Drei Höfe öffnen: Der Hellring ist eine Wallfahrt für Leib und Seele

Von 10 bis 14. Oktober findet im kleinen Langquaider Ortsteil Hellring wieder die Wallfahrt zur Heiligen Ottilie statt. Tausende Besucher werden zu dem Fest erwartet, bei dem die Hellring-Wirte groß aufkochen.
Es gibt Gänse- und Entenbraten sowie andere bayerische Schmankerl. Im Ottilienhof ist Hildegard Hirthammer für das Gänseklein zuständig, ein Ragout aus Innereien, Hälse und Flügel. Davon kocht sie einen ganzen Kessel voll. „Das gibt es nur an Hellring“, sagt die 86-Jährige. Vor allem bei den älteren Gästen sei die Speise sehr beliebt. Viele fragten auch extra danach. Dieses Jahr freut sie sich besonders auf die Wallfahrer, denn nach der Corona-Auszeit und einer Baustelle öffnet der Ottilienhof nach vier Jahren Pause wieder seine Türen. Schon seit Wochen läuft das Telefon heiß und Gäste reservieren sich ihre Plätze. Viele davon seien alte Bekannte.
Seit 50 Jahren Wirt
Zu den Hellring-Wirten zählen in diesem Jahr neben der Familie Hirthammer, die Familie Brunner und der PillmeierBräu, der im Singer-Hof die Gäste empfängt. Erstmals bewirten die Oldtimerdeifl‘n die Besucher. Die offizielle Eröffnung ist am Donnerstag, 10. Oktober, mit dem Bieranstich um 18 Uhr im historischen Gewölbe im Brunner-Hof. Bürgermeister Herbert Blascheck verrät den Grund: „Johann Brunner ist seit 50 Jahren Hellring-Wirt.“ Vor Brunner war es sein Vater, zuvor der Großvater. Brunner hat die Zeit nicht vergessen, als das Wohnzimmer ausgeräumt, ein paar Tische aufgestellt und dort die Wallfahrer verköstigt wurden. Die ganze Familie packte mit an.
Daran erinnert sich auch Hildegard Hirthammer. Vor 64 Jahren heiratete sie den Hellringer Konrad Hirthammer. Damals habe die ganze Verwandtschaft mitgeholfen. „Aber das reicht heute nicht mehr aus“, sagt sie. Damals sei der Hellring viel kleiner gewesen. Nicht jeder habe sich Enten- oder Gänsebraten leisten können. Auch der Ottilienhof war kleiner. Vor 24 Jahren wurden Heuboden und Kuhstall in Gasträume umgebaut. Heute arbeiten allein in der Küche der Hirthammers sechs bis sieben Leute und vor allem am Hellring-Sonntag herrscht dort Hochbetrieb.
Schausteller mit Ochsen abgeholt
Auch die 86-Jährige packt noch eifrig mit an. Sie ist dafür zuständig, dass in der Küche nichts ausgeht, backt die Küchl auf und sorgt dafür, das alle Wallfahrer auch einen Platz finden. Ihr Mann Konrad kümmert sich um die Gäste. Der 89-Jährige weiß noch gut, wie er und die anderen Kinder Jahr für Jahr sehnsüchtig auf den Jahrmarkt gewartet haben. Mit Ochsen holten sie damals die Schausteller vom Langquaider Bahnhof ab und die Kinder mussten die Karussells anschieben, bis sie ausreichend Schwung hatten. „Dafür durften wir dann umsonst mitfahren“, sagt er.
Auch heuer dürfen Karussell, Schiffschaukel, Trampolin, Los- und Schießbude am Hellring-Sonntag auf der Festwiese nicht fehlen. Dazu kommt die Warendult mit zahlreichen Ständen. „Früher haben die Bauern ihre Winterkleidung auf dem Hellring gekauft“, sagt Hildegard Hirthammer.
Als besondere Familien-Attraktion gibt es heuer ein Puppentheater in einem Theaterzelt. „Der Hellring ist ein Fest für alle Generationen“, sagt Bürgermeister Blascheck. Das Fest sei in der Region verwurzelt und werde von den Einheimischen sehr gut angenommen. Vergangenes Jahr seien sehr viele Besucher zum Hellring gekommen, mit einer ähnlichen Zahl rechnet Blascheck auch in diesem Jahr.
Erstes Ziel war die Kirche
Positiv bewertet er, dass es wieder drei Hellring-Wirte gibt . So sei wieder ein „Durchwandern“ der Höfe möglich. Die Wirte haben sich für ihre Besucher einiges einfallen lasen. So gibt es ein abwechslungsreiches Musikprogramm im Singer-Stadl, eine Cocktailbar im Brunner-Hof und die Heubodenpartys mit Musik im Ottilienhof.
Blascheck und Hirthammer betonen, dass die Wallfahrt beim Hellring nicht in den Hintergrund rückt. Man müsse da aber schon aufpassen, sagt Hirthammer, die auch Mesnerin in der Ottilienkirche ist. „Es muss ein Wallfahrtsfest bleiben.“ Früher sei jeder Pilger zuerst in die Kirche gegangen. An Hellring ist die Wallfahrtskirche mit dem Ottilienbrunnen jeden Tag von morgens bis abends geöffnet. Zudem bieten Augustinerchorherren der Propstei Paring Pilgermessen an.
Hirthammers Mann ist ein bekennender Verehrer der Heiligen Ottilie. Bei einer Granaten-Explosion in seiner Jugendzeit wurde eines seiner Augen verletzt. Das Auge konnte nicht gerettet werden. „Aber auch mit 89 Jahren brauche ich keine Brille“, sagt er stolz.
Die Wallfahrtskirche St. Ottilie
Was: Die Wallfahrtskirche in Hellring wurde von 1733 bis 1735 erbaut.
Patron: Geweiht ist sie der Heiligen Ottilie. Sie gilt als Patronin der Augenleidenden.
Messen: An Hellring bieten die Augustinerchorherren der Propstei Paring Pilgermessen an. Diese sind am Samstag, 18 Uhr, und am Montag, 19 Uhr. Am Sonntag findet um 9 Uhr der feierliche Wallfahrergottesdienst und um 14 Uhr eine Andacht statt.

