Bahnstrecke nach Burglengenfeld: Warum sind Kosten für neue Infrastruktur so hoch?

Von Thomas Rieke · 16. September 2024 um 10:08

Auch wenn der Schienenbus teils ganz schön geschaukelt hat: Mitglieder der Eisenbahnfreunde Passau, die das historische Gefährt für das Jubiläum der Städtedreiecksbahn Ende August zur Verfügung gestellt hatten, äußerten sich über den Zustand der Schiene lobend. Die Strecke zwischen zwischen Maxhütte-Haidhof und Burglengenfeld sei top in Schuss, hieß es. Das Schaukeln sei eher den betagten Triebwagen geschuldet gewesen.

Dieser positiven Bewertung der Gleise steht ein Gutachten gegenüber, das vor einem Jahr präsentiert worden ist: Demnach würde es über 22 Millionen Euro kosten, die Infrastruktur so zu ertüchtigen, dass man von einem „attraktiven Angebot“ für den Öffentlichen Personennahverkehr sprechen könnte. Die anfängliche Begeisterung für die Bahnpläne scheint seitdem fast wie verflogen. Im Folgenden ist dargestellt, was die größten Ausgabeposten wären.

Die Schienen sollen ertüchtigt werden

Nach Einschätzung zweier Ingenieure, die das erwähnte Gutachten im Auftrag des Landkreises erstellt haben, ist der Allgemeinzustand des Gleises schlecht bis mangelhaft. Schienen-Schwellen-Verbindungen seien veraltet, die Schwellen verwittert. Deshalb dürfe darauf nicht so schnell gefahren werden, wie es wünschenswert wäre. Das Gleis solle für eine Fahrgeschwindigkeit von 80 km/h ertüchtigt werden. Dafür sei es nötig, bis zu 95 Prozent des Materials zu ersetzen und Weichen zu tauschen. Kosten: rund 3,2 Millionen Euro.

Schaffung mehrerer Haltepunkte

Um genügend Passagiere anzulocken, müssen Zustiegsmöglichkeiten geschaffen werden. Dafür wurden mehrere Standorte im gesamten Städtedreieck untersucht. Nördlich des Maxhütter Bahnhofgebäudes sollte demnach ein erster Haltepunkt entstehen, für den allerdings auch noch Grund erworben werden müsste. Kosten: knapp 700 000 Euro.

Für Teublitz sind zwei Haltepunkte angedacht: in der Nähe des Nettomarkts in der Maxhütter Straße und nordöstlich des Bahnübergangs in der Regensburger Straße. Auch dafür müsste teils Grund erworben werden. Kosten: rund 400 000 Euro für den Haltepunkt Ost und 850 000 Euro für den Haltepunkt West.

In Burglengenfeld sollte es ebenfalls zwei Haltepunkte geben: am Eislaufplatz (730 000 Euro, inklusive Grunderwerb) und westlich des Bahnübergangs am Bahnhofplatz (rund 750 000 Euro). In beiden Fällen wären Park-&-Ride-Parkplätze möglich, die aber teils zusätzliche Kosten verursachten.

Bahnübergänge sind große Schwachstellen

Trotz der relativ kurzen Strecke gibt es rund ein Dutzend Bahnübergänge. Ein Teil davon ist aktuell unbeschrankt. Aber auch die beschrankten sollen laut Gutachten grundlegend modernisiert werden.

Beispiele: In der Bahnhofstraße in Maxhütte-Haidhof müssten neue Halbschranken und eine Lichtzeichenanlage installiert werden. Kosten: 900 000 Euro. Die bestehenden Schranken in der Maxhütter Straße sollten samt Ampel ausgetauscht werden. Zusätzlich sieht das Gutachten den Bau eines getrennten Pkw- und Fußgängerübergangs vor. Kosten: 1,2 Millionen Euro. Genau so groß wäre der Aufwand in der Regensburger Straße.

