Klinik-Ärzte streiken auch in Neumarkt: Nach außen hin war davon jedoch wenig zu sehen

Normalerweise sind Streiks laut. Belegschaften stehen mit Warnwesten, Trillerpfeifen und Plakaten vor der Haustür ihres Arbeitgebers und machen ihrem Ärger lautstark Luft. Wenn Ärzte streiken, ist das nicht so. Zumindest nicht in Neumarkt. Denn an diesem regnerischen Morgen scheint am Klinikum alles normal: keine Trillerpfeifen, keine Plakate. Dennoch läuft der Alltag im Klinikum nicht ab wie sonst.
Schon am Freitag hatte das Klinikum Neumarkt in einer Pressemitteilung darauf hingewiesen, dass die Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB) die Ärzte kommunal geführter Krankenhäuser für Montag zum ganztägigen Arbeitskampf aufgerufen hat – und dass auch Ärzte aus Neumarkt sich an dem Streik beteiligen werden. Eine zentrale Kundgebung fand auf dem Römerberg in Frankfurt am Main statt.
„Streikbedingt sind keine messbaren Wartzeiten für neue Operationen entstanden.“ Oliver Schwindl, Sprecher Klinikum Neumarkt
Wie viele Neumarkter Ärzte sich an dem Streik beteiligt hatten, ließ sich gestern laut Klinikumssprecher Oliver Schwindl nicht beziffern. Der Grund für eine Abwesenheit werde erst im Nachgang im digitalen System des Klinikums erfasst. Jedoch erklärte Schwindl, dass aufgrund entsprechender Vorbereitung alle erforderlichen Operationen durchgeführt werden konnten und streikbedingt „keine messbaren Wartezeiten für neue Operationen entstanden“ seien.
Vereinfachtes System beim Schichtsystem
Die Tarifverhandlungen der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) mit dem MB hatten bereits im Juni begonnen. Bisher hat es zwei ergebnislose Verhandlungsrunden gegeben, wie einer Mitteilung der Gewerkschaft zu entnehmen ist. Der MB fordert für die rund 60 000 Ärzte in kommunalen Krankenhäusern eine lineare Erhöhung der Gehälter um 8,5 Prozent bezogen auf ein Jahr.
Darüber hinaus will die Gewerkschaft bei einer angestrebten Reform der Schicht- und Wechselschichtarbeit die bisherigen Tarifregelungen durch ein vereinfachtes System ersetzen – die bestehenden seien schwer zu kontrollieren und teilweise manipulationsanfällig. Ebenso sollen die Regeln zur rechtzeitigen Dienstplanung und Verbesserungen für Ärzte, die regelmäßig Rufbereitschaft leisten, Teil des neuen Tarifvertrags sein.