Endlich Betrieb auf der Baustelle – Weegturm in Neustadt wird heuer fertig

Von Jochen Dannenberg · 4. September 2024 um 15:00

Ein altes Wahrzeichen der Stadt soll wieder ins Bewusstsein der Bürgerinnen und Bürger rücken. Der Weegturm, Teil der mittelalterlichen Befestigung, wird saniert. Die Fortschritte auf der Baustelle am Westhang sind jetzt deutlich zu sehen.

Noch im Mai sah es trist auf der Baustelle an der Westseite der Altstadt aus. Der Weegturm war nur noch eine Ruine, nachdem der zuletzt als Wohnhaus umgebaute und genutzte Turm in den vergangenen Jahren zurückgebaut worden war. Der Turm, so der Plan, den der Stadtrat beschlossen hatte, sollte wieder als Turm erkennbar sein. Die An- und Umbauten sollten deshalb verschwinden und der Restbestand des ursprünglichen Gebäudes wieder erkennbar sein. Für den Neubau hatte der Stadtrat ein Architekturbüro beauftragt, das vorgeschlagen hatte, dem Stumpf, der noch original war, eine Spitze mit einem Kupferdach aufzusetzen.

Bürgermeister Thomas Memmel war optimistisch, dass der neue Turm noch zu den Feierlichkeiten der Verleihung der Stadtrechte vor 750 Jahren, die 2023 begangen wurden, fertiggestellt sein würde. Es kam anders und das lag auch am Denkmalschutz. Der untersuchte den Weegturm beziehungsweise dessen Reste ausgiebig, ehe er grünes Licht für die angestrebte Sanierung gab. Und diese Untersuchungen dauerten länger als gedacht.

Zuletzt nur ein Stumpf

So konnte der Bürgermeister erst in diesem Frühjahr konkrete Arbeiten ankündigen. Zu diesem Zeitpunkt war nicht mehr viel vom alten Turm übrig. Altes Mauerwerk steht noch an drei Seiten – die Vierte war offen. Dort waren die Bruchkanten mit Beton gesichert, um die jahrhundertealte Substanz zu schützen. Ein Dach gab es nicht mehr.

Das störte weder Bürgermeister noch Stadtrat, denn der Turm sollte ja nicht originalgetreu wieder aufgebaut werden. Vielmehr wollte man sich lediglich an Abbildern, die aus dem 15. Jahrhundert stammen, orientieren. Inzwischen ist man der zukünftigen Gestaltung näher gekommen.

Auf dem Stumpf, der vom originalen Turm übrig geblieben ist, wurde ein Stahlgerüst gesetzt. Darauf wird eine Verschalung aus Holz und ein Dach aus Kupferblech montiert. Mit dem Holz sollen fehlende Bauteile ergänzt werden, so dass man wieder einen Eindruck des mittelalterlichen Bauwerks haben kann. Inzwischen ist die Idee der Planer, wenn auch verdeckt durch ein Baugerüst, erkennbar.

Eine direkte Nutzung ist für den „neuen“ Weegturm nicht vorgesehen. Angedacht ist es, den Turm im Rahmen von Stadtführungen zu öffnen, außerdem soll er in der Nacht beleuchtet werden. Vorgesehen ist, einen Vorplatz mit einer Sitzgelegenheit zu gestalten. Dort soll auch eine Infostele gesetzt werden, die über die historischen Hintergründe und die Stadtbefestigung informiert.

Wichtig ist das Projekt insbesondere im Rahmen der Altstadtsanierung. Sie begann unter anderem mit der Anlage der Kastanienallee. Dazu gehörte aber auch die Wiederentstehung des Walls an der Kastanienallee und die Sichtbarmachung von Teilen der historischen Stadtmauer, was durch den Abbruch der Hopfenhalle an der Julius-Sax-Straße vor über 20 Jahren gelang.

Historiker vermuten, dass der Turm einst vier Stockwerke hatte – und zusätzlich ein Dachgeschoss. Er hatte also wohl eine ähnliche Höhe wie der nur wenige Schritte entfernte Krebsturm, der einst ebenfalls zur Stadtbefestigung gehörte. Ebenfalls zur mittelalterlichen Substanz des Weegturms gehören Fensteröffnungen an der Nordseite.

Seit 1803 in Privatbesitz

Seit 1803 befand sich der Turm in Privatbesitz. Aufgrund diverser Umbauten der Eigentümer war der Turm später nicht mehr als solcher erkennbar. Zuletzt glich er einem der zahlreichen Wohnhäuser in der Neustädter Altstadt – mit einem nahezu rechteckigen Grundriss, Erdgeschoss und Obergeschoss und einem spitzgiebligen Satteldach. 2009 kaufte die Stadt den Turm samt dem Grundstück, auf dem er steht.

Bürgermeister Thomas Memmel ist zuversichtlich, dass der Turm in diesem Jahr fertig wird. „Wir müssen heuer fertig werden“, sagt er sogar. Der Turm sei nämlich ein Projekt, für das es Fördermittel gibt und die sind fristgebunden.

Wie auf dieser Darstellung könnte der Weegturm in wenigen Monaten aussehen. Foto: Brückner & Brückner
Zu Beginn der Sanierung wurden alle Gebäudeteile entfernt, die nicht original waren. Foto: Dannenberg
Der Turm war von früheren Eigentümern zu einem Wohnhaus umgebaut worden. Foto: Dannenberg