Cham startet einen neuen Versuch: Sonnenlicht für nächtliche Straßen

Von Johannes Schiedermeier · 17. September 2024 um 11:00

Es wird noch so manche Lampe den Kopf verlieren, bis Cham als leuchtendes Vorbild dasteht. Aber es naht der Tag an dem nachts das Sonnenlicht den Bürgern aus Hof und Ried am Pfahl den Weg weist. Doch der Weg ist noch weit, sagt Bürgermeister Martin Stoiber.

Dabei ist der Bürgermeister recht zufrieden. Ende 2022 hat der Stadtrat den Beschuss gefasst, möglichst zügig und umfangreich den veralteten Straßenlampen den Saft abzudrehen. Seitdem haben die Stadt und ihre Stadtwerke bereits rund 100 000 Watt durch Umstellung eingespart.

Doch der Weg ist nicht nur weit, sondern auch kompliziert. Denn so manche Idee hört sich einfach an, zeigt in der Praxis aber ihre Tücken. So sollte der festlich beleuchtete Radweg von den Goldsteig-Käsereien in Richtung Windischbergerdorf im oberen Teil mit Bewegungsmeldern versehen werden. Die Idee war einleuchtend: Immer, wenn ein Radfahrer oder ein Fußgänger kommt, schalten sich die nächsten Lampen ein und gehen hinter ihm wieder aus.

Tücken der einfachen Idee

Doch die Firma hatte mit ihrer Technik zu kämpfen, weil der Neigungswinkel der Bewegungsmelder auch die vorbeifahrenden Autos Richtung Cham erfasste und fröhlich die Lampen aus- und einknipste. Es dauerte eine ganze Weile, bis das Licht so eingenordet war, dass es weitgehend funktionierte. Dabei schlug die Stadt zwei Fliegen mit einer Klappe und leuchtete den Bürgern auf dem Geh- und Radweg auch gleich insektenfreundlich heim. Endlich war das Licht nur noch dort, wo es hingehört: auf dem Asphalt.

Doch das Stichwort Lichtverschmutzung hat seine Befürworter, aber auch seine Gegner. Das weiß Harald Jucht, der als Strom-Chef der Stadtwerke dort gemeinsam mit Dominik Wiesmeier für das Licht im Stadtgebiet zuständig ist. Während die einen das Dunkel abseits der Lampen genießen, haben andere Bürger schon wieder ein gestörtes Sicherheitsempfinden. Die Grenzen sind der Nachbarschaft sind da fließend. Man kann es – wie so oft – einfach nicht jedem Recht machen.

Doch für den Bürgermeister sind die Vorgaben klar: Der Weg geht hin zu mehr Nachhaltigkeit, Energiesparen und weniger Lichtverschmutzung. Der Weg ist nicht nur weit, sondern hat auch ungeahnte Hindernisse, denn die Stadtwerke wären eigentlich schon viel weiter. Doch erst gab es Personalprobleme und als die gelöst waren, war der Hubsteiger defekt.

Sonnenlicht in der Nacht

Trotzdem sind die Fortschritte erheblich, sagt der Bürgermeister. Aber auch dieses Problem müsse Stück für Stück gelöst werden. Jucht sieht darin auch Vorteile. Die Technik bei den LED-Leuchten schreitet schnell voran und ändert sich auch immer wieder zu ihrem Vorteil. „Da macht es dann Sinn, wenn man nicht überall auf dasselbe Produkt gesetzt hat und schrittweise ausbaut“, sagt Jucht. Dann kann die Stadt bei einem Straßenausbau immer die neueste Technik mitnehmen, die am meisten Vorteile bringt.

Zum Thema neueste Technik startet die Stadt demnächst zwei Versuche mit einigen neuen Lampen im Ortsteil Hof und an der Bushaltestelle in Ried am Pfahl. Wenn alles klappt, dann soll dort bald Sonnenlicht die nächtlichen Straßen der Stadt erleuchten.

Das Bayernwerk und die Stadtwerke planen laut Bürgermeister Stoiber an diesen beiden Orten Photovoltaik in die Straßenlampen einzubauen. Der Hersteller der Lampen verspricht, dass der eingebaute Akku zehn Nächte lang durchhält, auch wenn die Sonne tagsüber nicht scheinen sollte.

Bewegungsmelder und Dimmer

Durch Bewegungsmelder und den Einsatz von Nachtabsenkungen könne die Brenndauer noch erheblich verlängert werden. Unter Nachtabsenkung versteht man das automatische Dimmen der Lampe, solange ihre volle Lichtstärke nicht benötigt wird. Das werde aber keine flächendeckende Lösung sein. An stark befahrenen Straßen sei Strom immer noch zu bevorzugen, so Stoiber.

Harald Jucht und Dominik Wiesmeier sind bei den Stadtwerken verantwortlich für das Auswechseln der alten Straßenlampen. Manchmal reicht die Birne, ein anderes Mal muss der ganze Kopf runter.