Kümmersbrucker Footballer wagen den Umbruch: Red Devils erfinden sich neu

2024 ist ein besonderes Jahr für die Red Devils Kümmersbruck. Der American Football-Club feiert heuer das 40-jährige Bestehen – und läutete eine Zeitenwende ein. Eine komplett neue Vorstandschaft steht jetzt an der Spitze. Und dieses Team führt den Traditionsverein mit einem völlig veränderten Konzept in die Zukunft. Spaß am Sport steht im Mittelpunkt.
Still ist es geworden auf dem Platz im Sportzentrum Kümmersbruck. „Go Devils, go!“ oder „Ja! Touchdown!“ – so schallte es früher zwischen April und September regelmäßig über das Gelände, wenn Football-Spieler mit roten Helmen und breiten Schultern dem Leder-Ei nachjagten.
Das gab es zuletzt im Herbst 2018. Seit nun genau sechs Jahren sind die Roten Teufel nicht mehr im offiziellen Ligabetrieb im American Football angetreten – sieht man von einem kurzen Intermezzo 2022 in einer Spielgemeinschaft mit Münnerstadt ab. Jetzt, im 40. Jahr des Bestehens, wagt der Traditionsclub einen radikalen Umbruch mit einem neuen Konzept.
Auch Urgestein Thomas Haller verabschiedete sich
„Football ohne Leistungsdruck, mit Spaß am Feierabend spielen“: So beschreibt Peter Witt die neue Vision für die Zukunft der Red Devils. Er ist vor wenigen Monaten bei der Jahresversammlung an die Spitze des Vereins gerückt. Auch die Neuwahlen bedeuteten eine Zeitenwende, denn fast alle der teilweise über Jahrzehnte amtierenden Vorstandsmitglieder verabschiedeten sich. Auch Thomas Haller, ein echtes Urgestein der Red Devils: seit 1992 Vorsitzender, langjähriger Spieler, Trainer und Motor des Vereins.
Die Verantwortung übernahm jetzt Peter Witt, seit 2015 Hallers Stellvertreter. „Ganz oder gar nicht“, kommentierte seine Frau Lisa. Sie bewarb sich um das Amt der Stellvertreterin und erhielt ebenso einmütig das Vertrauen.
Der Club bedeutet Peter und Lisa Witt viel
Beiden liegt viel an den Roten Teufeln – nicht nur, weil sie sich da fürs Leben gefunden haben. Peter Witt, mit 40 genauso jung wie der Verein selbst, führte der Weg im September 2005 zu den Devils, bald wurde er auf den verschiedensten Positionen eine Stütze des Teams auf dem Rasen. Lisa Witt (32) kam 2013 über die Cheerleader-Gruppe dazu. Seit vier Jahren sind die beiden verheiratet und haben eine inzwischen zweijährige Tochter.
Was ihnen die Devils bedeuten? „Es ist ehrlicher Football“, beschreibt es Peter Witt. Von ganz traditionellem Amateurfootball spricht er, und wenn er sagt, dass es eben ein kleiner Verein „in der Pampa“ sei, dann klingt das bei ihm nicht abschätzig, sondern selbstbewusst. „Es gab nie den Anspruch, mehr zu sein, als wir sind.“ Seine Frau hebt die Gemeinschaft hervor: „Es ist ein Gefühl, das mich gehalten hat.“
Red Devils werden einen regulären Spielbetrieb in der Liga nicht mehr aufnehmen
Die Lage analysieren sie jedoch ganz nüchtern. Tom Haller habe einen „fantastischen Job“ als Vorsitzender gemacht, und an Herz und Leidenschaft habe es dem Team nie gefehlt, sagt Peter Witt. Er sehe aber keine Chance, dass der Club noch eine Mannschaft mit mindestens 25 Spielern zusammenbringen könnte.
Viele Sportarten würden um die Jugendlichen werben. Dazu gebe es immer weniger, die sich „richtig schinden“, die Einschränkungen wie Anwesenheitspflicht bei Training und Spielen auf sich nehmen wollen – oder können. Stichwort Schichtarbeit: Peter Witt kennt das als Polizeihauptmeister bei der Verkehrspolizeiinspektion Amberg selbst sehr gut. Und: Es müsse auch Zeit für die Familie geben – gerade am Wochenende, gerade, wenn beide Partner berufstätig seien. Wie im Fall der Witts, denn Lisa Witt ist als stellvertretende Hauswirtschaftsleitung für die gemeinnützige Bürgerspital GmbH gefordert.
