Schweizer Aktiengesellschaft übernimmt Regensburger Campingplatz – Wirtin hört auf

Von Christian Eckl · 30. September 2024 um 19:00

Ende einer Legende: Ein neuer Eigentümer des Campingplatzes aus der Schweiz wird mit Gaststätten-Pächterin nicht einig. Der Dunnerkeil im Regensburger Stadtwesten wird am 11. Oktober geschlossen. Was dann geschieht, ist offen.

Die Regensburger entspannen traditionell entlang der Donau. Die Strecke zwischen der Altstadt, dem Westend beim Herzogspark und dem Westparkweiher ist eine, die auch an herbstlichen Sonnentagen stark frequentiert wird. Radfahrer und Walker, Fußgänger und Jogger geben sich hier ein Stelldichein, oft wird es eng. Seit vielen Jahren ist hier am Donau-Idyll ein Campingplatz wie eine grüne Oase angesiedelt. Von der Öffentlichkeit bisher völlig unbemerkt, haben hier die Schweizer übernommen. Das bestätigt der neue Betreiber des Campingplatzes auf Anfrage.

Damit verbunden ist allerdings auch das Ende einer Legende: Der Dunnerkeil wird in wenigen Tagen geschlossen. Das bestätigt die bisherige Pächterin Sandra Hartl. „Die neuen Betreiber haben sich bei mir nicht mal vorgestellt“, sagt Hartl im Gespräch. „Ich habe in der Küche enorme Mängel gemeldet, die man beheben müsste.“ Als es dann doch Gespräche mit dem neuen Betreiber gegeben habe, hätte sich schnell rausgestellt: Ein neues Konzept soll her, die Gaststätte Dunnerkeil in der bisherigen Form passe in dieses aber nicht. „Wir gehen auseinander. Das werden viele Regensburger bedauern, aber ich suche mir etwas anderes“, so die Dunnerkeil-Pächterin weiter. Am 11. Oktober sei der letzte Tag, zum 31. Oktober sei das Mietverhältnis gekündigt.

Eigentümer bedauert das

Der Eigentümerwechsel geschah derweil geräuschlos. Die lodgyslife-Gruppe habe nach eigenen Angaben im Dezember 2023 die Azur Freizeit GmbH mit Sitz in Stuttgart übernommen und betreibt die fünf Plätze in Bayern und Baden-Württemberg seit Anfang 2024 weiter unter der Marke Azur Camping. „In der Schweiz betreiben wir fünf Campingplätze, welche als Einzelmarken am Markt positioniert und in der Camping Lodge Gruppe konsolidiert werden.“ Das teilte Pascal Urscheler, Marketing-Chef des neuen Eigentümers, mit. Mit den Kündigungen der Langzeitmieter auf dem Campingplatz habe das Schweizer Unternehmen aber nichts zu tun. Das sei bereits vor drei Jahren geschehen.

„Mit Übernahme durch uns war der Azur Camping Regensburg bereits ein rein touristisch ausgelegter Stadtcampingplatz“, so Urscheler weiter. Dass die Schweizer nach Regensburg expandierten, habe auch mit der Lage des Platzes zwischen Naherholungsfläche und Welterbestadt zu tun. „Nach Übernahme des Campingplatzes als Teil der Azur Freizeit GmbH konnten wir erst kürzlich den Erbbaurechtsvertrag mit der Stadt Regensburg langfristig verlängern“, heißt es von dem Unternehmen. Dies schaffe „für uns die Basis, weiterhin kontinuierlich in die Qualität des Campingplatzes zu investieren und das Gästeerlebnis durch zusätzliche Angebote noch weiter zu verbessern“. Der „wunderschön gelegene Stadtcampingplatz“ erfreue sich schon heute großer Beliebtheit bei Touristen und Campern und „die bisherigen Auslastungszahlen lassen auf ein wirtschaftlich erfolgreiches Jahr 2024 hoffen“, so Urscheler. „Somit freuen wir uns auf die Zukunft und sehen in Regensburg nun eine hervorragende Grundlage, auf der wir weiter aufbauen werden.“ Hierzu gehörten auch Investitionen in den Platz, Infrastruktur und Dienstleistungen.

Die neuen Schweizer Eigentümer hätten die Mitarbeiter übernommen. Auch die Leitung des Campingplatzes, ein „dynamisches Campchef-Paar vor Ort“, wie es heißt, sei übernommen worden. „Gemeinsam mit dem Team vor Ort und mit Unterstützung durch unsere Verwaltungsstrukturen werden wir den Azur Camping Regensburg weiter erfolgreich positionieren können“, so die Schweizer weiter.

Dass man sich mit Hartl nicht einig geworden sei, will der Marketing-Chef des Camping-Unternehmens so nicht bestätigen. „Frau Hartl, die Pächterin der Gaststätte Dunnerkeil, hat sich aus persönlichen Gründen entschieden, den Betrieb der Gaststätte nicht fortzuführen und hat das Mietverhältnis ordnungs- und fristgerecht gekündigt“, sagt der Schweizer. „Wir sind ihr für die langjährige und erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Campingplatz sehr dankbar und bedauern die Entscheidung, welche wir aber selbstverständlich akzeptieren.“

Erfolgsrezept im Kleingarten

Fraglich ist, wie es nun mit dem Dunnerkeil weitergeht. Hartl glaubt, dass am Ende ein Selbstbedienungs-System stehen werde, wie es bei Campingplätzen üblich sei. Das würde aber wohl auch bedeuten, dass die Kundschaft sich weniger wie bisher aus Regensburgern, vielmehr aber aus den Gästen des Campingplatzes zusammensetzen würde. Die neuen Schweizer Eigentümer verraten noch nichts darüber, wie es im Dunnerkeil weitergeht: „Derzeit befinden wir uns in der Planungsphase, um ein etwaiges neues Konzept für die Gastronomiefläche zu eruieren“, heißt es lediglich.

Entlang der Donau gibt es jedenfalls ganz unterschiedliche Konzepte von Gastronomien zu den jeweiligen Einrichtungen vor Ort. Ein Beispiel ist die Kleingartenanlage nur wenige hundert Meter entfernt vom Dunnerkeil. Dort hat es ein Wirtsehepaar geschafft, Stammkundschaft anzuziehen – der Laden ist regelmäßig proppenvoll, nicht nur während des Sommers. Es ist absehbar, dass weitere hinzukommen – zumindest, solange der Dunnerkeil demnächst unter der Ägide von Hartl schließt. Was das neue Konzept bringt, ist noch offen.