Plötzlich sollen auf zehn Prozent des Neumarkter Stadtgebiets Windräder stehen dürfen

Von Petra Schlierf · 27. September 2024 um 17:00

„Das können wir so nicht akzeptieren“, wurde Oberbürgermeister Markus Ochsenkühn am Donnerstagabend im Stadtrat deutlich. Was ihn da so ärgerte, war der neue Entwurf des Regionalen Planungsverbands, in dem Vorranggebiete für Windräder ausgewiesen sind. 1,8 Prozent der Fläche sind bayernweit das Ziel, Neumarkt hatte im Dezember 3,2 Prozent des Stadtgebiets gemeldet. Nun plötzlich im Plan: mehr als zehn Prozent.

Überrascht sei man von den neuen Plänen beim Stadtplanungsamt gewesen, sagte dessen Leiter Christopher Härtl: „Wir dachten, dass wir damals mit 3,2 Prozent ganz gut ins Rennen gegangen sind.“ In Zusammenarbeit mit einem Nürnberger Planungsbüro hatte man damals eruiert, welche Flächen in Frage kommen.

Windkraftanlagen müssen beispielsweise stets einen Abstand von mindestens 500 Metern zu Wohngebäuden halten. Weitere Besonderheiten gelten unter anderem für Flächen mit Biotopen, Ausgleichsflächen, Bodendenkmälern und Höhenrücken mit hoher Fernwirkung wie beispielsweise den Schlossberg. Als gut geeignet hatte das Gutachten damals nur noch 70 Hektar ausgemacht, die im äußersten Nordosten bei Lampertshofen liegen.

Dazu kam als eingeschränkt geeignet ein Areal im Südosten, darunter das Lengenbachtal. Für höchstens drei neue Anlagen wäre so noch Platz gewesen. Nun aber waren im Entwurf wieder viele der schon ausgeschlossenen Flächen enthalten, zum Beispiel im Westen die Höhenzüge von Dillberg und Tyrolsberg sowie weitere Bereiche im Norden des Lengenbachtals. Würde der Entwurf so wirksam, hätte die Stadt kaum noch eine Chance, Windräder auf den dann ausgewiesenen Vorrangflächen zu verhindern.

Windräder auf Tyrolsberg und Dillberg?

Die Stadt hält die neu aufgenommenen Flächen aber nach wie vor für ungeeignet. Eine Fläche liege zum Beispiel näher als 500 Meter an einem Wohnhaus. Das sei schlicht ein Fehler, meinte Härtl. Im Bereich der Zeugenberge im Westen des Stadtgebiets spiele der Artenschutz eine Rolle, insbesondere Fledermäuse gebe es dort. Es handle sich bei Tyrolsberg und Dillberg-Heinrichsberg außerdem um Höhenrücken mit hoher Fernwirkung, erklärte Härtl. Und die sollen nach Maßgabe der Regierung ohnehin nicht mit Anlagen bebaut werden. „Jetzt macht der Regionale Planungsverband genau das und widerspricht den eigenen Empfehlungen“, so Härtl.

Einer entsprechend ablehnenden Stellungnahme der Verwaltung stimmten die Stadträte geschlossen zu, nicht ohne zuvor ihrem Unmut Luft zu machen. Jakob Bierschneider (UPW) bezeichnete die Forderung des Planungsverbands von mehr als zehn Prozent der Stadtfläche als Schieflage. „Es geht in dieser Frage um eine gerechte Verteilung“, betonte er. Außerdem pflanzten die Nachbargemeinden der Stadt ihre Windräder an die Grenze.

Ehrensberger: Schon genug Anlagen in Stadt und Landkreis

Im Süden wähnt Peter Ehrensberger (CSU) die Schuldigen für die unerwartete Flächensteigerung: „Der Grund für die Auswertung ist doch, weil Oberbayern keine will. Aber die Herrschaften müssen halt auch ab und zu mal ein Windrad ertragen. So schlimm ist das nicht.“ In Neumarkt und im Landkreis gebe es schon genug Anlagen, er wolle „keinen einzigen Spargelsalat“.