Die Neumarkter Glossnerbräu feiert 450. Geburtstag – Gäste preisen den Wert des Bieres

Von Peter Romir · 15. September 2024 um 05:00

Nicht ganz bierernst ging es beim Empfang der Glossnerbräu zu. Anlässlich des 450. Geburtstages der Traditionsbrauerei würdigten die Redner die Leistungen des Familienbetriebs – und versuchten sich dabei gegenseitig mit blumigen Lobpreisungen des Biers und seiner Brauer zu übertreffen.

Schon vor dem Zelt, das die Gloßners in ihrem Brauereihof aufgestellt hatten, herrschte wortwörtlich feucht-fröhliche Stimmung. Es regnete nämlich. „So ein Sauwetter“, lachte Oberbürgermeister Markus Ochsenkühn, als er sich brav in die Schlange einreihte, um auf den Einlass zu warten.

Handwerk gefeiert

Drinnen erwarteten die Gäste lange Reihen von Bierbänken und Volksmusik der Feuchter Band Alpenschlawiner. Geladen waren nicht nur Amtsträger und Politiker sondern auch Mitarbeiter, und ehemalige Betriebsangehörige.

„Uns sind die Mitarbeiter elementar wichtig“, sagte Brauer Franz Xaver Gloßner junior. „Aber auch die Handwerker, die immer schnell kommen und uns helfen, wenn einmal etwas nicht funktioniert!“

Diese hohe Wertschätzung der Mitarbeiter sei etwas, was man nur in Familienbetrieben so finde, sagte Albert Füracker. „Große Konzerne gehen halt dahin wo es steuerlich günstiger ist. Aber Familienbetriebe investieren in ihre Heimat! Sie denken nicht in Quartalen – sondern in Generationen!“

Bier als Wirtschaftsfaktor

Für ihn als Finanzminister sind die bayerischen Brauereien im wahrsten Sinne Gold wert: 140 Millionen Euro spült die Biersteuer jährlich in den Haushalt des Freistaats. Das unterscheidet den Gerstensaft übrigens vom Wein, auf den keine Steuer erhoben wird, erklärt Lothar Ebbertz, Geschäftsführer des Bayerischen Brauerbunds. Seine Schlussfolgerung: „Weinkonsum ist Steuerhinterziehung! Bierkonsum ist vaterländische Pflicht!“ Auch Landrat Willibald Gailler hat seinen Spaß mit der Wirtschaftskraft der Brauer: „Bier enthält 81 Prozent Wasser und 19 Prozent Mehrwertsteuer – deshalb sollte auch der Finanzminister mehr trinken, um die Wirtschaft anzukurbeln.

Traditionsbrauereien sterben

Neben den launigen Sprüchen gab es aber durchaus auch ernste Momente während des Festakts. So berichtete Füracker, dass er zwar viele Jubiläen besuche, aber ein 450. Geburtstag einer Firma, die seit 14 Generationen von einer Familie geführt würde, sei auch für ihn eine absolute Seltenheit: „So eine lange Zeit als Familie durchzustehen ist schon eine große Leistung!“ Nicht alle Brauereien schaffen das, berichtete Ebbertz: „Gerade in jüngster Zeit hatten wir viele Brauer, die ihr Geschäft aufgeben mussten - teilweise Firmen mit jahrhundertelanger Tradition.“ Dennoch sei Bayern weiterhin die Region in der Welt mit dem größten Bestand an mittelständischen Brauereien: „Und das gilt es für die Zukunft zu erhalten“, so Ebbertz. Ein Grund dafür sei auch, dass in Bayern die mittelgroßen Brauereien weniger stark zur Kasse gebeten werden, als die international agierenden Großkonzerne.

Die Kunden entscheiden

Was laut Füracker auch ein Verdienst von Franz Xaver Gloßner Senior ist: „Er hat sich dafür stark gemacht, die Biersteuermengenstaffel zu bewahren, die kleinen Brauereien, die im Jahr weniger als 200.000 Hektoliter Bier ausschenken, einen ermäßigten Steuersatz gewährt.“ Letztlich sei es aber der Kunde, der entscheidet, ob die mittelständischen Brauereien eine Zukunft haben: „Man hört viele Sonntagsreden, wie wichtig die Brauer sind“, sagt Ebbertz. „Aber wenn dann im Einkaufswagen doch wieder das Bier aus der TV-Werbung oder von der Renommiermarke landet, nützt es alles nichts.“

Bierkönigin Linea Klee hilft anzapfen

Die kürzeste Rede des Festakts hält die Bayerische Bierkönigin Linea Klee: „Ich mag keine großen Worte“, sagt sie und prostet den Gästen stattdessen zu. Dann assistiert sie Oberbürgermeister Ochsenkühn beim anzapfen. Das Stadtoberhaupt meistert die Herausforderung souverän: Mit zwei Schlägen und ohne einen Tropfen zu verschwenden öffnet er das Fass. Während die Platten mit den Häppchen serviert und stilecht auf leeren Bierkrügen platziert werden, wird die Stimmung im Festzelt fast etwas wehmütig: „Ich fürchte, beim 500. Geburtstag werden wir nicht mehr dabei sein“, sagt Füracker mit Blick auf Landrat Gailler und Gloßner Senior. „Vielleicht sollte die Brauerei sich deshalb überlegen, ob sie nicht lieber bereits das 475-jährige oder das 460-jährige Jubiläum feiern will.“

Albert Füracker schätzt die Wirtschaftskraft der Brauer.
Der Stammbaum der Gloßners auf der Wand des Braugebäudes.