B85-Baustelle bei Cham: Darum bekommt die Fahrbahn mehr Gummi in die Oberfläche

„Gib Gummi!“ – das war früher der Appell an den Fahrer, doch einmal ordentlich Gas zu geben. Derzeit gilt das nicht für die normalen Nutzer der B85 zwischen Cham und Wetterfeld, denn hier wird gebaut – Gummi geben endet hier zumindest auf der noch nutzbaren Bundesstraße bei 50 km/h. Anders ist es auf der Seite der B85, die gerade saniert wird – hier gilt ab diesem Donnerstag: „Gib Gummi!“
Der Appell gilt jedoch nur für einen einzigen Fahrzeuglenker. Und der sitzt an der überbreiten Asphaltiermaschine, die jetzt statt Normal- oder Niedrigtemperaturasphalt mit Mineralbeimischung aus Asphalt mit Gummianteil die neue Oberfläche der Bundesstraße baut. Das Gummi stammt von denen, die hier täglich allein zu 2500 Stück rüberrollen – von Lastwagen.
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Deren Reifen werde gemahlen und dem Niedrigtemperaturasphalt beigemischt, woraus dann die neue Fahrbahn entsteht. Baudirektor Dr. Richard Bosl, Bauleiter Johann Weiß, sowie Sebastian Kolb und Walter Emperhoff, beide von der Baufirma Guggenberger, stellten am Mittwoch den Fortgang der Sanierungsarbeiten vor und gingen auf die Zeitplanung ein. Drei Bauabschnitte mit drei verschiedenen Sorten Asphalt würden gebaut, erklärte Dr. Bosl.
Cham: B85 wird im aktuell modernsten Bauverfahren erneuert
Eine ein Kilometer lange Strecke sei bereits mit konventionellem Asphalt ausgestattet worden – als Vergleichsstrecke. Bis zu diesem Mittwoch seien dann im zweiten Bauabschnitt 3,5 Kilometer Straßenoberfläche mit Niedrigtemperaturasphalt mit dem vulkanischen Mineral Zeolithe belegt worden. Und ab diesem Donnerstag bekomme der Asphaltierer nun den Gummi-Asphalt als Futter, um daraus auf ganzer Breite die Straße zu formen. Auch das sei ein Niedrigtemperaturasphalt. Damit werde hier die B85 im aktuell modernsten Bauverfahren erneuert, so Walter Emperhoff.
Die Vorteile des Niedrigtemperaturasphaltierens erläuterten Baudirektor Bosl und Bauleiter Johann Weiß. Ein wichtiger Punkt, der eine Rolle spiele, sei das Recycling – die Altreifen als Baumaterial zu nutzen, sei zeitgemäß, wenn auch etwas teurer. Das Gummi gebe dem Asphalt zudem eine längere Lebenszeit. Ein weiterer, ebenso wichtiger Punkt sei die Gesundheit der Arbeiter.
Durch die Absenkung der Temperatur bei der Verarbeitung von etwa 165 auf 135 Grad entstehe weniger Rauch, weniger Schadstoffe seien in der Luft – damit werde auch die Belastung für die Beschäftigten geringer. Vor Ort werde das auch gemessen und dokumentiert. Gleichzeitig werde durch die niedrigere Temperatur Brennstoff eingespart, so Dr. Bosl. Das seien auf der B 85-Baustelle allein 6000 Liter Öl, wodurch sich auch die CO2-Bilanz verbessere.
Richard Bosl äußerte sich auch zu Stimmen aus den sozialen Netzwerken, die etwa die Geschwindigkeitsbegrenzung kritisiert hatten. Am Anfang habe es einige Autofahrer gegeben, die sich an nichts gehalten hätten, weshalb nachbeschildert worden sei. Die Baustellensicherung sei mit Polizei und Landratsamt abgesprochen. Als die Gelbmarkierungen wegen des Wetters nicht hielten, sei man auf Baken umgestiegen. Die würden sich ab einer gewissen Geschwindigkeit bewegen – und da Gegenverkehr vorhanden sei, habe man auf 50 km/h begrenzt.
Die Straße soll bis 11. Oktober wieder voll befahrbar sein, wenn das Wetter halte. Zuletzt werden die Markierungen erneuert.
Rund um die Baustelle auf der B85
Baustelle: Saniert in drei Bauabschnitten wird die Oberflächenschicht auf einem acht Kilometer langen Teilstück der Bundesstraße 85 ab Cham bis Wetterfeld. Um teurere Sanierungsarbeiten zu vermeiden, wurde das Projekt jetzt angepackt. Verbaut werden auf 64 000 Quadratmetern gut 6500 Tonnen Asphaltmasse.
Fertigstellung: In den kommenden Tagen werden die restlichen 3,5 Kilometer asphaltiert, danach die Bankette und am Ende die Markierungen erneuert. Ab 11. Oktober soll die Bundesstraße wieder voll befahrbar sein, wenn das Wetter dem Zeitplan keinen Strich durch die Rechnung macht. Die Kosten liegen bei 1,2 Millionen Euro.