Und nicht zuletzt wegen der starken Konkurrenz der Amberg Mad Bulldogs sieht Peter Witt keine Zukunft für die Devils in einem Ligabetrieb. Neid oder Ärger sei da aber nicht dabei. „Wer spielen will, dem sagen wir, dass er zu den Ambergern gehen soll“, macht der Vorsitzende klar.
Die Geschichte begann mit den 1984 gegründeten B-Town Devils
„Ihre“ Teufel aufzugeben, kam für Peter und Lisa Witt aber nie infrage. Dass es weitergeht, da sind sie zuversichtlich, schließlich hätten sich die Footballer in den 40 Jahren ihres Bestehens schon oft neu erfunden. Alles begann 1984 mit der Gründung der B-Town Devils (Burglengenfeld), die 1987 zu den Red Devils Schwandorf unter dem Dach des dortigen FC Linde wurden. Anfang 1991 erfolgte dann die Fusion mit den Black Knights Kümmersbruck, die Tom Haller mit Gleichgesinnten 1989 ins Leben gerufen hatte. Zunächst noch eine Sparte des TSV Kümmersbruck, wagte der Club im Januar 1993 den Schritt in die Selbstständigkeit als eingetragener Verein.
Höhen und auch manche Tiefen hat der American Football-Club gestemmt. Ein finanzieller Kraftakt war beispielsweise der Bau des Trainingsplatzes mit kleinem Heim, unabhängiger Bewässerung durch eine Zisterne und einer inzwischen modernisierten Flutlichtanlage. Absoluter sportlicher Höhepunkt war die Saison 1993, als die Red Devils ungeschlagen Meister wurden und in die zweite Football-Bundesliga aufgestiegen sind.
Jeder kann sich bei Spaß- und Trainingsfootball einfach mal aupowern
Jetzt, im Jahr des 40. Jubiläums, eben ein weiterer Neuanfang: Die Red Devils setzen auf Spaß- und Trainingsfootball, bei dem man sich „einfach auspowern“ und die Leidenschaft für einen Nationalsport der USA ausleben könne. Von 16 bis zum Rentenalter sei jeder willkommen, der einfach dabei sein wolle. „Auch Frauen“, sagt Lisa Witt. Ob jemand vorher schon Football gespielt habe, sei unwichtig. „Jeder wird von den Trainern da abgeholt, wo er steht“, verspricht Peter Witt.
Und weil ein 40-jähriges Bestehen – die Red Devils gehören damit zu den ältesten Football-Vereinen in Bayern – Anlass zum Feiern ist, lädt der Verein zu einem Tag der offenen Tür am Sonntag, 22. September, auf sein Trainingsgelände ein. Dabei können alle Interessierten den Sport, die Roten Teufel und ihre Ideen kennenlernen. Unterhaltsame Aktivitäten für Große und auch Kleine haben sich die Verantwortlichen einfallen lassen – es soll ein bunter und fröhlicher Start in das nächste Kapitel der Vereinsgeschichte werden. Peter und Lisa Witt sind sicher: „Wir haben nichts zu verlieren!“
Mit den Red Devils feiern und beim Football mitmachen
„40 Jahre Red Devils Kümmersbruck“ wird am Sonntag, 22. September, bei einem Tag der offenen Tür von 11 bis 16 Uhr auf dem Gelände der Footballer – Am Butzenweg 35, hinter der Tennishalle im Sportzentrum der Großgemeinde – gefeiert.
Um 12 Uhr, 13.30Uhr und 15 Uhr steht jeweils ein „Flag-Football-Spiel“ für Sportfreunde jedes Alters an. Es gibt eine Wurfwand für Nachwuchs-Quarterbacks, viel Ausrüstung zum Probieren, eine Fotowand mit Trikot, Shoulder-Pad, Helm und Ball, die Vereinsgeschichte zum Nachlesen und Möglichkeiten zum Austausch mit Vereinsmitgliedern. Für Verpflegung ist auch gesorgt.
Wer einfach mit Spaß und ohne Druck Football spielen will, kann jederzeit zu den regelmäßigen Treffen donnerstags von 19.30 bis 21.30 Uhr auf dem Trainingsplatz der Red Devils kommen. In den Wintermonaten geht’s dann in die Kümmersbrucker Dreifachturnhalle, ebenfalls donnerstags, dann aber von 20 bis 22 Uhr. Infos und Kontakte gibt es über Facebook, Instagram und WhatsApp sowie per E-Mail bei der Vorstandschaft unter info@red-devils.de.