Kot und tote Tiere: Taubenplage im Chamer Kirchturm macht Pfarrer Sorgen

Von Claudia Peinelt · 19. September 2024 um 05:00

Mit einem Wort zusammengefasst: „ekelig“. Die Holztreppen zum Türmerstübchen im Kirchturm von St. Jakob in Cham sind mit Taubenkot übersät.

Ab der Höhe der Kirchenglocken mag man sich gar nicht mehr am Geländer festhalten, da die Tauben auch dort mit ihren Hinterlassenschaften ihre Anwesenheit gekennzeichnet haben. Sogar auf den Glocken selbst klebt Taubenkot. Aber nicht nur das. Etwas weiter oben liegen auf den Treppen zwei tote Tauben, eine davon ohne Kopf.

Mit einem großen Schritt nehmen wir die nächste Stufe und sehen immer wieder tote Vögel – zwischen den Glocken, im Türmerzimmer, vor der Türe, die zum Balkon des Turmes führt, in einer Ecke, und gleich nach der Türe ist ein Nest, in dem sogar schon eine Babytaube ist.

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Als der Stadtpfarrer vor einigen Wochen auf den Kirchturm stieg, wollte er nicht glauben, was er dort zu sehen bekam. Doch wo kamen die vielen Tauben her?, fragte er sich. Bartsch entdeckte ein zerbrochenes kleines Turmfenster, wo die Tiere eine Einflugschleuse fanden. Die meisten gelangten dort auch wieder hinaus. Doch einige fanden den Ausgang nicht mehr und verendeten.

Der Geistliche beauftragte sofort einen Glaser, der das kaputte Fenster ersetzen sollte. Bis dies geschah, wurde das Loch mit Brettern zugemacht. Jetzt, dachte sich Bartsch, habe er der Taubenplage ein Ende gesetzt. Doch dem war nicht so.

Nach langer Suche, wer ihm bei der Beseitigung des Drecks und der verendeten Tauben helfen könnte, bot sich Markus Schmidberger vom LBV an. Dieser wollte, wie er wissen ließ, eh schon seit längerem nach dem Turmfalken- und dem Schleiereulenkasten schauen, die vor vielen Jahren auf dem Kirchturm platziert worden waren.

Überall tote Vögel

Schon am Telefon hatte er erklärt, dass der Kot von Stadttauben nicht giftig bzw. ätzend sei. „Ich komme mit einem Abfallsack und sammle die verendeten Tiere ein“, versprach er. Gesagt, getan. Mit dem Motorrad kam der LBV-Mann vorgefahren, und mit Pfarrer Bartsch ging es die vielen Treppen im Kirchturm hinauf. Und da war sogar der erfahrene Tierschützer kurz mal sprachlos. Tote Tiere und Taubenkot zwischen und auf den Kirchenglocken – es war ein ekeliger Anblick.

Schmidberger holte seine Handschuhe und den Abfallsack aus der Hosentasche, und los ging es. Gänsehaut und ein leichtes Würgegefühl kamen bei den Begleitern auf. Fast ganz oben angekommen, flogen zwei Tauben wild durch die Gegend. Pater Bartsch traute seinen Augen nicht: Wo kamen diese jetzt her?

Nach einigem Suchen entdeckte Schmidberger ein kleines Loch bei den Schalllammellen. Diese dienen zur Verbesserung der Klangabstrahlung. Die Lamellen waren leicht beschädigt und wurden sofort von den Tauben benutzt, um ins Innere zu gelangen – und durch diese kleine Lücke fanden die Tauben nicht mehr hinaus. Den beiden Tauben, die sich in den Turm verirrt hatten, rettete Schmidberger sozusagen das Leben, indem er die Türe zum Balkon des Kirchturms öffnete. Mit lautem Flattern flogen diese über die Stadt hinweg.