Für einen Neubau in der Saltendorfer Rötlsteinstraße wären wiederum „nur“ 900 000 Euro einkalkuliert, ebenso für den Übergang am Bahnhofplatz in Burglengenfeld. Der technisch ungesicherte Übergang beim Klärwerk sowie sieben vorwiegend landwirtschaftlich genutzte sollen lediglich mit neuen Andreaskreuzen und Innenplatten ausgestattet werden. Die Anschlussbereiche wären zu asphaltieren. Geschätzte Kosten: 70 000 Euro.

Brücken – Eine muss erst untersucht werden

In die Naabbrücke in Burglengenfeld hat Heidelberg Materials 2022 kräftig investiert. Für den Personenverkehr wären aber laut Gutachter weitere Maßnahmen nötig. Kosten: 100 000 Euro. An der Landäckerstraße gibt es eine weitere Brücke. Dort sei der Kabelkanal marode und das Geländer baufällig. Die Reparaturen kosteten 25 000 Euro. Um den Zustand der Brücke selbst zu bewerten, raten die Experten zu einem weiteren Gutachten.

Personenbeförderung braucht mehr Technik

Wenn die Schiene künftig nicht mehr nur von Güterloks des Zementwerks, sondern eben auch von Personenzügen befahren werden soll, ist laut Gutachten die Nachrüstung von Sicherheitstechnik vorgeschrieben. Erforderlich seien ein technisch unterstützter Zugleitbetrieb sowie der Einbau entsprechender Gleismagnete, Anzeiger und Rechentechnik. Eventuell wäre auch eine Anpassung der Signalstandorte im Bahnhof von Maxhütte nötig. Kosten: Summa summarum rund 830 000 Euro.

Elektrifizierung oder vorerst Hybridzüge?

Eine zentrale Frage ist, ob eine Reaktivierung der Schiene nach Burglengenfeld zwangsläufig mit einer Elektrifizierung des Zugbetriebs einhergehen muss oder nicht.

Wegen der Effizienz und Emissionsfreiheit würden die Gutachter zu Oberleitungen raten. Sie räumen aber ein, dass der Aufwand, der damit verbunden wäre, enorm wäre. Die Kosten beliefen sich auf 14 Millionen Euro; sie machten also mehr als die Hälfte des Gesamtpakets aus. Als Zwischenlösung wird deshalb der Einsatz von Hybridzügen vorgeschlagen.

Kostenreduzierung ist nicht völlig ausgeschlossen

Über den Zustand der Schiene gehen die Meinungen ziemlich weit auseinander. Fest steht aber auch, dass der Auftrag, den die Gutachter hatten, weit über eine Kostenermittlung für eine bloße Reaktivierung der Strecke hinausgegangen ist.

Dies betonte auf Anfrage Ingenieur Moritz Opgen-Rhein von der Ramboll GmbH in Karlsruhe. Er hat an der Studie mitgearbeitet. Ziel sei es gewesen, eine Kostenaufstellung zu präsentieren, welche alle Maßnahmen erfassen sollte, die für einen „attraktiven und förderfähigen Taktverkehr“ erforderlich wären. Dabei sei zum Beispiel auch das Fahrplanprogramm vorgegeben gewesen.

Manuel Lischka, Sprecher des Landratsamts, erklärte, in Kürze werde ein Kosten-Nutzen-Gutachten ausgeschrieben. Dabei werde untersucht, ob die Effekte einer Personenbeförderung auf der Schiene ausreichten, um die Förderfähigkeit zu garantieren. Erst nach Analyse dieser Expertise könnten etwaige Anpassungen gemacht werden, die möglicherweise eine Kostenreduzierung nach sich zögen.

Zum Zustand der Gleise gibt es zwei Meinungen. Foto: Thomas Rieke
An der sanierten Naabbrücke müsste nachgebessert werden. Foto: Thomas Rieke
Auch beschrankte Bahnübergänge sollten erneuert werden. Foto: Thomas Rieke
Laut Gutachten ist sie vorerst kein Muss: die Elektrifizierung. Foto: Daniel Vogl, dpa