„Ich kannte nur das Wort Fleisch“: Zwei Bosnierinnen sind der Spitzen-Nachwuchs der Metzger-Branche

Von Philip Hell · 11. September 2024 um 17:00

Lejla und Adna Muratovic sind vor rund drei Jahren aus Bosnien nach Deutschland gekommen. Die beiden jungen Frauen entsprechen womöglich eher dem Klischee einer Verkäuferin in einem Klamottenladen. Und dennoch stehen sie bei der Metzgerei Gierstorfer hinter der Theke – und machen ihren Job verdammt gut. Vor wenigen Wochen wurden sie von der Innung ausgezeichnet.

Beide kamen erst vor knapp drei Jahren aus Bosnien, sagen die beiden Schwägerinnen. Sie habe den Job für ihr Visum gebraucht, erzählt die 23-jährige Lejla. „Etwas anderes war mir zu schwierig, wegen der Sprache“, sagt sie in perfektem Deutsch. „Als ich anfing, kannte ich nur das Wort Fleisch – und Wurst.“ Die 25-jährige Adna begann ihre Ausbildung etwas früher als ihre Schwägerin. Sie sei, wie Lejla auch, über Verwandte auf die Idee gekommen, hinter der Metzgertheke zu arbeiten. „Mir macht es wirklich Spaß“, sagt Adna. Ihre Schwägerin ergänzt: „Mir gefällt besonders das Marinieren oder das Aufstecken von Schaschlik-Spießen“.

Jemand muss es ja machen

Die Schwägerinnen sind zwar beide bei der Metzgerei Gierstorfer, allerdings nicht im gleichen Laden. „Lejla arbeitet in der Burgunderstraße, ich im DEZ.“ Manchmal sei es ein wenig schade, dass sie beide nicht in einer Filiale arbeiten, vielleicht sei es aber auch gar nicht so schlecht, sagen die beiden und müssen ein bisschen lachen. Natürlich sei es ein bisschen ungewöhnlich, als junge Frauen bei einem Metzger zu arbeiten, sagen die beiden. „Viele wollen etwas anderes machen“, sagt Adna. „Aber jemand muss auch das hier machen.“

Und das, was halt jemand machen muss, machen die beiden sogar sehr gut. So gut sogar, dass sie unlängst von der Innung ausgezeichnet wurden. Lejla wurde für ihre Abschlussnote von 1,0 ausgezeichnet. Adna bekam den Schulpreis von Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer überreicht. Wie man solche Spitzenleistungen abliefert? Für Lejla ist das klar: „Lernen, lernen, lernen. Für mich war es sehr schwierig. Am ersten Schultag habe ich geweint, als ich nach Hause gekommen bin.“ Alles sei so neu gewesen. „Man kommt aus einem anderen Land, alles war so neu.“ Sie lernte auch, indem sie sich den Stoff auf Deutsch übersetzte. „Es hat gedauert, hat sich aber am Ende gelohnt“, sagt Lejla mit einem Grinsen auf den Lippen. Gemeinsam gelernt hätten sie nicht, erzählt Adna. Außer vielleicht bei Mathe, sagen die beiden.

Nächstes Ziel: Führerschein

Für den praktischen Teil hätten sie allerdings gemeinsam mit der Chefin gelernt. Dabei ging es darum, Platten herzurichten, sagt Adna. „Und es gab einen Teil, wo wir ein Verkaufsgespräch führen mussten. Das war super“, sagt Lejla. „Das ist ja jeden Tag unsere Aufgabe. Die Kundschaft kommt und bittet uns darum, etwas zu erklären.“ Die 23-Jährige ist jetzt erst einmal froh, die Ausbildung hinter sich gebracht zu haben. „Mein nächstes Ziel ist der Führerschein.“ Auch Adna will weiterhin bei der Metzgerei arbeiten. Beide bleiben also bescheiden.

Ob es die beiden Frauen selbst fassen können, nach nur drei Jahren solche Spitzenleistungen gezeigt zu haben? Lejla muss nur kurz überlegen. Dann sagt sie: „Bei mir war es schon immer so: Wenn ich etwas mache, gebe ich mein Bestes. Immer.“ Auch in der Arbeit will sie perfekt sein. „Ich mache immer langsam und ordentlich. Und mit Liebe.“

Die Ehrung mit Obermeister Werner Muggenthaler, Adna Muratovic, Lejla Muratovic, Daniel Engl, Raphael Moro, Fabian Kral, Julia Schettl, Regina Neubauer, Lia Dombrofsky (v.l.) Foto: Josef Eder