Räuber kannten sich im Chamer Angel-Shop offenbar aus und hinterlassen riesigen Schaden

Es war ein Räuber, der genau wusste, was er suchte, und der nicht mehr Schaden anrichten wollte als unbedingt notwendig. So zumindest scheint es, wenn Manuela und Franz Fischer eine Woche später vom Einbruch in ihren Angelshop in Cham erzählen.
Acht Tage danach ist der erste Schreck überstanden, und das Ehepaar kann recht nüchtern über den Vorfall berichten. Trotzdem: Nicht nur der riesige materielle Schaden belastet die Geschäftsleute.
Gerade hat der Gutachter den Laden im Gewerbegebiet Cham-Süd verlassen. Nach mehreren Tagen Inventur haben die Fischers einen reinen Einkaufswert-Schaden von 27 000 Euro errechnet. Dazu kommen noch rund 12 000 Euro Schaden am Gebäude.
Täter treiben Loch in die Fassade
Der oder die Täter sind an der Rückseite der Halle ins Gebäude gelangt. Sie haben ein Loch in die Aluplatte getrieben, den dahinter liegenden Hartschaum kleingeschreddert, die Regale an der Wand davor abgebaut und fein säuberlich hinter einer Trennwand gestapelt. Und dann muss sich der Dieb an den anderen Regalen vorbeigezwängt und als erstes zwei Kameras in der hinteren Hallenhälfte abgesteckt haben. „Der hat gewusst, was er tut“, seufzt Manuela Fischer. Deshalb haben die Fischers zwar einen zeitlichen Ablaufplan, wann ihr Geschäft halb leer geräumt wurde, aber nur auf einer Kamera einen kurzen Blick auf einen Täter.
Überwachungskamera zeigt Verdächtiges
Um 21.30 Uhr hat am Dienstag letzter Woche eine Außenkamera jemanden aufgezeichnet, der vom Grünstreifen her zum Angelshop hinuntergegangen ist. „Da muss er angefangen haben, die Fassade zu öffnen“, vermutet Fischer. Um 23 Uhr wurden die Kameras ausgesteckt. Und um 23.45 hat eine Kamera im Kassenbereich kurz eine schmächtige Figur aufgenommen, die nach vorne läuft und dann auch diese Kamera unbrauchbar macht.
„Da hat er sich aber vorher einen Hoodie über den Kopf gezogen, er hat eine Brille auf und ein Käppi und noch eine behandschuhte Hand vors Gesicht gehalten“, beschreibt die Geschäftsfrau die Aufnahme. Wann genau der oder die Täter den Shop wieder verlassen haben, ist nicht bekannt. Als Manuela und Franz Fischer ihr Geschäft am Mittwochfrüh betreten, fällt dem Chef sofort auf, dass Sonnenlicht in die Halle strömt, wo eigentlich keines hereinkommen sollte. Und dann bemerkt das Paar die leeren Regalreihen.
Vor allem Teures wurde gestohlen
Die Diebe habe nicht alles mitgenommen. 70, 80 Angelruten, dazu zahlreiche Rollen, die teuersten Ruten und Rollen dabei für einen Preis um die 900 Euro. „Der hat sich ausgekannt“, ist sich Fischer sicher, vor allem viele teure Sachen sind unter dem Diebesgut, hochwertige Marken wie Shimano und Daiwa. Kurioserweise hat der Täter aber auch zwei Meter Regalwand mit Kleinzeug wie Blinker und Köder mitgehen lassen. „Das sind Sachen, die kosten drei, vier, fünf Euro“, sagt Manuela Fischer und schüttelt den Kopf. „Und direkt darunter liegen elektronische Geräte wie Bissanzeiger zum Angeln, die hat er dagelassen, genauso wie die meisten Originalverpackungen, die bei den gestohlenen Sachen lagen.“
Am Ende stehen sieben Polizeibeamte an diesem Morgen bei den Fischers in ihrem kombinierten Maler- und Angelgeschäft. „Die haben auch DNA-Proben genommen“, erzählt die 55-Jährige. Ob der Täter gefunden wird? Die Fischers haben von ihren Lieferanten von Einbrüchen in Angelgeschäfte in ganz Deutschland gehört. „Ich habe mir schon fast gedacht, dass wir da auch einmal drankommen könnten“, sagt Manuela Fischer. Es könne durchaus ein Zusammenhang zwischen den Einbrüchen bestehen, meint sie.
