Der Jahn und die nackten Zahlen: Statistik offenbart Baustellen, aber auch einen Mutmacher

Von Felix Kronawitter · 16. September 2024 um 13:02

Auf das 0:4 gegen Fürth folgte ein 0:5 beim Hamburger SV für Fußball-Zweitligist SSV Jahn Regensburg. Vier Niederlagen in fünf Zweitliga-Spielen und ein Torverhältnis von 1:13 stehen zu Buche. Das liest sich nicht gut.

Der Blick in die Statistik offenbart aus Sicht der Oberpfälzer einige Baustellen. Vor allem ein Wert zeigt aber, dass der Jahn, dem im Pokal gegen Bochum eine Überraschung gelungen war, nicht so schlecht unterwegs ist, wie es scheint.

Chancenauswertung beim Jahn: Nur ein Tor aus 19 Chancen

Feststeht, dass der Jahn besser dastehen würde, wenn er seine Chancen besser verwertet hätte. Die Kollegen der Kicker-Datenredaktion helfen mit Material aus: Von 19 Chancen (nur Ulm hatte mit 18 noch weniger) fand nur eine den Weg ins Tor. Das 1:0 gegen Ulm bescherte immerhin einen Dreier und aktuell Platz 14, weil die Konkurrenz ebenfalls schwächelt.

Zu Buche steht aber eine katastrophale Chancenverwertung von 5,3 Prozent. In dieser Hinsicht sind die Regensburger Letzter. Der Vorletzte aus Darmstadt bringt es immerhin auf 12,5 Prozent (drei aus 24). Der kommende Jahn-Gegner aus Münster ist mit 15,6 Prozent 16. Der Mitaufsteiger hat sich bis dato aber imposante 32 Chancen erspielt. Erster in dieser Kategorie ist übrigens der HSV (44,4 Prozent, zwölf aus 27). Erster Verfolger ist der Club aus Nürnberg (38,8 Prozent, acht aus 21).

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Jahn mit zu wenig Tordrang

Die Aktivität in der Offensive kann die Regensburger generell nicht zufriedenstellen. Wer nicht aufs Tor schießt, der kann auch keine Treffer erzielen, wissen die Fußball-Philosophen. Nur Nürnberg (50) hat weniger Torschüsse als der Jahn (52). Köln (114) spielt in dieser Rubrik in einer eigenen Liga. Die Mitaufsteiger aus Münster (68) und Ulm (66) stehen aber auch hier besser da als die Regensburger.

Zweitliga-Spiele werden heutzutage seziert. Was aus Regensburger Sicht besonders auffällig ist, das ist die Laufleistung. Während die Oberpfälzer in früheren Zweitliga-Jahren stets zu den lauffreudigsten Teams gehörten, reihen sie sich in dieser Rubrik aktuell weit hinten ein. 557,6 Kilometer hat die Mannschaft von Trainer Joe Enochs in fünf Spielen heruntergespult. Weniger war nur Nürnberg (552,3) unterwegs. Köln (596,5) ist Spitzenreiter bei der Laufleistung. Auch bei den intensiven Läufen (3015; 16.) und Sprints (937; 17.) belegt der Jahn überraschend schwache Platzierungen. In Sachen Intensität ist da viel Luft nach oben. Allerdings haben die Regensburger an ihrer Vorliebe für Zweikämpfe (Vierter mit 514 gewonnen Duellen) nichts eingebüßt.

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Besonders sauer stoßen Trainer Enochs die späten Rückschläge auf. „Wir müssen das unbedingt in den Griff bekommen, dass wir gegen Ende des Spiels nicht so viele Gegentore bekommen wie in den letzten drei Spielen. Das darf uns nicht passieren“, hatte der US-Amerikaner nach dem 0:5 in Hamburg verärgert zu Protokoll gegeben. Auch hier spricht der Blick aufs Zahlenwerk eine deutliche Sprache. Sieben der 13 Gegentreffer (nur Braunschweig hat mit 16 mehr) sind spät gefallen. Fünf zwischen der 76. und 90. Minute, zwei sogar in der Nachspielzeit.

Um den Lohn gebracht

Als kleiner Mutmacher dient dagegen der Blick auf die „Expected Goals“. Das Modell zeigt, wie hoch die Chance auf das Tor wirklich war und berechnet für jeden Abschluss anhand mehrerer Faktoren einen Wert. Expected Goals ins Deutsche übersetzt, umschreibt die Anzahl der zu erwartenden Tore. Wer sich diesbezüglich die bisherigen fünf Partien des Jahn noch mal genauer anschaut, der sieht, dass sich die Regensburger unter Wert verkauft haben. Das 0:2 in Hannover zum Start (xGoals-Werte: Hannover 2,00 − Regensburg 0,51) ging in Ordnung. Im ersten Heimspiel gegen Ulm (xGoals-Werte der Teams: Regensburg 0,74 – Ulm 0,47) hat der Jahn aus wenig viel rausgeholt.

Beim 0:2 in Berlin ließ sich der Jahn spät um den verdienten Lohn bringen. Mit Blick auf die xGoals-Werte der Teams (Hertha 0,51 – Regensburg 1,39) wäre ein Jahn-Sieg im Berliner Olympiastadion verdient gewesen.

Viel mehr war drin für den Jahn

Beim 0:4 gegen Fürth wäre ebenfalls viel mehr drin gewesen. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) veröffentlichte hinterher interessante xGoals-Werte der Teams: Regensburg 1,98 – Fürth 2,23.

Eine klare Angelegenheit war es dagegen letztlich am Sonntag in Hamburg. Aber auch diese Niederlage fiel zu hoch aus. Der Jahn lud den HSV in der Schlussphase zum Toreschießen ein. Die xGoals-Werte der Teams: Hamburg 2,60 – Regensburg 0,30.

Mit den Partien gegen Münster und Kaiserslautern steht der Jahn nun vor einem wichtigen Heimspiel-Doppelpack. Das weiß auch Oscar Schönfelder „Münster, das ist unsere Kragenweite. Da müssen wir alles reinwerfen, da zählt es. Da müssen wir endlich mal wieder ein Tor schießen“, fordert der Linksverteidiger, der von einem Sechs-Punkte-Spiel spricht.