Aus für die 50-Liter-Tonne im Landkreis Regensburg ist beschlossene Sache

Technische Innovationen fordern bisweilen Opfer. So auch im Landkreis, wenn ein Ident-System für Papier- und Restmülltonnen via Chip eingeführt wird. Die kleinen, schwarzen Tonnen mit 50 Litern Fassungsvermögen verfügen über keine Befestigungsstellen für Chips, sogenannte Chipnester. Entsprechend wandern die 50-Liter-Behälter, wenn von Aufkleberwirtschaft auf digitale Identifikation umgestellt wird, selbst in die Tonne.
Aktuell werden kleine Aufkleber versendet, wenn Landkreisbürger ihre Mülltonne anmelden. Kein Aufkleber auf der Tonne, keine Entleerung. Tanja Schweiger berichtete in der Umweltausschusssitzung des Kreistags am Dienstag: „Man geht von einer hohen Dunkelziffer aus.“ Vermehrt und mittlerweile in signifikantem Ausmaß würden sich Landkreisbewohner melden, die ihre Aufkleber angeblich nicht erhalten oder verloren haben. „Die Abfallwirtschaft muss sich selbst finanzieren“, stellte Schweiger klar. Die Einführung eines Ident-Systems sei zwar nicht günstig, die Vorteile überwiegen Schweigers Ansicht nach aber.
Mülltonnen-Chips kosten 468000 Euro
Durch die digitale Erfassung der Müllbehälter könne die Entleerung nicht angemeldeter oder doppelt bereitgestellter Tonnen verhindert werden, nicht ordnungsgemäße Befüllung könne besser nachvollzogen werden, Tonnen mit falscher Größe würden schneller identifiziert, man habe Einsicht in den aktuellen Behälterbestand und das aufwendige Versenden der Gebührenmarken falle weg.
Das technische Update hat seinen Preis: Auf 468 000 Euro beziffert das Landratsamt die Gesamtkosten für die Anbringung der Chips. Es müssen rund 139 300 Abfallbehälter bestückt werden. Im Landkreis stehen 74 800 Restmüll- und 64 500 Altpapiertonnen. Für die Verwaltung wird mit weiteren Investitionskosten in Höhe von 19 000 Euro gerechnet, die Entsorger müssen rund 200 000 Euro in ihre Fahrzeugflotte investieren. Daher sei mit einer Steigerung der laufenden Entsorgungsgebühren zu rechnen.
Landkreisbewohner müssen größere Tonne anschaffen
Das Landratsamt geht nach Erfahrungen von Ident-System-Anbietern von einem bis vier Prozent mehr erfasster Mülltonnen aus. Bei durchschnittlichen Jahresgebühren von 177 Euro pro Tonne und einprozentiger Steigerung stünde pro Jahr ein Plus von 132 750 Euro.
Einen hohen Preis haben zahlreiche Landkreisbewohner zu zahlen. Sie müssen sich von ihrer Tonne trennen, wie Grünen-Kreisrat Erich Kufner betonte: „Das größte Problem sehe ich bei der Umstellung der 50- auf die 60-Liter-Tonne.“ Ein jeder Müllgroßbehälter, also Tonnen ab 60 Litern Volumen, besitzt im Behälterkamm ein Chipnest. Beim Einhängen in das Fahrzeug der Müllabfuhr wird der Chip ausgelesen. Tonnenbesitzer und Zeitpunkt der Entleerung sind nachvollziehbar.
Kein Platz für den Chip
Da 50-Liter-Tonnen über kein Chipnest verfügen, müssen sie ersetzt werden. „Ich weiß nicht, ob das kriegsentscheidend ist“, sagte Schweiger. Doch die kleinste Größe an Restmülltonnen ist beliebt im Landkreis, knapp ein Drittel der Behälter, etwa 21 000, fassen 50 Liter. Daher ist auch Schweiger klar: „Das Argument wird kommen: Ich brauche nur eine 50-Liter-Tonne und ihr zwingt mich dazu, eine größere zu nehmen.“
Müllsparer dürfen nicht belastet werden
Allerdings sei die kleine Rundtonne auch unter Gesichtspunkten des Arbeitsschutzes kritisch zu bewerten, ist sie doch die einzige Tonne ohne Räder und ohne die Möglichkeit, sie beim Entleeren in den Müllwagen einzuhängen. Die Jahresgebühr für eine 60-Liter-Tonne liegt bei 124,80 Euro, gut 20 Euro mehr als die 50-Liter-Variante. Bei einer Sammelbestellung über das Landratsamt liege der Anschaffungspreis bei rund 39 Euro. Die Mehrkosten bei der zwangsweisen Tonnenvergrößerung sieht Claudia Wiest (ÖDP) kritisch: „Ein Drittel der Bevölkerung hat den Schwerpunkt darauf gelegt, Müll zu reduzieren, und ist stolz darauf, mit 50 Litern auszukommen.“ Diese Landkreisbürger dürften nun nicht stärker belastet werden.
Ident-System ab 2027
Veronika Feldmeier-Ernst, stellvertretende Sachgebietsleiterin Abfallwirtschaft, argumentiert, dass der Landkreis Regensburg überhaupt der einzige sei, der noch 50-Liter-Tonnen im Umlauf habe. Außerdem könne bei der Abfallwirtschaft ein Antrag auf Nachbarschaftstonnen gestellt werden. Ulrich Brey (CSU) sagte, es sei zwar lobenswert, wenn man Müll spare, aber die digitale Tonne sei doch ein tolles Angebot.
Einstimmig beschloss der Umweltausschuss die Einführung eines Ident-Systems. Im Lauf des kommenden Jahres sollen die 50-Liter-Tonnen nach und nach ersetzt werden. „Wir werden die Bürger frühzeitig informieren, es wird Aktionen geben“, kündigt Feldmeier-Ernst an. Aufgrund bestehender Entsorgungsverträge sei eine komplette Umstellung von Restmüll- und Altpapiertonnen auf das Ident-System frühestens zum 1. Januar 2027 möglich. Bei diesem Zeithorizont sagte Schweiger: „Da können wir die Gelbe Tonne ja auch gleich mitmachen.“