Jubiläum: Das historische Rathaus Furth im Wald wird heuer 100 Jahre alt

Von Alfred Wutz · 26. September 2024 um 11:00

Der „Geburtstag“ eines stadtbild-prägenden und wichtigen Further Gebäudes ging in den Ereignissen um den Drachenstich und die kommende Landesgartenschau geradezu unter. Dabei gibt ein markantes Drachenstich-Fries, das fast alle Touristen fotografieren und das jeder Einheimische kennt, eine klare Auskunft: Das jetzige Rathaus ist – was seinen Altbau betrifft – 100 Jahre alt. Der in der Burgstraße anschließende Baukomplex entstand ab 1982.

Wann das erste Further „Rathaus“ entstand, ist – wie so vieles in der Geschichte der Drachenstichstadt – eine Sache von Vermutungen und auch Folgerungen. Schlussfolgerungen.

Erweiterung des Rathauses Furth im Wald im Jahr 1982

Viele Angaben finden sich in der Chronik der Further Bürgerhäuser von Werner Perlinger, aber auch in den verschiedenen Stadtchroniken von Josef Pongratz, Johann Brunner und Werner Perlinger.

Unzweifelhaft sind zwei Belege aus den Jahren 1609 und 1612: In Schriftstücken sind eine „Waage im Rathaus“ und ein „Wirt im Rathaus“ dokumentiert. Aufschlussreich sind darüber hinaus diverse Rechnungs- und Steuerakten, in denen beispielsweise von Ausbesserungen an Toreingängen des Rathauses (1673), von der Neufassung eines Dreikönigsbildes im Rathaus (1736) oder vom Kauf neuer Schindel für das Rathausdach (1659) die Rede ist.

Rathaus war das Gebäude mit der früheren Hausnummer 117, die heutige Burgstraße 1. Zwei Fotografien zeigen, wie es aussah. Die Bilder stammen mit großer Wahrscheinlichkeit vom damals schon existierenden Fotoatelier Wagner. 1923 wurde das Gebäude abgebrochen; es entstand ein Neubau auf einem Teil der alten Grundmauern. Mit einem Festakt erfolgte am 14. Juni 1924 die Eröffnung. Maßgeblich für den Neubau war der seinerzeitige Bürgermeister Carl Clos. Er sorgte sich auch um die Gestaltung und Ausstattung des Hauses, das ein Türmchen mit Zwiebelhaube bekam, die von einem Drachentöter bekrönt wurde. Dieses Bauteil besteht noch heute, während der neu erbaute Rathaussaal heute anders gestaltet ist. 1924 fertigte der Meisterschüler Florian Bosch von der Akademie der Künste in München große Fresken, die Szenen aus der Stadtgeschichte zeigte. Diese Bilder wurden bei späteren Umbauten teils entfernt, teils abgedeckt und erhalten.

Während der Baumaßnahme musste die Stadtverwaltung in ein anderes Quartier umziehen. Hierzu diente das sogenannte „Zwischenrathaus“, ein repräsentatives Gebäude in der Lorenz-Zierl-Straße 3, welches 1895 erbaut worden war. Dort befand sich damals auch die städtische Waage. Teile der Further Stadtverwaltung, z. B. die Stadtkasse und die Stadtpolizei, waren noch bis Anfang der 1980er Jahre dort untergebracht.

Die bauliche Entwicklung des Further Rathauses setzte sich 1982 fort. Es erfolgte nämlich eine beträchtliche Erweiterung. Unter Bürgermeister Gottlieb Dimpfl erwarb die Stadt zwei angrenzenden Gebäude: Das Morgensternhaus (damals Burgstraße 3) und das Anwesen Lax (seinerzeit Kellnergasse 1) wurden abgebrochen, sodass eine große, freie Fläche gewonnen wurde. Im Neubau ist heute der größte Teil der Stadtverwaltung untergebracht. Das „Alte Rathaus“ wurde umgestaltet: Der Sitzungssaal wurde vergrößert, die Räume im Erdgeschoss wurden zum „Haus des Gastes“, für kulturelle Zwecke ausgestattet.

Bei dieser „Neueinrichtung“ handelt es sich nicht um die erste Änderung in diesem Gebäude. Denn das Rathaus hat in den 100 Jahren seiner Geschichte schon eine enorme Anzahl von Verwendungen erfahren. In frühen Jahren war es zugleich zeitweise ein Wirtshaus (Morgenstern). Schon 1896 war der damalige Rathaussaal als Betsaal für seinerzeit junge evangelische Gemeinde zur Verfügung gestellt worden. 1919 befand sich im Rathaus ein Waffen-und Munitionslager für die „Einwohnerwehr“, die nach dem 1. Weltkrieg aufgestellt wurde. 1939 wurde ein erstes Fremdenverkehrsamt im Rathaus eingerichtet, das dann ins Zwischenrathaus umzog. Die sogenannte „Grenzwacht“ hatte (gegen Ende des Zweiten Weltkrieges) ihr Wachlokal im Rathaus, ebenso wie die frühere Stadtpolizei. Letztere wechselte 1939 in das „Zwischenrathaus“, ging 1954 in die Grenzpolizei über und bekam 1957 eine eigene Dienststelle in der Daberger Straße. Und auch als Feuerwehr-Gerätehaus diente das Alte Rathaus mehrere Jahrzehnte.

Rathaus Furth im Wald ist auch kulturelles Zentrum

Das Further Rathaus ist in der Gegenwart – neben seiner Funktion als Ort der Stadtverwaltung – ein wesentliches kulturelles und geistiges Zentrum der Stadt. Im Alten Rathaus finden ständig Ausstellungen statt: Malerei, Bildhauerei, Musik, aktuelles Zeitgeschehen und viele andere Themen werden den Besuchern angeboten. Und seit Mai 2005 hat ein Europe Direct Büro als Teil des Netzwerkes der Europäischen Union hier einen Standort.

Die weitere Entwicklung der Further Stadtverwaltung steht – wenn man dies so sehen will – unmittelbar bevor: Durch den aktuell laufenden Umbau des früheren Amtsgerichtsgebäudes und die Zusammenlegung städtischer Einrichtungen (Stadtbücherei, Kulturamt, Drachenstich-Geschäftsstelle usw.) in diesem unmittelbar benachbarten Komplex bekommt das Rathaus im Jahr seines 100. Geburtstages eine weitere neue Dimension.

Stadtturm, ehemaliges Amtsgerichtsgebäude und Rathaus in einer Linie, fotografiert vom Kirchturm
Die prächtigen Wandgemälde im Rathaussaal sind verschwunden oder hinter Vertäfelung versteckt. Fotos: Archiv/Wutz
Der Drachentöter verrät das Alter des Rathauses. Fotos: Wutz
Ansicht vom Stadtplatz Furth im Wald aus gesehen.
Das Further Rathaus ist ein prägendes Bauwerk im Stadtzentrum.
Eine „alte“ Ansicht des Rathauses Furth im Wald