Haben Mitarbeiter von Müller Präzision etwas Verdächtiges gesehen?
Außerdem hofft sie auf Beobachtungen durch Mitarbeiter der benachbarten Firma Müller Präzision. „Vielleicht erinnert sich ja jemand an etwas Auffälliges. Der Täter hat die Sachen über die Wiese und die Böschung hinauf zur Straße geschafft, wo er vermutlich geparkt hatte. Das Fahrzeug muss mindestens ein Kombi gewesen sein, sonst passen die Angelruten nicht hinein, Und er muss da ziemlich oft hin und hergegangen sein. Das muss doch jemand gesehen haben“, hofft sie. Auch die Auswertung der Kameras benachbarter Firmen könnte, so hofft sie, noch Erkenntnisse bringen. Drei junge Männer wurde am Samstag vorher in Tiegelgruben beobachtet, wie sie sich das Gelände anschauten.
Die nächsten Wochen und Monaten werden Manuela und Franz Fischer damit beschäftigt sein, ihr Sortiment wieder aufzubauen. „Manche Angelruten und Rollen haben Lieferzeiten von einem Jahr“, erläutert Franz Fischer. „Gestern war schon jemand da, der wollte eine bestimmte Angelrute, die gestohlen wurde. Der geht jetzt natürlich woanders hin“, befürchtet seine Frau das Abwandern von Kunden.
Die größte Angst von Manuela Fischer
Denn der materielle Schaden durch den Raub ist das eine. Etwas, das unmittelbar mit dem Diebstahl zusammenhängt, lässt Manuela Fischer aber ebenfalls keine Ruhe: „Seit einer Woche schaue ich genauer hin, wenn jemand in den Laden kommt. Und wenn einer von der Statur her ähnlich ist, wie der Man auf der Kamera, dann überlege ich schon und beobachte den genauer.“ Das belaste sie, sagt die Geschäftsfrau, der Verlust an Vertrauen. Auf einem älteren Video einer der Überwachsungskameras sei zu sehen, wie sich jemand im Laden scheinbar mehr für die Kameras interessiert als für den eigentlichen Angelbedarf. „Das Schlimmste für mich“, sagt Fischer, „wäre jetzt, wenn sich herausstellt, dass der Dieb ein Kunde war, den man kennt, zu dem man eine Beziehung aufgebaut hat.“
Zeugen sollen sich bei der Kripo melden
Der Stand der Ermittlungen: Die Ermittlungen inklusive der Auswertung der Kameraaufzeichnungen hat die Kripo Regensburg übernommen. „Das dauert in der Regel mehrere Wochen“, macht ein Sprecher der Polizeidirektion Oberpfalz in Regensburg auf Anfrage der Mediengruppe Bayern wenig Hoffnung auf einen schnellen Fahndungserfolg. Ob der Raubüberfall in Cham in Zusammenhang mit anderen Diebstählen in Deutschland steht, könne man zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht einschätzen. „Die erste Erscheinung sagt aber, es handelt sich dabei um keine Serie.“ Derzeit gebe es auch keinen Tatverdächtigen, gegen den explizit ermittelt werde. Wer Beobachtungen rund um den Angelshop in der Bürgermeister-Schwinghammer-Straße im Industriegebiet Cham-Süd gemacht hat, besonders in der Nacht von Dienstag, 17. September, auf Mittwoch, 18. September, soll sich bei der Kriminalpolizei Regensburg, Tel. (09 41) 506 28 88, melden.
Den Chamer Angel-Shop gibt es schon seit 2010
2021 haben die Fischers ihren Shop in die Bürgermeister-Schwinghammer-Straße im Industriegebiet Cham-Süd verlegt. Zuvor war der Shop elf Jahre lang im ehemaligen Heller-Gebäude in Janahof untergebracht. 2003 hatten die Fischers in Altenmarkt im Tante-Emma-Laden ihr erstes Geschäft für Farben eröffnet. Franz Fischer konnte nach einem Arbeitsunfall nicht mehr regulär als Maler arbeiten. Als der Umzug nach Janahof mehr Platz für den lang gehegten Traum eines Angelshops ermöglichte, entstand das Farben- und Angel-Geschäft.



