Heiraten an einem Tag mit Schnapszahl? Dieses Paar aus Neustadt hat es nicht bereut

Es gibt Daten, die man nie vergisst. Weihnachten, Geburtstage und Hochzeitstage zählen dazu. Manche Hochzeitstage haben sogar ein ganz besonderes Datum. Der 9.9.99 war so ein Tag. Da heirateten in Neustadt a.d. Donau (Landkreis Kelheim) gleich sechs Ehepaare. Eines kehrte jetzt zur Silberhochzeit noch einmal ins Standesamt zurück.
„Mei, is des lang her“, entfuhr es Roland Artinger, als er kürzlich mit Ehefrau Alexandra das Trauzimmer des Standesamts im ersten Obergeschoss des Rathauses betrat. 25 Jahre war es her, da hatten Roland Artinger und Alexandra Artinger hier geheiratet. Das Datum war ein ganz besonderes, es war der 9.9.99. „Sechs Paare hatten an dem Tag in Neustadt geheiratet. Wir waren die Nummer drei“, sagt der Neustädter Friseurmeister. Und Bürgermeister Thomas Memmel, der das Paar aufgrund des 25. Hochzeitstages ins Rathaus eingeladen hat, ergänzt: „Ganz viele Paare haben damals auf diesen Termin gewartet.“
Für die Mitarbeiter des Standesamts bedeutete das Datum Hochbetrieb. Durchschnittlich geben sich 50 bis 60 Paare pro Jahr im Rathaus das Ja-Wort, das entspricht einem Paar pro Woche.
„Das Trauzimmer war bei uns ziemlich voll“, erinnern sich Roland und Alexandra Artinger. „Die Festgäste haben hier gar nicht alle sitzen können.“ Die große Überraschung folgte nach der Trauung. „Als wir aus dem Standesamt kamen, standen da die Freunde von der DLRG und den Feuerschützen und beglückwünschten uns.“
25 gemeinsame Jahre
25 Jahre sind seit dem 9.9.99 vergangen. Die Beziehung hat gehalten, Artingers haben eine Tochter und wohnen in der Altstadt. Unten in ihrem Haus ist das Geschäft und oben die Wohnung. In den ersten drei Jahren der Ehe, sagen sie , haben sie die Zeit für sich genutzt und viel Urlaub gemacht. Dann kam Tochter Lena auf die Welt und die Pflichten holten die beiden ein.
Kindergarten, Schule, Ausbildung der Tochter. Inzwischen ist die selbst erwachsen und die Eltern haben an diesem Montag Silberhochzeit. „Wir haben viel Freiraum gehabt, weil uns die Großeltern geholfen haben“, sagt Roland Artinger, der an diesem Tag wie einst bei der Trauung seine Lederhose trägt.
War der 9.9.99 eine Grundlage für die vielen Jahre als Ehepaar? „Es gab Höhen und Tiefen in all den Jahren. Man muss zusammenhalten“, sagen die Artingers. „Man muss zusammen und über sich selbst lachen können“, ergänzt Alexandra Artinger. Ihr Mann meint: „Wichtig ist es auch, viel miteinander zu reden.“
Man werde auch nachdenklich in Anbetracht der 25 Jahre, die man gemeinsam erlebt hat, gestehen die beiden. „Man fragt sich, wo die Zeit geblieben ist“, sagt Roland Artinger. Die Zeit, die man miteinander durchs Leben gegangen ist, mache aber auch ein wenig stolz. „Das ist wie ein Gebäude, an dem man immer wieder ein Stück dran baut“, ist Roland Artinger überzeugt und bekennt: „Ich möchte nicht mehr allein sein. Da hätte ich Angst davor.“
Ab in den Urlaub
An diesem 9.9. sind die beiden „geflüchtet“. Sie sind nach Kroatien gereist, wo sie schon oft in Urlaub fahren.
Warum das Datum mit der Schnapszahl ein so beliebter Hochzeitstermin ist, weiß übrigens keiner so genau. Dennoch ist der Hochzeitsboom an solchen Tagen unbestritten. Auch der 8.8.2008 war so ein Tag. Fünf Paare wurden an diesem Datum allein in Kelheim getraut. Zum Vergleich: Durchschnittlich trauen sich im Jahr 60 bis 70 Paare in Kelheim.
Und auch wenn es keine klassische Schnapszahl war: Am 6.6.2016 gab es in Neustadt a.d. Donau ebenfalls viel Betrieb im Standesamt.
Nicht nur Schnapszahlen liegen im Trend. Auch für die Wochentage, an denen geheiratet wird, gibt es Vorlieben. So erfreut sich in Kelheim und Abensberg die standesamtliche Trauung am Samstag – also eigentlich außerhalb der Dienstzeit der Standesbeamten – einiger Beliebtheit. Werktage wie Montag, Dienstag oder Mittwoch sind dagegen seltener gefragt.
Übrigens: In der Umgangssprache wird ‚alle neune' verwendet, um auszudrücken, dass etwas besonders gut gelungen ist. Bei Alexandra und Roland Artinger sieht es ganz so aus, als ob hier „alle neune“ ein gute Grundlage für die Ehe war.

