„Koordinaten“ für schwierige Jugendliche: Erziehungshilfe des BBW hilft auch durch schwierige Gewässer

Wichtiger Meilenstein: Seit 25 Jahren flankiert die Erziehungshilfe im BBW Abensberg den Weg in die Ausbildung und bietet so manchem Jugendlichen eine Heimat. Das wurde jetzt gefeiert.
Erziehungshilfe ist nicht nur für Eltern mit jungen Kindern relevant. Ohne sie ginge in der beruflichen Rehabilitation im BBW St. Franziskus nichts. Darin waren sich am Mittwoch alle einig. Seit einem Vierteljahrhundert begleitet die Erziehungshilfe dort die berufliche Integration, ermöglicht sie in vielen Fällen erst. Das wurde nun am Mittwoch gebührend gefeiert.
Vielfältiges Angebot
„Allen, die in den vergangenen 25 Jahren an der Entwicklung der Erziehungshilfe im BBW beteiligt waren, kann man nur gratulieren und Respekt zollen. Es ist ein substanziell wichtiges Angebot, das damals geschaffen und seitdem fortlaufend weiterentwickelt wurde“, meinte der neue Gesamtleiter Frank Baumgartner in seiner Eröffnungsrede. Nach 25 Jahren sei aus einer Wohngruppe ein differenziertes und vielfältiges Angebot mit über 100 Betreuungsplätzen geworden.
Großes Lob gab es auch von den geladenen Gästen: Franz Aunkofer, dritter Stellvertreter des Landrats, sprach von einer Erfolgsgeschichte: „Junge Menschen werden gezielt gefördert und ganzheitlich betreut und bekommen dadurch eine ehrliche Chance, im Berufsleben Fuß zu fassen.“ Auch Abensbergs Bürgermeister Bernhard Resch lobte das BBW und die Einrichtungen der KJF als prägend und wertvoll für die gesamte Region, die von deren gelebter Menschlichkeit, ihrem Sinn für Kunst und Kultur bereichert werde.
1500 Jugendliche wurden in den vergangenen 25 Jahren von der Erziehungshilfe in ihrem Weg in ein selbstbestimmtes Leben begleitet. Nicht wenige davon tragen einen schweren ,Rucksack‘, wenn sie das erste Mal ins BBW kommen. Wie wichtig es ist, diesen Jugendlichen eine Heimat zu geben, betonte Professor Roland Stein bei seinem Vortrag. Erziehungshilfe werde in der beruflichen Integration dringend gebraucht. Die Erziehungshilfe soll den jungen Menschen nicht nur berufliche Fähigkeiten vermitteln, sondern auch ihre persönliche Entwicklung fördern. Aber auch die Fachkräfte müssten sich in der Einrichtung wohlfühlen und gut auf sich selbst achten.
Auch das könnte Sie interessieren: Frank Baumgartner ist zurück im BBW Abensberg
Dass die Arbeit in den vergangenen 25 Jahren für das Pädagogenteam nicht immer ganz einfach war, oft eine Wundertüte ist, zeigte ein Podiumsgespräch mit langjährigen Mitarbeitern. Die erinnerten sich an Jugendliche, die ein Camp im Regen und Matsch mit Bravour meisterten, die, aus Wut über ein strenges Alkoholverbot, brennende Socken in ein Büro warfen oder den Kühlschrank leerten, um die Familie daheim zu unterstützen. Sie erzählten von Jugendlichen, die das Team herausforderten, aber bei denen sich gezeigt habe, dass es sich gelohnt hatte, durchzuhalten. „Die Verbindung zwischen Qualifizierung und Wohnen ist zwingend notwendig“, ist beispielsweise Axel Weigert, der ehemalige Leiter der Erziehungshilfe überzeugt. „Schon bei der Führung bringen die jungen Leute immer einen ,Rucksack‘ mit, der ist unterschiedlich schwer. Sie eng zu begleiten und ein Stück Heimat zu bieten, die Persönlichkeitsentwicklung ist gleichzeitig auch spürbar in der Ausbildung“, ist Lisa Stecher überzeugt. Sie arbeitet seit 30 Jahren im BBW und kennt viele Anteilungen.
Politik soll würdigen
Für die Zukunft äußerten die Mitarbeiter den Wunsch, stets Fachkräfte zu finden, die mit Herzblut dabei sind und Lust auf diese Arbeit haben. Und auch, dass Politik und Gesellschaft weiter dahinter stehen, weil die hoch qualifizierten Angebote Geld kosteten.
Felix Merl, Erzieher im BBW, riss die Gäste am Schluss noch mit seinem Song „Koordinaten“ mit, ein Lied, das die Arbeit mit den Jugendlichen thematisiert und aufgreift, was diese Arbeit für die bedeutet.
Die Abteilung Erziehungshilfe bietet 112 Plätze. Neben stationären heilpädagogischen Wohngruppen haben sich viele weitere Bereiche etabliert, die bedarfsgerechte Unterstützung bieten.
„Der junge Mensch muss in der Lage sein, sich weiter zu entwickeln“
Stefani Steudten ist seit 2017 im BBW und seit 2021 Abteilungsleiterin Erziehungshilfe.
Frau Steudten, wann setzt die Erziehungshilfe im BBW ein?
Steudten: Wir im BBW kommen ja in der Erziehungshilfe erst zum Schluss, wenn schon vieles passiert ist und nichts mehr greift. Sehr oft liegen die Problematiken aber in den schwierigen Familienverhältnissen, in der Kindheit.
Wie können Sie bei denen dann am Besten ansetzen?
Steudten: Indem wir die jungen Menschen erst einmal intensiv kennelernen, vielleicht auch mit den Eltern. Das ist schon mal der erste Schritt. Wir schauen uns an, was bringt Der- oder Diejenige mit, wo passt der Jugendliche rein. Wir haben ja verschiedene Schwerpunkte.
Und wo liegt die Grenze, was kann die Erziehungshilfe nicht leisten?
Steudten: Wenn eine akute Selbst- und Fremdgefährdung vorliegt, ziehen wir eine Grenze. Wir machen keine Therapie. Was auch wichtig ist, ist, dass der junge Mensch in der Lage ist, sich weiter zu entwickeln. Jugendliche mit geistiger Behinderung betreuen wir in der Erziehungshilfe also nicht.
Wie lange begleiten Sie die Jugendlichen?
Steudten: In der Regel begleiten wir sie, bis sie einen Ausbildungsplatz haben, in den seltensten Fällen bis zum Ende der Ausbildung. Aber wir betreuen die Jugendlichen auch zum Übergang zurück nach zu Hause.
Wie viele Jugendliche wurden in 25 Jahren von der Erziehungshilfe betreut?
Steudten: Insgesamt waren es 1500 Jugendliche, die wir in den vergangenen 25 Jahren auf den Weg in eine Ausbildung mit der Erziehungshilfe begleitet haben.