Schmidberger erklärte dem Pfarrer, dass verwilderte Haustauben meist ehemalige Brieftauben seien, die nicht mehr heimgeflogen sind. „Es sind keine Wildtiere, aber sie leben halt wild.“ Tauben seien Felsenbrüter. Türme und große Hausfronten seien für sie perfekte Brutplätze. Und während der LBVler dies erläuterte, sammelte er immer wieder die Überreste von Vögeln ein.

Pater Bartsch konnte nicht fassen, wie viel Dreck die Tauben im Kirchturm hinterlassen haben. Wie Schmidberger bemerkte, sei gerade das Türmerzimmer ein Vorzeigezimmer. „Ich könnte mir vorstellen, dass man hier herauf auch Stadtführungen anbieten könnte“, meinte er. „Ja, könnte man“, dachte der Geistliche laut nach. Doch vorher sollte man erst mal mit Besen, Staubsauger und gutem Willen zur Arbeit die vielen Treppen zum Kirchturm besteigen. Für diese Arbeit finden sich bestimmt Helfer aus der Pfarrei – oder auch nicht, so Bartsch.

Bei dieser Gelegenheit schaute Schmidberger nach dem erwähnten Brutkästen in schwindelerregender Höhe. Die Rostgans dürfte wohl unter anderem hier mal gebrütet haben“, sagte der LBVler. „Eine Gans?“, fragten wir. Rostgänse zeigten eine sehr hohe Anpassungsfähigkeit und brüteten in Bruthöhlen und Gebäudenischen, so Schmidberger. Das Spektrum reiche von Flüssen und Regenrückhaltebecken bis zu Feuerlöschteichen und eben auch zu Kirchtürmen, informierte der Fachmann.

Er kontrollierte auch den Schleiereulenkasten. „An beiden Kästen muss man nichts machen. Der Turmfalke könnte ohne Weiteres rein, wenn er wollte. Man könnte z. B. an den Kästen eine Kamera installieren, die vielleicht im Tourismusbüro auf einem Monitor aufzeigen könnte, wie das Nistverhalten am Kirchturm ist“, so Schmidbergers Überlegung.

Pater Bartsch überlegte derweil weiter, wie er den Dreck von da oben wegbringen könnte. Dies ist jedoch nicht seine einzige Sorge im Kirchturm. Wie er erzählte, sei der Stundenschlegel der Glocke defekt. „Diesen neu zu besorgen, ist eine ganz besondere Aufgabe und erfordert sehr viel Geduld“, sagte er. Aber ein Problem hat der Stadtpfarrer erst einmal mit Hilfe von Schmidberger gelöst. Die verendeten Tiere sind beseitigt, und es ist geklärt, dass der Taubenkot nicht ätzend bzw. giftig ist. Das Loch in den Schalllamellen wird repariert werden.

Schmidberger hatte noch eine große Bitte an den Pfarrer. „Der Turm ist für die Fledermäuse komplett dicht. Es wäre schön, wenn diese reinfliegen und dort brüten könnten.

Idealer Ort für Fledermäuse

Fledermäuse seien fleißige Kirchgänger und wohnten gerne in Gotteshäusern. Nach chinesischem Volksglauben brächten sie Glück ins Haus, und das könne man ja immer gut gebrauchen. Er werde sich das durch den Kopf gehen lassen, schmunzelte der Pfarrer.

Wieder unten am Kirchplatz, übergab Schmidberger den Sack mit den verendeten Vögeln an den Pater. Gleich 16 Tauben – eigentlich das christliche Symbol für den Heiligen Geist – waren im grauen Behältnis, das Pfarrer Bartsch entsorgen darf. Mit Dank und dem Versprechen, dass Schmidberger demnächst nach den Turmfalken auf der Franziskanerkirche schauen darf, verabschiedete sich der Stadtpfarrer von ihm.

Eigentlich ist dem Pfarrer nicht zum Lachen zumute, doch es wird sich auch für die verunreinigte Glocke eine Lösung finden.
Trotz Drecks, kaputter Fenster und defektem Glockenschlegel genossen Schmidberger und Bartsch die Aussicht vom Kirchturm.