Schulstart an der kleinsten und der größten Grundschule im Kreis Kelheim: Aufregung herrscht überall

Von Jochen Dannenberg, Martina Hutzler · 10. September 2024 um 19:00

136 Kinder hier, gerade mal 20 dort: Schon in den ersten Klassen ist die Spanne groß zwischen der Grundschule Neustadt a.d. Donau als größter und Pürkwang als kleinster Grundschule im Landkreis Kelheim. Aber Vorfreude, Aufregung und Spannung, die sind dann doch überall gleich...

Um alle Erstklässler in Neustadt empfangen zu können, beginnt deren erster Schultag in der Schulturnhalle. Und selbst die reicht nicht für 136 Kinder plus Eltern und Großeltern. So findet der erste Tag in zwei Schichten statt; drei Klassen starten um 8.30, die anderen drei um 9.15 Uhr.

In Pürkwang füllt sich schon um dreiviertel acht der Parkplatz unterhalb der Schule mit großen Schultüten samt kleinen Trägerinnen und Trägern Die 20 Abc-Schützen und ihre Eltern, alle fein herausgeputzt, begrüßen sich lachend, ratschen – es kennen sich fast alle. Über diese familiäre Vertrautheit ist zum Beispiel Julia Mair „einfach froh“. Ihr Mann Richard Mair ging als Kind schon den Berg hier hoch; heute begleiten sie ihren Sohn Jakob, der „ja: schon ein bissl“ aufgeregt ist.

Seifenblasen zur Begrüßung

Die Aufregung legt sich, als die älteren Kinder im weitläufigen Garten hinterm Schulhaus zur Begrüßung singen, Seifenblasen in die Luft pusten und Willkommens-Schilder hochrecken. Rektor Franz Hottner versichert, „Schule macht in erster Linie riesigen Spaß!“ Er stellt Kindern und Eltern „die für Sie wichtigste Person“ vor: Klassenlehrerin Sigrid Konschak. Auch sie begrüßt ihre neuen Schützlinge herzlich.

Ein Chor aus Zweitklässlern empfängt die Neulinge in Neustadt mit einem Lied. Rektor Norbert Nadler verspricht den Kindern eine spannende Zeit, dass sie viel lernen werden und dies nachhaltig sei: „Ich kann heute noch lesen und schreiben…“. Später im Klassenzimmer wartet eine süße Überraschung auf die Kleinen: Bürgermeister Thomas Memmel hat dort auf jeden Platz eine kleine Zuckertüte bereitgelegt.

Auch Memmel begrüßt die Neuen. „Seine“ Grundschule ist mit 521 Kindern die größte im Landkreis. Eltern und Kinder stört das nicht. „Die machen das schon“, ist Jonas Mama Marina aus Mühlhausen zuversichtlich – obwohl ihr Sohn gerade noch etwas aufgeregt ist. Auch Maximilian ist mit seinen Eltern da. „Er versteht noch nicht, dass es jetzt richtig los geht“, sagt seine Mutter Lydia. Die Schulgröße macht ihr keine Sorgen: „Da muss man durch – so oder so.“

„Wir sind begeistert von der Schule!“, bekräftigt in Pürkwang Daniela Holzapfel. Ihr Töchterchen Sofia startet heute in den „Ernst des Lebens“, aber deren Bruder Simon ist schon im letzten Grundschuljahr. Wie vor den Ferien in der Kombiklasse drei/vier, aber nun als einer der „Großen“. Die helfen, wenn nötig, den Jüngeren und wiederholen nebenher den Stoff gleich nochmal, erzählt seine Mama.

Lehrerin Elisabeth Ehrenreich beobachtet, dass die Älteren den Jüngeren Tipps geben, etwa für eine Erlebniserzählung. Sie sieht mit Kombiklassen die Selbstständigkeit gefördert, weil die Kinder, nach gemeinsamem Einüben, Aufgaben auch mal selbstständig erledigen. Für sie als Lehrkraft sei es freilich anstrengender als in einer „normalen“ Klasse.

Elternbeirat hilft

Unterdessen richten Frauen des Schul-Fördervereins und des Elternbeirats Getränke, Kaffee und Kuchen her für die Eltern der Pürkwanger Erstklässler. Mit dem Spendenerlös aus solchen Aktionen werden Schul-Extras finanziert, etwa Musikinstrumente oder Elektronik-Bausätze, schildern EBR-Vorsitzende Daniela Drexl und Sandra Haltmaier, deren Mann Sander den Förderverein leitet.

Insgesamt 65 Kinder verteilen sich im großen Schulhaus am Pürkwanger Kirchberg; und „wir waren sogar schon kleiner“, mit nur noch 52 Kindern, sagt Rektor Franz Hottner, der zugleich die Herzog-Albrecht-Grund- und Mittelschule in Siegenburg leitet. Kleine Dorfschulen wie Pürkwang hätten „absolut ihre Berechtigung“; gerade, wenn sie so unterstützt würden wie in Pürkwang durch Gemeinde und Förderverein, bekräftigt Hottner.

Was aber, wenn in der Fünften die Beschaulichkeit vorbei ist? Davor hatte Sandra Haltmaier Sorge. Aber sowohl ihr älterer Sohn am Mainburger Gymnasium als auch die Tochter an der Realschule Rottenburg „haben sich gleich in der ersten Woche zurecht gefunden“.

Beschaulich ist es am Mittag auch in der großen Neustädter Grundschule wieder. Der erste Schultag ist überstanden. Nun müssen wochenlange Planungen ihre Praxistauglichkeit beweisen. Ein Ziel war, dass Kinder aus einem Ortsteil in dieselbe Klasse gehen. Und auch an den Stundenplänen wurde eine Woche lang gefeilt.

Auftakt im Grünen: Lehrerin Sigrid Konschak begrüßt die Erstklässler und ihre Eltern im Pürkwanger Schulgarten mit einem bunten Regenbogen.
Sandra Haltmaier (li.) und Daniela Drexl bereiten Kaffee für die Erstklass-Eltern vor.
Julia und Richard Mair sind froh, dass ihr Sohn Jakob an einer so kleinen und familiären Schule wie Pürkwang ins Schul-Leben startet.
Rektor Norbert Nadler begrüßt die Neuen an der Grundschule Neustadt.
Rektor Franz Hottner stellt das kleine Präsent vor, das der Förderverein der Pürkwanger Schule für die Abc-Schützen vorbereitet hat.
Bereit für den ersten Schultag in Neustadt!
„Familiär und friedvoll“, so beschreiben Annette Hofschuster und Stefanie Auburger die Atmosphäre an der Schule. Da beteiligen sich die beiden Mütter auch gerne an Elternbeiratsaktionen wie hier zum Schulstart.
Daniela Holzapfel und Krzysztof Kavala begleiten ihre Tochter Sofia am ersten Schultag.