„Freiheit, Sonnenschein, Dackel“ – und ein neuer Weltrekord bei der Parade in Regensburg

Von Jürgen Scharf · 22. September 2024 um 19:00

Um genau 16.06 war es soweit. Seppi Küblbeck verkündete am Domplatz die Zahl, auf die alle gewartet hatten: „1175 Dackel. Wir haben den Weltrekord.“ Der Rest war Jubel – und ein wenig Bellen.

Regensburg erlebte einen unglaublichen Tag. Die Macher des kultigen Dackelmuseums veranstalteten am Sonntag erstmals die große Parade – und die wurde zu einem wahren Besuchermagneten. Teils unüberschaubare Menschenmassen säumten die Straßenränder. Alle wollten irgendwie einen Blick auf den Tross der Vierbeiner erhaschen oder irgendwie ein Foto machen. Rund um die Steinerne Brücke, welche die Parade kurz nach dem Start überquerte, herrschte in etwa eine Stimmung wie bei einer Bergankunft der Tour de France: Es wurde gejubelt und angefeuert, teils hatten die Dackel eigene Fanclubs mit Schildern dabei.

Alle kamen wohl gut durch

Kurzhaardackel, Rauhaardackel, Langhaardackel, Tigerdackel, Urdackel, Kaninchendackel, und viele mehr. Bei den mehr als 1000 Dackeln der Parade und einigen hundert weiteren an der Strecke, war jede Rasse dabei. Und alle scheinen den Marsch gut überstanden zu haben. „Wir haben bislang nicht gehört, dass es irgendwo ein Problem gegeben hätte“, sagte Küblbeck als Sprecher des Veranstaltungsteams in einer ersten Bilanz. Vorsichtshalber war der Umzug auch tierärztlich begleitet worden und auf der Strecke gab es etliche Trinkgelegenheiten für die Hunde.

„Ach, ist das nicht einfach wunderschön“, rief eine Frau im Pulk der Zuschauer, als die Parade am Neupfarrplatz vorbeizog. Teilweise gab es Applaus auf offener Szene. Einfach so. Einfach für die Dackel. Einfach, weil sie da waren. Bei deren Besitzern, wie etwa der Familie Eichenseer, die mit ihren Hunden Toni und Mini gekommen, gab es da im Vorfeld offenbar keine lange Diskussion: „Da muss man dabei sein“, erzählten sie. Nina Stratemann und Jenny Forster, die mit ihrer Fritzi teilnahmen, sahen es ähnlich. „Und zudem ist das Wetter heute noch absolut traumhaft.“ Auch die Dackel schienen mit dem strahlenden Sonnenschein gut zurechtzukommen. Seine Dackelhündin Franzi sei „wunderbar“ durchgekommen, erzählte Andreas Träg. Auch die ungewohnte Masse an Artgenossen habe sie nicht erschreckt: „Ich glaub, die hat kein einziges Mal gebellt.“

Küblbeck, der gemeinsam mit Oliver Storz das Dackelmuseum leitet, erinnerte bei seiner Schlussrede auf dem Dultplatz daran, dass die Parade in erster Linie ein großes, friedliches Fest sein soll: „Freiheit, Sonnenschein und einen Dackel muss man haben, um glücklich zu sein.“ Der Stargast des Tages, Herzogin Elisabeth in Bayern, die mit ihrer Dackelhündin Sally gekommen war, war von der Atmosphäre der Parade richtiggehend verzaubert, wie sie sagte: „Eine Gemeinschaft von Menschen, die sich eigentlich alle ja gar nicht kennen, aber durch den Dackel alle etwas gemeinsam haben und sich darüber freuen.“

Knapp 20 Nationen dabei

Menschen und Hunde aus knapp 20 Nationen hatten teilgenommen. Stadtrat Thomas Burger sprach von einem „absoluten Wahnsinn“, von einem „Ort voll mit positiver Energie“. Und deswegen störte es auch niemanden, dass in den Tagen vor der Parade sogar noch mit ein paar hundert mehr Dackeln auf der Strecke gerechnet worden war. Für den Weltrekord reichte es aber auch so locker – und der war letztlich ohnehin nur die Zugabe für ein riesiges gemeinsames Fest von Teilnehmern und Zuschauern. Oder wie es Wolfgang Bauer, der die Schlussfeier mit den Regensburger Parforcehornbläsern umrahmte, sagte: „Gerade in der heutigen Zeit, wo vieles so überschattet ist, ist das doch ein Prima-Zeichen.“ Ob es dieses im kommenden Jahr wieder geben wird, steht allerdings noch nicht fest: „Da wissen wir noch nicht, jetzt müssen wir das alles erst einmal sacken lassen“, sagte Küblbeck.

Rund um die Steinerne Brücke herrschte der Ausnahmezustand.
Bei der Parade waren viele internationale Gäste mit dabei.
„Das müssen wir alles jetzt erst einmal sacken lassen.“ - Seppi Küblbeck, Veranstalter
Etliche Hundebesitzer kamen in Tracht zur Parade.