun etwas geändert – aus der Großtagespflegestelle ist nach acht Jahren ein echter Kindergarten geworden. Wobei der Name der Einrichtung bis heute geblieben ist: Die Wilde 13. Denn das Zuhause der Kleinsten im militärischen Sicherheitsbereich liegt im Erdgeschoss des Kasernenblocks Nummer 13.

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Warum es nun den Wechsel gab und was das bedeutet, kann Betreiberin Evi Mannhart schnell erklären. Sie habe die Betreuung als Qualifizierte Großtagespflegestelle nicht mehr weiterführen wollen und dies der Bundeswehr mitgeteilt. Problematisch seien bei einer solchen Tagespflegestelle vor allem die Personalvorgaben gewesen. Wäre eine Erzieherin ausgefallen, hätte sie nur durch eine vorher extra bestimmte Fachkraft mit Pflegeerlaubnis ersetzt werden können und nicht durch eine ihrer etwa 16 pädagogischen Fachkräfte.

Das System sei unflexibel und nicht alltagstauglich gewesen – zudem habe sie auch Anrufe von Menschen bekommen, die dachten, sie habe einen Pflegedienst. Trotz allem habe sie in den vergangen Jahren den Vertrag für die Betreuung der Kinder in der Kaserne immer um ein Jahr verlängert, bis sie nun die Reißleine für die Großtagespflegestelle gezogen habe.

In Absprache mit Bundeswehr und dem Chamer Jugendamt sei nach einigen Umbauten und Erweiterungen daraus nun ein Kindergarten mit 15 Plätzen für Kinder von einem halben Jahr bis zum Einschulungsalter geworden. Bislang durfte in der Qualifizierten Großtagespflegestelle eine gemischte Gruppe mit maximal zehn Kindern betreut werden, die jedoch von 0 bis zu 14 Jahren alt sein konnten.

Drei Fachkräfte vor Ort

Mit der Ernennung zum Kindergarten musste die Einrichtung erweitert werden, bekam einige neue Räume hinzu, um den Auflagen des Jugendamts zu entsprechen. Die Garderobe wurde erweitert, und auch neues Mobiliar hat es gegeben, wobei die Kuschelecke, die eingerichtet wird, noch nicht angekommen ist. Und auch vor der Türe soll sich noch etwas tun und der Spielbereich auf dem Kasernengelände erweitert werden.

Auch drei Fachkräfte – Maria Mühlbauer, Sophie Hofer und Einrichtungsleiterin Nicole Köther – sind hier für die 15 Kinder wegen der Altersunterschiede und einiger Kleinkinder vorgeschrieben, wobei aktuell erst sieben Kinder da sind, doch weitere kommen bald hinzu.

Für vier Jahre hat sie jetzt den Vertrag mit der Bundeswehr zum Betreiben des Kindergartens neu unterschrieben, sagt Evi Mannhart. Wie beim Start 2017 habe sie wieder an einer Ausschreibung teilnehmen müssen – wobei es wohl hier heute wie damals keine Mitbewerber gab.

Drei Fachkräfte, wie hier Erzieherin Sophie Hofer, betreuen die Kinder. Fotos: C. Klöckner
In Block 13 der Kaserne ist die Wilde 13 untergebracht, die hier auf dem Hinweis noch Großtagespflegestelle ist.