Burglengenfelder Stadtrat: Wer paktiert mit Nachrücker Alexander Schön?

Ein Dreivierteljahr nach dem vorzeitigen Ausscheiden von Phillip Poguntke ist der Burglengenfelder Stadtrat wieder komplett. Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) konnte am Mittwoch als Nachrücker Alexander Schön vereidigen.
Der 29-Jährige hatte 2020 genau wie Poguntke auf der Liste der Linken kandidiert – und ist genau wie Poguntke aber nicht deren Mitglied, sondern Anhänger der Satirepartei Die Partei.
Wie vielfach berichtet, hatte Poguntke im Januar dieses Jahres überraschend seinen Rückzug erklärt. Nicht, dass ihm die Stadtratsarbeit keinen Spaß mehr gemacht hätte – dem viel beschäftigten PC-Techniker war der Stress insgesamt zu groß geworden.
Eine Geduldsprobe für alle
Poguntke ist bei weitem nicht der erste Stadtrat, der in der laufenden Legislaturperiode sein Amt niedergelegt hat. Doch während sich in anderen Fällen die Nachfolge binnen kurzer Zeit hatte regeln lassen, geriet sie bei ihm zur Geduldsprobe.
Mehrere Personen, die 2020 auf der Liste der Linken angetreten waren, wurden nach und nach von der Verwaltung angeschrieben, und mehrfach handelte sie sich eine Absage ein. Als mit Pascal Averibou endlich jemand gefunden war, der das Mandat antreten wollte, meldete die Rechtsaufsicht Bedenken an. Der Schauspieler konnte aus Sicht der Behörde nicht nachweisen, dass er seinen Lebensmittelpunkt noch in Burglengenfeld hat.
Mitstreiter hatten ihn aus den Augen verloren
Schließlich lag der Ball bei Alexander Schön, zu dem selbst die meisten Mitstreiter, die 2020 über die Liste der Linken ihr Glück versuchten, den Kontakt verloren haben. Als Schön signalisierte, er sei durchaus interessiert, in den Stadtrat einzuziehen, reagierte ein Funktionär der Linken irritiert: Nach seinem Kenntnisstand hatte sich Schön komplett aus der Politik verabschiedet.
Die Suche nach einem Nachfolger für Phillip Poguntke sorgte mehrfach für Schlagzeilen. Zum Beispiel Ende Juli. Den Text finden Sie hier.
Dem war aber doch nicht so. Der einzige Grund, der ihn habe zögern lassen, sei ein privates Problem gewesen, berichtete Schön. Zum Zeitpunkt der Anfrage der Stadt habe er nicht zweifelsfrei sagen können, ob Burglengenfeld weiter sein Lebensmittelpunkt sein würde oder nicht. Das habe sich erst im Laufe des August geklärt. Das „Ja“ zum Mandat sei, isoliert betrachtet, eher leicht gefallen.
Von der ersten Ratssitzung sehr angetan
Alexander Schön ist ein gebürtiger Regensburger, lebt aber seit seinem neunten Lebensjahr in Burglengenfeld, wo er Gymnasium und Realschule besuchte. 2016 verpflichtete er sich für zwölf Jahre bei der Bundeswehr. Personen, die sich angesichts seiner „eher links- oder sozialdemokratischen Orientierung“ darüber wundern, hält Schön entgegen, dass er von Schubladendenken grundsätzlich nicht viel halte. Im Übrigen versuche er, seinen Job und Politik so weit wie möglich zu trennen.
Aus seiner ersten Sitzung als Stadtrat hat Schön, wie er sagte, viele positive Eindrücke mitgenommen. Sehr gefreute habe er sich über die Freundlichkeit und Aufgeschlossenheit, mit der ihn diverse Mandatsträger aufgenommen hätten. Auch das Themenspektrum und die vielen Informationen, die auf ihn einprasselten, hätten seine Motivation gesteigert. „Ich mag viel Input“, sagte Schön. Er sei wie ein Schwamm, sauge also gerne vieles auf.
Man beschnuppert sich noch
Ob Schön im Stadtrat Einzelkämpfer bleiben wird oder, wie sein Vorgänger, einen Partner für eine Arbeitsgemeinschaft findet, um einen Ausschusssitz zu erobern, ist offen. Der 29-Jährige sagte, er wolle und müsse sich diesbezüglich erst orientieren. Zwar habe er mit einigen Räten bereits erste Gespräche geführt, aber es sei viel zu früh, um sich auf etwas festzulegen. Vielleicht biete ihm ja auch ein Mandatsträger, den er noch gar nicht kenne, eine Kooperation an.
Analog dazu lasse sich auch keine Prognose abgeben, ob er, Schön, 2026 erneut kandidieren werde, geschweige denn, auf welcher Liste. Das hänge wesentlich von gemeinsamen Interessen ab. Vielleicht bilde sich 2026 tatsächlich wieder eine Gruppe, die, wie bei Poguntke, als „Steigbügelhalter für einen Überbürgermeister“ dienen wolle, merkte Schön augenzwinkernd an. Das sei Zukunftsmusik. Schon heute aber gelte, bei aller Ernsthaftigkeit Sachthemen gegenüber: Eine gewisse Lockerheit wolle er sich unbedingt bewahren. Nichts dürfe man übertreiben.