Alarmstimmung beim Jahn: Gegen Münster stimmt nicht nur das Ergebnis nicht

Von Felix Kronawitter · 23. September 2024 um 11:22

Platz 18, 1:16 Tore: Fußball-Zweitligist SSV Jahn Regensburg hat einen klassischen Fehlstart hingelegt. Das 0:3 im Duell der Aufsteiger gegen Preußen Münster markierte am Sonntag den vorläufigen Tiefpunkt.

„Wir wissen, dass der Weg lang ist“, sagte Trainer Joe Enochs mit Blick auf die Mission Klassenerhalt. „Er wurde heute aufgrund des Ergebnisses noch länger, aber wir sind sehr zuversichtlich, dass wir den Weg finden werden, um erfolgreich zu sein.“ Diese Zuversicht teilen nicht alle, die es gutmeinen mit dem Jahn. In den sozialen Netzwerken geht es rund. Vielen war am Sonntag nicht nur das Ergebnis ein Dorn im Auge, sondern vor allem das Zustandekommen.

Das ärgerte auch Andreas Geipl maßlos. „Klar kann man verlieren, die Frage ist aber immer wie.“ Es gab Auflösungserscheinungen in der Jahn-Defensive. „Wenn ich die Gegentore sehe. Da stehen sie blank im Sechzehner. Da frage ich mich, wie das geht“, schimpfte der Kapitän.

Erstklassige Schimpfer beim Jahn

Noch schimpffreudiger war Keeper Felix Gebhardt unterwegs. Der Frust sitzt tief. Kein Wunder, nach 14 Gegentreffern in den vergangenen vier Spielen. Ob es aber förderlich ist, jede Szene von Beginn an lautstark zu kommentieren, das steht auf einem anderen Blatt. In Sachen schimpfen waren sie erstklassig unterwegs die Regensburger. Nach dem 0:2 richtete Florian Ballas deutliche Worte in Richtung Trainerbank. Der Inhalt ist nicht überliefert. Dass Bryan Hein völlig überfordert war, das dürfte aber auch Enochs auf der Trainerbank nicht entgangen sein.

Er dürfte auch registriert haben, dass sein Abwehrchef wiederum nicht unbedingt die beste Körpersprache präsentierte. Nach 75 Minuten ersetzte Leopold Wurm den Routinier, der laut Enochs zuvor angeschlagen war. Dass in der Schlussphase aber nicht alle so aufopferungsvoll kämpften wie der 18-Jährige, das war bezeichnend.

Die Regensburger haben sich einst selbst den Titel Mentalitätsmonster verpasst. Und das aus guten Gründen. Es war imposant, wie sie mit Leidenschaft so manchen Qualitätsunterschied ausglichen. Auch wenn sie zu Hause im Rückstand lagen, hatte man nie die Sorge, dass sie abgeschossen werden könnten. Das ist nun anders gelagert. „Jeder kann auch mal ein Gegentor kriegen. Aber dann erwarte ich, dass wir uns dann einfach aufbauen und dagegen stemmen und sagen, das reißen wir mal“, forderte Geipl.

Ungesunde Mischung

Eine ungenügende Chancenverwertung gepaart mit einer löchrigen Abwehr, das ist eine ungesunde Mischung. Obendrein kommt Luft nach oben in Sachen Leidenschaft.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es der Fußballgott in diesen Tagen auch nicht gut meint mit dem Jahn. Knifflige Entscheidungen fielen zuletzt nahezu allesamt gegen die Regensburger aus. Auch im Heimspiel gegen Münster, wo sich die Oberpfälzer vor allem beim 0:1 darüber echauffierten, dass der Ball zuvor im Aus gewesen sein soll.

Auch wenn es ergebnistechnisch so wirkt. Der Jahn ist nicht mausetot. 19:9 Torschüsse gegen Münster sind der Beleg dafür. Auch bei der Pokal-Überraschung gegen Bochum hatte der SSV ein ganz anderes Gesicht gezeigt. „Am Ende steht aber ein 0:3 zu Hause gegen Münster. Egal, ob das Ergebnis das Spiel spiegelt oder nicht. Wir haben drei Gegentore bekommen und verloren. Das darf uns nicht passieren“, wusste Enochs darum, dass im Fußball letztlich Ergebnisse zählen.

Eifrig diskutiert wird in diesen Tagen auch die Qualitätsfrage. Diskussionen darüber will Enochs gar nicht erst aufkommen lassen. „Wir sind immer noch sehr zuversichtlich, dass wir eine Mannschaft haben, die diese Liga halten kann.“ Gerade mit Blick auf die Linksverteidiger-Position haben aber nicht wenige Jahn-Anhänger Bauchschmerzen. Oscar Schönfelder wird länger fehlen. Die schlimmsten Befürchtungen sind eingetreten: Der 23-Jährige hat sich erneut einen Kreuzbandriss zugezogen. Auch den Meniskus hat es erwischt.

Personalprobleme beim SSV

Hat Bryan Hein das Format, ihn zu ersetzen? Diese Frage beantworten nicht wenige mit nein. Nach seiner Einwechslung gegen Münster war er völlig überfordert, die linke Regensburger Abwehrseite war offen wie ein Scheunentor. Alternativen sind rar gesät. Rechtsverteidiger Benedikt Saller, der in der Vorsaison auch hinten links gewirkt hatte, plagt sich weiter mit Adduktorenprobleme herum – und präsentierte sich zuletzt ebenfalls nicht in Topform. Mit Robin Ziegele und Alexander Bittroff (beide muskuläre Probleme) hatten gegen Münster zwei weitere Defensivkräfte gefehlt. Mit Wurm stand dann nur mehr ein 18-Jähriger für die Innenverteidigung zur Verfügung. Das passt dann auch ins Bild, dass der Klub, der in der Vergangenheit oft so gut durchgekommen war, nun auch noch Verletzungssorgen hat. „Feuertaufe überstanden, Poldi hat das ordentlich gemacht“, lobte Enochs, der hofft, dass er bald wieder mehr Alternativen zur Verfügung hat. Denn die braucht er. Mit Kaiserslautern kommt am kommenden Samstag ein Gegner ins Jahnstadion, der noch mehr Qualität mitbringt als Münster.

Enochs wird auch da auf der Trainerbank sitzen. Der US-Amerikaner genießt weiter das Vertrauen der Verantwortlichen um Sport-Geschäftsführer Achim Beierlorzer.