Streit zwischen Sengenthal und Mühlhausen über Einkaufsmärkte geht in nächste Runde

Der Gemeinderat Mühlhausen (Landkreis Neumarkt) hat jüngst die Pläne für neue Einkaufsmärkte vorangetrieben. Das erregt beim Nachbar Sengenthal Unmut, dem sich der Bürgermeister in einem offenen Schreiben Luft macht.
Dessen Argumente kann wiederum Mühlhausens Rathauschef nicht nachvollziehen. Und was machen die anderen Nachbargemeinden? Freystadt hätte laut Gutachten in Summe die größten Umsatzeinbußen durch neue Einkaufsmärkte in Mühlhausen zu verkraften.
Gegen ein Einkaufszentrum mit mehreren Geschäften hat sich die Regierung der Oberpfalz ausgesprochen. Um eine von der Regierung abgelehnte sogenannte „Agglomeration“ zu umgehen, haben die Mühlhausener Planer ihre Pläne geändert. Die Lebensmittel-, Getränke- und Drogeriemärkte sollen nun auf zwei räumlich voneinander getrennten Flächen und ohne gemeinsamen Parkplatz entstehen. Der Gemeinderat stimmte dem zu.
Daran änderte auch die achtseitige Stellungnahme der Nachbargemeinde Sengenthal nichts. Bürgermeister Werner Brandenburger veröffentlichte die Argumente in verkürzter Version am Donnerstag.
Sengenthaler Geschäfte existenziell bedroht?
Es sind mehrere Argumente, die Sengenthal anführt. Unter anderem wirft es dem Vorhaben vor, gegen baurechtliche und landesplanerische Vorgaben zu verstoßen. Jenseits solcher sehr fachlichen und rechtlichen Argumente geht es im Kern um die Sorge, dass die Geschäfte in der Schlierferheide von „massiv existenzgefährdenden Auswirkungen“ bedroht sein könnten.
Zwei Gutachten, je eines von den Machern des Mühlhausener Projekts und eines von den Gegnern beauftragt, kommen zu dem Ergebnis: rund 15 Prozent an Umsatz (rund 700.000 Euro) würden die Sengenthaler Geschäfte verlieren, kämen die Einkaufsmärkte in Mühlhausen. Zehn Prozent gelten als eine Schwelle, ab der schädliche Auswirkungen zu erwarten sind. Das Ergebnis interpretieren die Gutachten aber unterschiedlich – und darauf stützen sich Brandenburger und Hundsdorfer jeweils.
Während Sengenthals Bürgermeister die Geschäfte bedroht sieht, verweist Hundsdorfer auf die anderslautende Aussage des Gutachtens, auf das sich die Gemeinde und der Investor stützen. Demnach seien die Geschäfte in der Schlierferheide trotz des Umsatzabflusses nicht gefährdet, weil sie modern seien und sehr günstig an der B299 lägen.
Brandenburger: Umgehung sorgt für Kaufkraftverlust in Mühlhausen
Sprich, aus Mühlhausener Sicht ist für alle genügend da. Die Gemeinde wolle sich nur etwas von der in die Nachbargemeinden abgeflossenen Kaufkraft zurückholen. Dass diese abgeflossen ist, dafür seien aber nicht die Geschäfte in Sengenthal verantwortlich zu machen, argumentiert Brandenburger. Vielmehr sei anzunehmen, dass die von Mühlhausen betriebene Ortsumgehung die Ursache sei. Die neue Verkehrsführung halte potenzielle Kaufkraft aus dem Ort.
Hundsdorfer sieht das anders. Die Geschäfte im Ort hätten seines Wissens nach trotz der notwendigen Umgehung keine größeren Einbußen erlitten. Nach wie vor rollten rund 4500 Fahrzeuge am Tag durch Mühlhausen. Der Kaufkraftabfluss erklärt sich laut Gutachten, auf das Hundsdorfer verweist, durch Defizite beim Angebot. Insbesondere im Bereich der Drogerieartikel sei das Angebot andernorts besser, weshalb die Mühlhausener bislang woanders einkauften.
Wie gehen Freystadt, Deining und Berching mit den Plänen um?
Zum Beispiel in Freystadt. Mit 2,6 Millionen Euro, die das Nahversorgungszentrum im Süden der Stadt an Umsatz verlöre, wäre Freystadt am stärksten von dem Mühlhausener Vorhaben betroffen. Bedenken hat die Stadt dennoch nicht geäußert, wie Bürgermeister Alexander Dorr sagt. Das bedeute zum jetzigen Zeitpunkt aber weder eine Zustimmung noch eine Ablehnung. Man werde sich im Rathaus die Pläne ansehen und entscheiden, ob man im weiteren Verlauf des Verfahrens eine Stellungnahme abgeben werde.
Bei Dorr ist aber eine eher wohlwollende Haltung herauszuhören, die sich so zusammenfassen lässt: Freystadt wird das Mühlhausener Projekt wohl aushalten müssen und wohl auch können. Die 2,6 Millionen Euro sind „nur“ 8,7 Prozent des Gesamtumsatzes im Nahversorgungszentrum im Freystädter Süden.
Übrigens: Auch Deining und Berching hatten bei der Beteiligung für diesen Vorentwurf keine Einwände erhoben. Abgeschlossen ist der Streit um das Projekt aber wohl noch lange nicht. Brandenburger kündigte an: „Von unserem Recht der Beteiligung werden wir auch in Zukunft Gebrauch machen“.