Neuer Pizza-Imbiss im Cham: Zusammenarbeit mit Lieferando und ganz spezielle Gerichte

Nutella-Pizza? „Das ist eines unserer beliebtesten Gerichte“, grinst Enea Sebis. Der 40-jährige Italiener mit sardischen Wurzeln hat im Sommer seinen Imbiss Pizzeria Paola in der Schwanenstraße eröffnet – und will den Chamern, die ohnehin bereits etliche italienische Lokale zur Auswahl haben, damit dennoch etwas Neues bieten.
„Wir wollen uns natürlich abheben“, sagt Sebis, der gerade die letzten Vorbereitungen für das Mittagsgeschäft trifft. Gleichzeitig beschränkt er sich mit seiner Lebensgefährtin im Geschäft auf grundlegende Gerichte aus seiner Heimat: Pizza, Nudeln und Salat – alle Speisen zum Abholen oder per Lieferservice nach Hause.
Gastro-Szene hat sich auch in Cham seit Corona verändert
„Seit Corona hat sich die Gastronomie noch einmal verändert. Die Leute essen lieber zu Hause, als ins Restaurant zu gehen. Und weil ohnehin alles teurer geworden ist, können sich die Leute gar nicht mehr leisten, ein paar Mal die Woche essen zu gehen.“ Sebis will den Bedürfnissen der Gäste mit moderaten Preisen und dem Lieferservice begegnen. „Sieben, acht, neun Euro, dafür kann man sich schon ein paar Mal Essen holen“, ist er überzeugt.
Denn in der Gastroszene kennt er sich aus. Seit er vor ziemlich genau 20 Jahren nur mit einem Koffer in der Kreisstadt gelandet ist, hat er hier bei fast allen Restaurants als Koch oder Kellner gearbeitet. „Mich kennen viele“, grinst Sebis. „Aber ich glaube, in der Gastronomie kann man nur als Angestellter arbeiten, so lange man jung ist. Jetzt bin ich 40, und ich will selber entscheiden, wenn ich freihaben möchte. Ich habe 20 Jahre lang Silvester und Weihnachten und an meinem Geburtstag gearbeitet.“ Seine beiden Söhne sind inzwischen elf und 18 Jahre alt, so könne er den Schritt in die Selbstständigkeit wagen, auch in einer Stadt wie Cham, wo die Konkurrenz groß ist.
Sebis kam aus Sardinien nach London und nach Cham
„Ich wollte ja aus London, wo ich eine Saison lang mit einem Kumpel gearbeitet habe, nach Deutschland. Wir haben Anzeige angeschaut und eine Stelle in Regensburg gefunden und bekommen“, erinnert sich Sebis. Als er in Regensburg ankam, rief er seinen künftigen Chef an und sagte: „Ich bin da.“ Und der, ein bekannter Pizzabäcker aus Cham, habe ihm dann zögernd mitgeteilt, dass er noch nicht ganz da sei, sondern noch ein bisschen weiterfahren müsse – nach Cham. „Das war schon ein Schock erst einmal“, lacht Sebis heute.
Spätestens, seit er im Landkreis seine Partnerin kennen- und lieben gelernt und viele Freunde und Bekannte gefunden hat, hat er hier Wurzeln geschlagen. „Und für die Kinder ist es hier sowieso besser als in einer Großstadt“, findet er. Sein Großer lernt inzwischen in Italien in einer Patisserie, sein jüngerer Sohn geht hier zur Schule, und sein kleiner Bruder, der vor vier Jahren nach dem Tod der Mutter zu seinem Bruder nach Deutschland gezogen ist, macht in einem großen Hotel in Cham eine Ausbildung zum Koch. „Das liegt in der Familie, meine Mutter war ja auch ihr Leben in der Gastronomie tätig“, sagt Sebis. Nach ihr hat er auch sein Lokal und einige seiner Gerichte benannt.
Geschäft lief auch ohne Werbung an
Und die kommen bei den Chamern offenbar gut an. „Wir haben ja erst einmal keine Werbung gemacht, weil wir das Geschäft langsam aufbauen wollten. Aber mich kennen halt viele Leute, und es spricht sich schnell herum, auch über Instagram, Facebook und Lieferando“, sagt Sebis.
„Ich bin schon jetzt zufrieden mit dem Geschäft. Wenn sieben von zehn Kunden wieder kommen, bin ich glücklich.“ Denn jedem könne man es natürlich nicht recht machen, die Geschmäcker seien eben verschieden. „Wobei wir versuchen, individuelle Wünsche wie nach mehr Käse oder weniger Soße zu erfüllen“, sagt seine Partnerin Annamaria Feher.
Abheben will sich das Gastropaar durch den Mozzarella, den Sebis statt Gouda auf seinen Pizzen verwendet, oder dadurch, dass sie auch Pizze Bianche anbieten, Pizzas mit Sahne- statt Tomatensoße als Grundlage – und durch die süßen Pizzen. „Die Nutella-Pizza mit Puderzucker kommt super an bei den Gästen“, so Sebis. So gut, dass er im Winter die Karte mit einigen weiteren süßen Pizzagerichten erweitern will. „Vielleicht mit Kinder-Bueno-Pizzas“, überlegt der Italiener.
Die Kunden im Chamer Umkreis werden auch beliefert
Noch stemmen Sebis und Annamaria Feher, die aus Ungarn eigentlich nur kurz zum Jobben und Sprache-Lernen nach Deutschland gekommen war, das Geschäft vor allem im Alleingang. Er kümmert sich um Pizza und Pasta, sie liefert die Gerichte samt bestellter Getränke im Umkreis von zehn Kilometern aus. Doch schon in den kommenden Wochen sollen beide durch Angestellte entlastet werden. Und zwei Stehtische für die Kunden sollen noch in den Verkaufsraum kommen, im dem sich vor 20 Jahren noch die Chamer die Haare schneiden ließen. „Wir haben schon viel umgebaut und hergerichtet“, sagt Sebis, der sich mit dem Imbiss einen Traum erfüllt hat.
„Ich habe auch anderes ausprobiert, zum Beispiel eine Weile als Elektriker gearbeitet. Aber Kochen liegt mir im Blut. Das ist Liebe und Leidenschaft.“ Sein Credo: „Man muss so kochen, dass man es selber essen will. Dann kommen auch die Leute.“
Imbiss Pizzeria „Paola“
Der Chef: Enea Sebis stammt aus Sardinien, lebt aber seit 20 Jahren in Cham und hat in zahlreichen Restaurants in Cham und der Region gearbeitet, zuletzt fünf Jahre lang als Pizzabäcker in Nittenau. Annamaria Feher ist gebürtige Ungarin und war ebenfalls jahrelang in der Chamer Gastronomie tätig.
Standort: Schwanenstraße 15
Info: Geöffnet Montag bis Mittwoch 11 bis 14 und 17 bis 21.30 Uhr; Freitag, Sonntag und Feiertag 11 bis 14 und 17 bis 22 Uhr; samstags von 17 bis 22 Uhr; Donnerstag Ruhetag. Info unter Tel. (09971) 9989440; Lieferung im Umkreis von Cham möglich, abhängig vom Mindestbestellwert je nach Entfernung




