Neue Chefs sorgen auf Burglengenfelder Burg und im Teublitzer Schloss für frischen Wind

Von Thomas Rieke · 25. September 2024 um 17:00

Mit dem Rauswurf seines Leiters (MZ berichtete) wuchs die Spannung, wie es mit dem Heilpädagogischen Instituts Die Burg des Sozialwerks Heuser weitergehen würde. Die Antwort: Die Geschäftsführung hat die Weichen in Burglengenfeld und Teublitz längst gestellt und Schlüsselpositionen wieder besetzt.

Neue Chefin der Einrichtung, in der Menschen mit seelischer Behinderung behandelt werden, ist Regina Günther. Die 59-jährige Heilerziehungspflegerin und ausgebildete Heimleiterin hat bereits vor drei Jahren bei Heuser einen Vertrag unterschrieben – als Führungskraft für die Burg-Außenstelle im Schloss Teublitz. Aber auch auf der Burg hatte sie immer wieder die Zügel in der Hand, wenn der Chef des Instituts beispielsweise urlaubsbedingt zu vertreten war. Als Günther selbst die leitende Position angeboten wurde, wusste sie also bereits, was auf sie zukommen würde.

Nach ihrer Beförderung galt es freilich auch für das Schloss einen neuen Manager zu finden. Die Wahl fiel auf den Heilerziehungspfleger Andreas Eckl-Ginel. Der 33-Jährige stammt aus dem Raum Straubing und hat am 1. Mai seine Arbeit aufgenommen. Auch er kann bereits auf viel Erfahrung verweisen. Mehrere Jahre war er beispielsweise bei der Lebenshilfe in Gebelkofen (Kreis Regensburg) beschäftigt.

Immer wieder erfolgreiche Prüflinge

In dem Institut Die Burg werden Menschen verschiedenen Alters behandelt, die aus unterschiedlichsten Gründen unter einer psychischen Erkrankung leiden. Vollständige Heilung gibt es für viele nicht, aber die Einrichtung verfügt über Fachkräfte und Methoden, mit deren Hilfe die Patienten stabilisiert werden können. Im Idealfall sollten sie ihr Leben wieder weitgehend selbstbestimmt führen und gestalten.

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Darüber hinaus ist es in den vergangenen Jahren immer wieder gelungen, Schützlinge fit für den Arbeitsmarkt zu machen. Nach einer Ausbildung in der institutseigenen Gärtnerei oder Schreinerei stellten sich zum Beispiel 2023 vier Lehrlinge mit Erfolg den Abschlussprüfungen. Nach MZ-Informationen fanden sie wohl eine feste Anstellung.

Doch auch hinter den Ausbildungsmöglichkeiten schienen auf der Burg zuletzt dicke Fragezeichen zu stehen, nachdem sich sowohl der Schreiner- als auch der Gärtnermeister in den Ruhestand verabschiedet hatten. Schon hieß es, das Sozialwerk habe Probleme, adäquaten Ersatz zu finden – oder vielleicht gar kein Interesse mehr daran, um zu sparen.

In der Gärtnerei wird weiter ausgebildet

Regina Günther widerspricht entschieden. Natürlich sei man weiter gewillt, Meister zu beschäftigen, um ausbildungsberechtigt zu bleiben. Für die Gärtnerei habe man bereits wieder einen Mann mit entsprechende Qualifikation verpflichtet, für die Aufgabe in der Schreinerei lägen zwei Bewerbungen vor.

Im Übrigen, so berichtet Günther, habe sich genau diese Werkstatt zuletzt mächtig ins Zeug gelegt, um für die Teilnahme an der Inklusionsmesse (Inklu-Con) am kommenden Samstag mit Besonderheiten aufwarten zu können. Sowohl für den Bürgermeister der Gastgeberstadt Maxhütte-Haidhof als auch Schirmherrin Verena Bentele habe man Geschenke hergestellt.

Geht es nach Günther, wird das Spektrum der Ausbildungszweige auf der Burg sogar erweitert. Konkrete Formen nehmen ihren Worten zufolge die Bemühungen im Bereich Hauswirtschaft an. Außerdem habe man die Absicht, eine Therapiegruppe für Hausmeistertätigkeiten (Facility Management) anzumelden.

Kunst steht nicht mehr im Mittelpunkt

Wie vielfach berichtet, hat Irene Heuser, Gattin von Institutsgründer Erich-Gottfried Heuser, für die Behandlung der Patienten vor Jahrzehnten eine eigene Methode entwickelt: die Milieutherapie. Dabei setzte die Innenarchitektin und Kunstliebhaberin auf die Kraft eines Umfelds, das Geborgenheit ausstrahlt, und die Magie der Malerei. Auch künftig, so heißt es, dürften die Patienten zu Pinsel und Farbe greifen, um ihr künstlerisches Talent zu entdecken. Im Mittelpunkt aber stehe diese Therapie nicht mehr.

Kurz nach ihrem Ausscheiden aus dem operativen Geschäft hatte Irene Heuser erklärt, die Nachfrage nach Betreuungsplätzen sei ungebrochen. Aber weil es immer schwieriger geworden sei, Fachkräfte zu gewinnen, könne das Institut längst nicht allen Anfragen gerecht werden. So sei die Einrichtung mit ihren bis zu 135 Plätzen bei weitem nicht ausgelastet, was auf Dauer „natürlich schwierig“ sei.

Trendwende bei der Personalsuche

Doch auch hier ist die Trendwende offenbar geglückt. Die Zahl der freien Plätze werde stetig kleiner, berichtet Günther. Bis Januar sollten alle belegt sein. Das funktioniere, weil sich auch die personelle Situation entspannt habe. Aktuell lägen mehr Bewerbungen vor, als man Stellen bieten könne.

Weshalb dies so ist, können die Institutsleiterin und ihr Stellvertreter selbst nicht genau erklären. Aber sie haben Vermutungen: Vielleicht liege es an der frischen Luft, die über das mittelalterliche Burggelände wehe. Vielleicht spreche sich aber auch herum, dass sich das Betriebsklima im Institut verbessert habe. Und: Es sei eben reizvoll, Teil des „multiprofessionellen Teams“ zu werden.

450 Beschäftigte in elf verschiedenen Einrichtungen

Gegründet 1957, ist das Sozialwerk Heuser bundesweit einer der ältesten privaten Träger therapeutischer Einrichtungen für physisch und psychisch beeinträchtigte Menschen. Seit 2024 ist Johannes Heuser alleiniger Geschäftsführer der Unternehmensgruppe. Diese zählt rund 450 Mitarbeiter in elf Einrichtungen. Der Sitz der Zentrale ist im oberbayerischen Bad Aibling.