Eisenbahnfreunde Burglengenfeld feierten 125. Jubiläum der Städtedreiecksbahn

Von Norbert Wanner · 1. September 2024 um 15:00

„Wie schaut’s aus – druck’d voll.“ Dieser kurze Dialog bei der Abfahrt der Triebwagengarnitur der Passauer Eisenbahnfreunde war die Schilderung des Idealzustandes.

Ein Zug fuhr Richtung Maxhütte-Haidhof via Teublitz, dessen mehr als 220 Sitzplätze vollständig belegt waren und in den Gängen noch weitere Fahrgäste standen – ohne Klimaanlage und bei brennender Sonne. Die mehr als 1000Mitfahrenden bei vier Pendelfahrten, die zur Jubiläumsfeier 125Jahre Bahnstrecke Burglengenfeld – Maxhütte-Haidhof der Städtedreiecksbahn gekommen waren, konnten sich der Faszination des Bahnfahrens nicht entziehen.

Ob das abgesehen von diesem besonderen Festtag Alltag werden könnte, war eine Frage, die mal mehr oder weniger intensiv an diesem Tag in den Fokus gerückt war. Denn was der Stammtisch der Eisenbahnfreunde Burglengenfeld mit tatkräftiger Unterstützung der Passauer Eisenbahnfreunde mit großem Aufwand und Organisation auf die Beine gestellt hatte, war ebenso ein Glanzpunkt, wie ein Fragezeichen.

In Ertüchtigung investieren

Das Fragezeichen tat sich schon zum Auftakt des Tages auf, denn mit den offiziellen Vertretern der Städte und dem einen oder anderen Stadtratsmitglied aus dem Städtedreieck waren Passagiere im Zug, die mit darüber entscheiden, ob die Reaktivierung der Städtedreiecksbahn jemals Realität wird. Darüber wird schon so lange geredet, dass es Ratsmitglieder gab, die sich noch an den Juni 2001 erinnern.

Der Verein Kultur und Mehr hatte die Aktion „Der Zug verbindet“ auf die Beine gestellt. Binnen zweier Tage waren damals rund 8000 Menschen mit der Dampflok der Reihe „01666“ samt angehängten Waggons im Städtedreieck unterwegs. Im Anschluss fiel die Strecke wieder in den Dornröschenschlaf.

Ob dieser enden könnte? Im offiziellen Teil gab es bei allem Lob für die Arbeit der Eisenbahnfreunde, in Sachen Reaktivierung keine neuen Signale.

Landratsstellvertreter Jakob Scharf (CSU), hielt sich an den bekannten Stand: „Der Kreistag Schwandorf steht dieser Idee aufgeschlossen gegenüber, auch wenn bis zu einer endgültigen Entscheidung noch viele Details vorher geklärt werden müssen.“ Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) formulierte eine mögliche Reaktivierung sei „keine Sache von Heute auf Morgen.“

Aufhorchen ließ da der kurze Beitrag von Christian Rusch, dem stellvertretenden Leiter des Zementwerkes und auch für den Bahnbetrieb verantwortlich. Er kündigte an, dass künftig mehr Material auf der Strecke transportiert werden soll. Dafür sollen die Verladekapazitäten erweitert, eine Klinkerbahnverladung mit einer Kapazität von rund 250000Tonnen dazukommen. Mehr als eine halbe MillionEuro wolle man dafür in die Ertüchtigung der Strecke investieren. Was einerseits ein interessanter Fingerzeig auf eine mögliche Reaktivierung werden könnte, könnte schwierig werden, gibt es doch an der Strecke zahlreiche Anwohner. Statt zweimal täglich zu fahren, ist geplant, dass der sogenannte Zementzug dann viermal am Tag (zweimal hin und zweimal zurück) verkehrt.

Anderseits führt es die ökologische Kapazität von mehr Bahnfahrten vor Augen. Rechnet man die Ladekapazität eines 30 Tonnen Lastwagens mit rund 25 Tonnen, sind allein das 10000 eingesparte Fahrten im Jahr. Würden tatsächlich bei einer Reaktivierung 1000Menschen am Tag ihr Auto nicht benutzen, wären das von Montag bis Freitag 5000 eingesparte Fahrten.

Schwungvoll mit Draisine

Nach dem offiziellen Teil stand dem Bahnfeeling nichts mehr entgegen. Besucher konnten bequem per Schienenbus das Städtedreieck erkunden oder auch selbst für Bewegung sorgen mit einer Draisine. Auf gerader Strecke ist dies eine schwungvolle Angelegenheit. Bis zu 30Stundenkilometer hätte man erreichen können, wussten die kundigen Helfer. Daneben gab es Bahntechnik wie einen Schienenwartungszug zu bewundern. Bei einer Ausstellung zu den Chancen einer Reaktivierung der Strecke konnte sich jeder seine eigenen Gedanken dazu machen.

Die Bilanz des Tages von Stefan Zenger, Sprecher der Burglengenfelder Eisenbahnfreunde, war zurecht rundum positiv. Ein Tag, wie er nicht besser hätte laufen können für ihn und seine Helfer.

Die 220 Sitzplätze des Zuges der Passauer Eisenbahnfreunde waren bei jeder Fahrt voll belegt.
Auch das Innenleben einer Lok wurde mit Tafeln und von kundigen Bahnmitarbeitern erklärt.
Zumindest mit der Draisine sorgte die Lokalpolitik schon mal für Verkehr auf den Gleisen: v. l. vorne Bürgermeister Thomas Gesche, Jakob Scharf, Jasmin Liebl (CSU-Stadträtin Teublitz) und Josef Schmid (3. Bürgermeister Maxhütte-Haidhof), hinten v. l. Christian Rusch, Lukas Iffländer vom Fahrgastverband proBahn und Stefan Zenger, Sprecher der Burglengenfelder Eisenbahnfreunde.
„Der Zug verbindet“ war Motto der Aktion von 2001. Die Hoffnung von damals hat sich immer noch nicht erfüllt.