Ende einer Bäcker-Ära: Edeka Dirnberger schließt seine Backstube in Wenzenbach

Von Martina Groh-Schad · 22. September 2024 um 05:00

„Es rechnet sich nicht mehr“: Seit 1918 gab es die Backstube Dirnberger in Wenzenbach (Landkreis Regensburg). Wirtschaftliche Gründe sind laut Geschäftsführer Raphael Dirnberger dafür ausschlaggebend. Für alle Mitarbeiter sei eine Übergangslösung gefunden worden.

Brote aus Natursauerteig, Zutaten aus der Region, Backwaren, die per Hand in kleiner Stückzahl gefertigt werden, das alles zeichnet die hauseigene Backstube von Edeka Dirnberger in Wenzenbach aus. 1918 gründete Max Dirnberger, Großvater des heutigen Geschäftsführers Raphael Dirnberger, die Backstube an Ort und Stelle, damals mit einem Verkauf aus dem angrenzenden Wohnraum der Familie. „Es tut mir im Herzen weh, dass ich jetzt schließen muss“, sagt Dirnberger. „Aber wir müssten eine riesige Summe investieren und das rechnet sich nicht mehr.“

Die Backstube mit vier Bäckern und einer Konditorin belieferte seine Edeka-Filialen in Wenzenbach und Bernhardswald. Für alle Mitarbeiter sei eine Übergangslösung gefunden worden. Ursprünglich wollte Dirnberger mit seiner Filiale und der Backstube in das seit Jahren geplante Nahversorgungszentrum an der Westumgehung ziehen. Dort sollen auch ein Discounter und eine Drogeriekette einziehen.

„Nur ein Familienbetrieb“

Dirnberger wollte dafür seine Filiale in der Ortsmitte aufgeben. Doch das stieß auf Widerstand im Gemeinderat, weil ein Ausbluten des Ortskerns befürchtet wurde. „Uns wurden immer wieder neue Auflagen gemacht“, erklärt Dirnberger. So hätte man ihn beispielsweise verpflichten wollen, zwei Märkte zu betreiben. „Kein Mensch fordert sowas von Aldi“, sagt er. „Es wird vergessen, dass wir nur ein Familienbetrieb sind.“ Zwei Filialen in Wenzenbach könne er nicht betreiben. „Uns ist nun die Zeit weggelaufen“, erklärt Dirnberger. Am Aus der Backstube führe kein Weg mehr vorbei.

Dem Unternehmen hätten die gestiegenen Energiekosten im Zuge des Ukraine-Kriegs zugesetzt. „Wir hatten zuvor noch in Gasöfen in der Backstube investiert“, sagt er. Inzwischen habe sich die Situation in vielen Bereichen zugespitzt, so dass er die Backstube nicht mehr länger wirtschaftlich betreiben könne. Er bräuchte dringend größere Kühlräume, um seine Produktion zeitgemäß umzustellen. „Dann könnte man ohne Qualitätsverlust vorproduzieren“, sagt er.

Die Alternative wäre gewesen, mehr Personal zu beschäftigen – und das sei nicht möglich. Einschnitte bei der Qualität seien für das Unternehmen kein Thema gewesen. Zudem hätte er veraltete Maschinen erneuern müssen und baulich Veränderungen vornehmen müssen, weil heute beispielsweise eine Hygiene-Schleuse nötig ist, die seine Backstube nicht hat. „Wir hätten mindestens sechs Millionen Euro investieren müssen“, fasst er zusammen. „Bei der aktuellen Marktlage und der Kaufzurückhaltung war dies leider keine Option.“

Letztes Brot am 14. Oktober

Bei den Kunden stoße der Schritt auf Verständnis. „Alle merken, dass das Geld knapper wird“, sagt er. Viele könnten oder wollten es sich nicht mehr leisten, Handwerksbäckereien zu finanzieren. „Wir mussten bereits die Preise stark erhöhen“, erklärt Dirnberger. Der preisliche Unterschied zur Discounter-Ware sei inzwischen bei vielen Produkten enorm. „Daher weichen viele auf den Discounter aus und kaufen dort ein.“

Bereits zum 14. Oktober soll in der Backstube das letzte Brot gebacken werden. Ein Lichtblick für die Kunden sei, dass Edeka Dirnberger in Wenzenbach, Bernhardswald und zudem künftig auch in Lappersdorf von der Bäckerei Steinleitner beliefert werden soll, die ebenfalls für hochwertige Handwerksware durch ihre Filiale in der Regensburger Altstadt bekannt sei. „Sie nehmen künftig auch Produkte aus unserem Sortiment auf“, sagt Dirnberger. Mit dabei auch das beliebte Dirnberger Nussbrot, das auch sein Lieblingsbrot ist.

Die Backstube Dirnberger

Geschichte: 1918 gründete der Großvater von Raphael Dirnberger eine Backstube mit Verkauf im angrenzenden Wohngebäude. Hier wurde später der erste kleine Lebensmittelladen eröffnet, der zur Edeka-Filiale in der Ortsmitte führte. 2016 übernahm Raphael Dirnberger und vergrößerte das Filialnetz um Bernhardswald, Regensburg, Obertraubling und Lappersdorf. Die Backstube belieferte die Standorte Wenzenbach und Bernhardswald.

Ausblick: Mit der Handwerksbäckerei Steinleitner wurde ein Partnerbetrieb gefunden, der laut der Familie Dirnberger ähnlich hohe qualitative Ansprüche an Backwaren hat wie sie selbst. Künftig sollen nicht nur Wenzenbach und Bernhardswald, sondern auch die Filiale in Lappersdorf beliefert werden

Das Nussbrot von Edeka Dirnberger ist bei den Kunden beliebt. Es soll auch beim Nachfolger, der Bäckerei Steinleitner, angeboten werden.