Regensburger Dackelparade: Wie groß kann das noch werden?

Von Jürgen Scharf · 23. September 2024 um 17:20

Die Regensburger Dackelparade könnte das Zeug zum internationalen Kult-Event haben. Wie es weitergeht, lassen die Veranstalter zunächst aber noch offen.

Bei der Präsentation der Teilnehmerzahl der Regensburger Dackelparade ging es am Sonntag zunächst etwas durcheinander. Vier Leinwände hatten die Veranstalter dabei, auf jeder stand eine Ziffer. Weil sie diese aus Versehen beim ersten Versuch seitenverkehrt aneinandergereiht nach oben hielten, stand da nicht die Weltrekordzahl 1175, sondern sogar 5711. „Das wäre ein bisschen viel“, rief einer der Umstehenden. Doch wer weiß: Vielleicht ist diese Marke in naher Zukunft sogar zu schaffen. Das Potenzial der Parade scheint jedenfalls noch lange nicht ausgeschöpft.

Bei den Highland-Games in Schottland werden Baumstämme geworfen, beim Käserennen in England laufen die Teilnehmer einem den Berg runterrollenden Käselaib hinterher und beim Red-Bull-Flugtag stürzen sich Desperados in selbst gebauten „Fluggeräten“ von einer Rampe ins Wasser. Eines haben alle diese Veranstaltungen gemeinsam: Es kommen jedes Mal zehntausende Zuschauer.

Die Parade der Dackel in Regensburg könnte grundsätzlich das Zeug dazu zu haben, ebenfalls ein international bekanntes Kult-Event zu werden. „Ja, das Potenzial dafür wäre da, denke ich“, sagt Seppi Küblbeck. Er leitet gemeinsam mit Oliver Storz das Dackelmuseum in der Weißen-Hahnen-Gasse. Beide veranstalten auch die Dackelparade.

Erwartungen übertroffen

Vom Erfolg der ersten Ausgabe des Hundemarsches in Regensburg war Küblbeck am Montag noch vollkommen überwältigt. Erst vor kurzem ist das Dackelmuseum nach Regensburg umgezogen. Zuvor war es in Passau. Dort gab es auch schon zweimal eine Parade. „Im Vergleich zu Sonntag war das aber quasi nur ein Kindergeburtstag.“ Der Zulauf am Sonntag habe alle Erwartungen weit übertroffen. Zwischen 25.000 und 30.000 Zuschauer, schätzt Küblbeck, seien dagewesen. An markanten Punkten wie der Steinernen Brücke oder dem Neupfarrplatz herrschte der Ausnahmezustand.

Etliche Dackel-Fans hatten schon Stunden vorher Position bezogen, um einen möglichst guten Blick auf die Vierbeiner zu haben. Die Regensburger Polizei fuhr bei der Parade mit einem Wagen voran. Einem Sprecher zufolge habe es trotz der hohen Besucherzahlen keinerlei Probleme gegeben. Es hätten auch keine Protestaktionen gegen die Parade stattgefunden. Auch die Stadtverwaltung zog gestern eine positive Bilanz. „Soweit wir das übersehen können, ist alles gut gelaufen, uns liegen derzeit auch keine Beschwerden vor“, sagte Sprecherin Juliane von Roenne-Styra. Den Veranstaltern zufolge hatte sich bei ihnen am Sonntag eine einzige Anwohnerin gemeldet, die nicht in ihr Haus konnte.

„Die haben richtig Kohle in die Stadt gebracht“

Insbesondere die Gastronomen der Altstadt dürften von der Parade stark profitiert haben. „Unzählige Teilnehmer haben in Hotels übernachtet“, sagt Küblbeck: „Die haben richtig Kohle in die Stadt gebracht.“ Am Sonntag bei der Schlussfeier erlaubte er sich dann auch einen Seitenhieb auf Passau. Die alte Heimat hatten Küblbeck und Storz nach einer bürokratischen Fehde mit der Stadtverwaltung verlassen. Dort werde man sich angesichts des Riesenandrangs bei der Parade in Regensburg jetzt vermutlich „grün und blau ärgern“, verkündete Küblbeck.

Das habe er aus der Emotion heraus gesagt, meinte er am Montag. Die Stadt Passau ließ auf Anfrage der Mediengruppe Bayern dazu mitteilen: „Die Passauer Devise lautet: ‚Leben und leben lassen!‘ Es freut uns, dass auch an anderen Orten in Bayern Veranstaltungen stattfinden.“ Und der Veranstaltungskalender in Passau sei am vergangenen schönen und sonnigen Wochenende proppenvoll gewesen.

Über Regensburg wurde wegen der Dackelparade nun weltweit geredet. Jeremiah Barnes und Nicholas Hamilton etwa waren extra aus Kalifornien angereist, um bei dem Marsch dabei zu sein. Insgesamt nahmen Menschen aus knapp 20 Nationen teil, erzählte Küblbeck: „Ich glaube, wir haben eine Meisterleistung für Regensburg hingelegt.“

Wie geht es jetzt weiter?

Einige Besucher meinten am Sonntag, dass die Parade auf Jahre hinaus ein Riesenerfolg mit unglaublich großer Strahlkraft werden könnte. Doch will Küblbeck das überhaupt? Noch stehe nicht fest, wie es weitergeht, sagte er direkt nach der Parade: „Wir müssen das alles erst einmal sacken lassen.“ Eines wisse er aber schon: Wenn es eine Neuauflage geben soll, brauche es finanzielle Unterstützung. „Wir haben 35.000 Euro aus eigener Tasche in die Veranstaltung reingesteckt. Alleine der Eintrag ins Guinnessbuch kostet 10.000 Euro.“ Und insbesondere wenn die Parade noch größer und ein internationales Kult-Event werden soll, brauche es Förderer, sagt er. Dabei denke er unter anderem an die Stadt selbst: „Wir hatten wirklich eine Super-Zusammenarbeit mit der Kommune, aber wenn es die Parade wieder in dieser Größe geben soll, dann bräuchten wir auch finanzielle Unterstützung, das ist klar.“

Kritik von politischer Jugendorganisation

Die Grüne Jugend Regensburg kritisiert derweil die Parade in einer Mitteilung. „Dackel sind keine Kultobjekte, die man wie eine Porzellanfigur zu besonderen Anlässen herausholt. Sie sind Lebewesen mit eigenen Bedürfnissen, die nicht für die Belustigung von Passanten zur Schau gestellt werden sollten. Schon gar nicht bei einer Veranstaltung, die gegen ein Tierschutzgesetz mobilisieren soll“, sagt Lena Wittmann von der Grünen Jugend. Andere Organisationen hätten sich dem Protest angeschlossen, heißt es. „Dass sich die Parade einen lustigen Anschein gibt, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass unter dem Deckmantel des skurrilen Aufmarsches implizit politische Forderungen gestellt werden“, sagt Claire Lindner von der Grünen Jugend. Die Veranstaltung richte sich ihrer Meinung nach auch gegen die geplante Novelle des Tierschutzgesetzes, welche unter anderem das Bewerben von sogenannten Qualzuchten verbieten soll. Auch die Parade selbst sei für die Tiere der Grünen Jugend zufolge „wahrscheinlich nur halb so angenehm wie für die Zuschauer gewesen.“ Zusammen mit vielen anderen Hunden „mussten sie sich auf ihren viel zu kurz gezüchteten Beinen mit ihren zu langen Körpern durch lärmende Menschenmassen bewegen. Eine Umgebung, die für Menschen bereits oft schwer auszuhalten ist, kann für Hunde mit ihren deutlich ausgeprägteren Sinnen eine Tortur sein“.