Kindheitstraum erfüllt sich: Die 22-jährige Patricia Vogl aus Tiefenbach wirbt für Bayerns Wälder

Seit Donnerstag ist Patricia Vogl die Waldkönigin von Bayern. „Bei meiner Antrittsrede war ich ultra aufgeregt. So schnell schlägt mein Herz sonst nur, wenn ich auf ein Reh schieße!“ Denn die 22-Jährige aus Tiefenbach ist auch Jägerin. Also alles wie für eine bayerische Waldkönigin zu erwarten? Beileibe nicht.
Denn unter dem Begriff „Funfact“ erzählt Patricia Vogl, sie sei Vegetarierin. Schon seit ihrem vierten Lebensjahr esse sie kein Fleisch mehr.
Doch erst einmal der Reihe nach: Am Montag hat Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber die Tiefenbacherin zur Bayerischen Waldkönigin gekürt und mit ihr die Waldprinzessin Lea Wex. Zwei Jahre lang wird Patricia Vogl aus Hammer in Tiefenbach dieses Amt innehaben und dabei die Interessen der Waldbesitzervereinigung öffentlichkeitswirksam bei Messen oder ähnlichem vertreten. Unter anderem ist ein Auftritt bei der Grünen Woche in Berlin schon fest eingeplant. Es können aber auch Veranstaltungen im Ausland dazukommen. Der Job als Waldkönigin ist ein Ehrenamt, lediglich die Auslagen für Fahrt und Unterbringung werden getragen.
Kindheitstraum erfüllt
„Mir ist ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen“, erzählt Patricia Vogl beim Gespräch im elterlichen Hof. Tatsächlich habe sie schon seit Kindertagen die Autogrammkarten der Waldköniginnen gesammelt. Allerdings habe sie sich damals noch nicht vorstellen können, selber eine zu werden, auch wenn ihr Papa, das ist Alfons Vogl, ihr das schon einmal prophezeit habe, als er sie zu verschiedenen Veranstaltungen mitnahm. Alfons Vogl ist Förster und Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung Neunburg/Oberviechtach und als solcher auch im Ausschuss des Landesverbandes. Die Mutter von Patricia, Birgit Vogl, dürfte vielen Lesern noch als Teilnehmerin der Landfrauenküche 2017 bekannt sein.
Im übrigen sieht sich Patricia Vogl in ihrer Rolle als Königin nicht nur als „schönes Gesicht“ der Waldbesitzervereinigung. „Wir wollen ernst genommen werden“, sagt sie. Sie wolle die Anliegen der Waldbesitzer der breiten Öffentlichkeit vermitteln. Dabei spricht sie eine klares Lob für Ministerin Kaniber aus. Diese sei zu den neuen Waldhoheiten „sehr lieb“ gewesen sei. Die Ministerin habe ausdrücklich betont, dass sie nicht die Staffage für Fotos und Autogrammstunden seien, sondern sich für den Wald in Bayern einsetzen.
Dass Patricia Vogl dazu eine gehörige Portion Fachwissen mitbringt, liegt nicht nur an ihrer Herkunft aus einem forstwirtschaftlichen Betrieb mit Eigenjagd, Sägewerk und Mutterkuhhaltung von Angusrindern, sondern auch an ihrem Studium in Weihenstephan. Hier ist sie im 7. Semester des Studienganges Agrarbusiness. Sie will demnächst ihre Bachelorarbeit beginnen und dann ihren Master im Fach Agrarmanagement machen. Dass ihre Bachelorarbeit und ihr Einsatz als Waldkönigin zusammenfallen, hält sie für kein Problem. Im Gegenteil, sie sei jetzt zeitlich flexibler, als sie es jemals im Arbeitsleben sein werde, argumentiert sie.
Auf die kurze Testfrage des Reporters, was denn derzeit das größte Problem des Waldes sei, reagiert sie souverän und sofort. Landwirte, sagt sie, hätten bei ihren Produkten einen einjährigen Wechsel und könnte so schnell auf Fehler reagieren. Das sei im Wald anders. Gerade in Zeiten des Klimawandels müsse man Baumarten einsetzen, die in 100 Jahren einen Ertrag bringen. Ihr Uropa habe Douglasien gepflanzt, die jetzt gut dastünden. „Es ist schön zu sehen, dass wir von dem profitieren, was mein Uropa gepflanzt hat. Und ich hoffe, dass meine Urenkel von dem profitieren, was ich pflanze!“ Sei noch zu erwähnen, dass die Douglasie der Lieblingsbaum von Patricia Vogl ist.
Eine neue Krone
Ihren Einsatz als Waldkönigin sieht Patricia Vogl als Herausforderung. Ihre Vorgängerin Antonia Hegele sei immerhin die erste Forstwirtschaftsmeisterin in Bayern und habe damit große Fußstapfen hinterlassen. Von ihr habe sie die Insignien der Königswürde erhalten, ein Holz-Zepter und eine Holz-Krone. Obwohl, ganz stimmt das nicht. Patricia hat als erste Königin eine neue Krone erhalten, die gestaltet ist wie ein Haarkranz. Ihr erster offizieller Termin als Königin ist ein Hoheitenseminar, das der BBV für die vielen Produktköniginnen ausrichtet.
Bleibt noch zu erwähnen, dass die neue Waldkönigin schon selbst seit ihrem 19. Lebensjahr Waldbesitzerin ist und auch mit der Motorsäge umzugehen weiß.
Interessant ist schließlich, warum sie 2022 den Jagdschein gemacht hat, obwohl sie selber kein Fleisch ist. Sie habe immer schon Tiere geliebt, erzählt sie, und mit vier Jahren habe sie begriffen, dass das Fleisch, das in ihrer Familie gegessen wird, von den eigenen Tieren komme. Den Jagdschein habe sie allerdings trotzdem gemacht, weil die Jagd für den Wald eine Notwendigkeit sei. Zudem halte sie Wildfleisch für das „nachhaltigste“ und letztlich für das „tierfreundlichste Fleisch“.