Weidenstamm wird Heimat für Insekten: Aktion des Neunburger Arbeitskreises Biodiversität

Von Ralf Gohlke · 16. September 2024 um 11:00

Mit einer weiteren Aktion machte der Neunburger Arbeitskreis Biodiversität von sich reden. Am sogenannten Kröblitzanger und auf einer Streuobstwiese bei Pissau wurden Teile des Stammes einer im Stadtpark gefällten Weide abgelegt. Sie sollen in den kommenden Jahren eine Heimstätte für Ameisen werden, insbesondere für gefährdete Arten. Informationen aus erster Hand lieferte bei der Aktion der zweite Landesverbandsvorsitzende der Ameisenschutzwarte Bayern, Hubert Fleischmann. Er erläuterte, dass deutschlandweit 116 verschiedene Ameisenarten verbreitet seien, 87 davon seien in Bayern bekannt. Davon würden bereits 59 Arten auf der Roten Liste der gefährdeten Ameisen in Bayern geführt. Im Landkreis Schwandorf finden sich laut Fleischmann 48 verschiedene Arten. Zu den größten gehörten die Rossameisen.

Sie leben zum Teil in beschädigten oder kernfaulen Bäumen. Die schwarzglänzende Holzameise etwa baue darin sogenannte Kartonnester, die sie mit einem Pilz besetze, der das Nest elastisch halte. Mit am häufigsten sei die schwarzgraue Wegameise. Vorwiegend in Ödflächen, Straßen- und Wegerändern sowie Gärten fänden sich die Kleinsten ihrer Art, die Knotenameisen.

„Die im Rahmen der Aktionen des Arbeitskreises geschaffenen Räume werden vielen Insekten und Käfern Nistmöglichkeiten bieten“, war Fleischmann sicher. Da sich das Holz derzeit noch in einem guten Zustand befinde und die Verwitterung erst nach und nach einsetzen werde, werden die Stämme noch viele Jahre als Lebensraum und Nistplatz zur Verfügung stehen. Einen besonderen Vorteil sah der Ameisenexperte in der Standortauswahl. Gleich neben dem Radweg, in der offene Flur, böten sich zahlreiche Möglichkeiten zur Vernetzung.

Solche Flächen seien auch deshalb wertvoll, weil sich im Zuge von Baumaßnahmen zahlreiche Ameisennester umgesetzt werden müssen. Fleischmann wies noch darauf hin, wie wertvoll Insekten als Nahrung für Kriechtiere und Vögel seien. Alexander Trinkmann, Sprecher des Arbeitskreises bedankte sich bei Grundstückseigentümer Jürgen Donhauser, beim Bauhof und bei Dennis Gruber für die naturgerechte Pflege. „In der Bevölkerung besteht noch ein großer Bedarf an Informationen, warum manche Flächen einfach ungepflegt wirken.“

„Es wird sicher noch dauern, bis die Erkenntnis wächst, dass unsere Vorstellung von Sauberkeit und Ordnung nicht immer mit den Bedürfnissen der Natur harmonieren“, sagte Bürgermeister Martin Birner (CSU). Daher sei der permanente Kontakt so wichtig, um solche Flächen zu erhalten.

Hubert Fleischmann ergänzte, dass gerade bei Kindern und Jugendlichen ein steigendes Interesse an der Natur zu erkennen sei. Dennis Gruber empfahl, Wiesen erst zu mähen, wenn die Pflanzen verblüht seien.