Cornelia Stark wartet seit ihrem Umzug nach Cham vor drei Jahren auf 50 Nachbarn
Cornelia Stark wartet auf 50 neue Nachbarn. Die ehemalige Berlinerin versucht seit ihrem Herzug aus der Bundeshauptstadt nach Cham, über eine App nette Leute aus der Region kennenzulernen. Doch die Macher dieser App setzen eine Mindestteilnehmerzahl für die Freischaltung der Angebote im Umkreis der Anwender voraus.
Stark weiß, dass es 49 Nachbarn zwischen Haid bei Pitzling und Katzberg gibt, die ebenfalls Kontakt suchen. Aber die mit ihr zusammen 50 App-Anwender können sich nicht finden, ehe nicht 100 Personen in ihrem Umfeld mitmachen wollen. Die Krux: Die Nachbarschaftshilfe-App ist auf Ballungszentren wie Berlin ausgerichtet. Dort hatte das Prinzip laut Stark super funktioniert. „In Berlin klappte das Leben mit der App richtig gut.“
Hilfe in Berlin
Weil die pensionierte Justizangestellte krankheitsbedingt nur schlecht ihre Wohnung im zweiten Stock verlassen konnte, war sie auch in ihrem letzten Wohnort schon auf Hilfe angewiesen. „Im zweiten Stock ohne Fahrstuhl keine ebenerdige Dusche, das war auf die Dauer nicht mehr möglich“, sagt Stark. Ein Bekannter, den sie über die App kennengelernt hatte, brachte ihr zweimal die Woche Einkäufe und erledigte für sie Besorgungen. „Die Treppe konnte ich nicht bewältigen.“
Stark leidet an chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) und Asthma, und auch ihr Gewicht hat über die Jahre dem Körper zu viel abverlangt, räumt sie ein. Am Ende war sie nicht einmal mehr in der Lage, Fahrrad zu fahren. Der Verlust von Mobilität sorgte dafür, dass die 65-Jährige noch mehr vereinsamte – ein Teufelskreis. Vor drei Jahren wagte sie deshalb einen Neuanfang in Cham. Ihre Mutter und ihre Bruder leben bereits seit langem in der Region, da fiel die Frage, wohin sie ihren Lebensmittelpunkt verlagern sollte, leicht. In Cham fand Stark auch eine Wohnung in einer betreuten Anlage, eine Haushaltshilfe unterstützt sie ein paar Stunden in der Woche. Auch einige Nachbarn im Haus hat Stark bereits kennengelernt, aber die kontaktfreudige Seniorin würde sich eben noch mehr Bekanntschaften in ihrer neuen Heimat wünschen.
Weniger Lieferdienste als in Berlin
Starks Bruder kümmert sich um die pflegebedürftige Mutter und hat wenig Zeit, auch noch für die Schwester zu sorgen.
„Leider gibt es kaum Möglichkeiten für Lieferdienste hier, und die Busse sind auch noch nicht alle barrierefrei, beziehungsweise es ist alles umständlicher als in Berlin“, schildert Stark, wieso ihr Lebensraum sehr beschränkt ist. „Ein paar nette Menschen aus der näheren Umgebung im privaten Umfeld zu treffen, oder auch einfach einmal nur zu telefonieren, wäre schön“, sagt sie. „Mir fehlt auch jemand, mit dem ich mich auf intellektueller Ebene unterhalten kann“, beschreibt sie ihre Wünsche.
Das lange Warten geht weiter
Wenn sie eine geeignete barrierefreie Wohnung fände, die vielleicht näher an Einkaufsgelegenheiten liegen würde, wäre sie sogar zu einem weiteren Umzug bereit, sagt Stark. Derweil hofft sie darauf, dass sich vielleicht doch noch weitere Menschen in der App anmelden. In den letzten zwei Monaten haben sich zwei weitere Teilnehmer gefunden. „Mühsam nährt sich das Eichhörnchen“, nimmt es Stark mit Humor. und wartet weiter auf 50 Nachbarn.
Die App nebenan.de
Die Idee: Nebenan.de setzt auf die Gemeinschaft von vielen. Wer sich in der App anmeldet, kann über die Anwendung Leute aus dem direkten Umfeld kennenlernen, und über eine Auswahlmöglichkeit Hilfe in fast allen Lebensbereichen erfragen.
Kontakt: Wer mit Cornelia Stark in Kontakt treten möchte, kann sich unter tanja.fenzl@mittelbayerische.de bei uns melden; wir leiten den Kontakt dann weiter.