Sportpark wird erneut zum Rollstuhlrugby-Mekka: Thorsten Altmann plant Länderspiel

Nach dem großartigen Erfolg 2019 kehrt die Sportart Rollstuhl-Rugby im nächsten Jahr zurück nach Schwarzenfeld. Lokalmatador und Ex-Nationalspieler Thorsten Altmann holt wieder ein Länderspiel in seine Heimat. Austragungsort und Gegner bleiben gleich – und doch wird es etwas anders sein.
Den 17. Februar 2019 wird Thorsten Altmann aus Schwarzenfeld sein Leben lang nicht vergessen. An diesem Tag stieg das erste Rollstuhlrugby-Länderspiel in seinem Heimatort. Es krachte, es schepperte, die rund 600 Zuschauer verwandelten den Sportpark in einen Hexenkessel.
Die Augen leuchten noch heute, wenn Altmann an den Tag zurückdenkt, als seine geliebte Sportart die Massen in Schwarzenfeld begeisterte. Der heute 33-Jährige hatte als Vorbereitung auf die damalige Europameisterschaft ein Länderspiel gegen den Nachbarn aus Österreich organisiert. Und niemand ahnte, was das für ein Spektakel werden würde.
Thorsten Altmann schreibt sein persönliches Märchen
Die Halle war prall gefüllt, die Zuschauer feierten die Sportler frenetisch. Auf dem Spielfeld entwickelte sich ein regelrechtes Drama. Altmann, damals noch aktiver Nationalspieler, lag mit seiner deutschen Auswahl früh deutlich hinten. „Ich muss zugeben, dass uns die Kulisse schon nervös gemacht hat. Aber es war zeitgleich gigantisch“, blickt Altmann zurück.
Doch das Blatt sollte sich wenden – und das Spiel zu einem persönlichen Märchen des Organisators werden. Denn Altmann selbst hatte maßgeblichen Anteil daran, dass Deutschland am Ende doch noch als Sieger vom Feld rollte. Die Nummer neun, die von vielen „Shorty“ genannt wird, steuerte nicht nur den 20:20-Ausgleich bei, sondern brachte das Team auch in Führung. Der Endstand lautete 46:43, die Sportler ernteten Standing Ovations, hatten Tränen in den Augen. „Das hat uns alle geflasht“, sagt Altmann, der zuvor schon bei vielen bedeutenden Turnieren vertreten war und dort selten eine ähnliche Kulisse wie in Schwarzenfeld erlebt hatte.
Am 18. Februar 2024 steigt die Neuauflage im Sportpark
Sieben Jahre lang spielte er für die Nationalmannschaft, nahm an zahlreichen internationalen Wettbewerben teil – nur die Paralympics blieben ihm verwehrt. „Der Stachel sitzt immer noch tief“, sagt er über die zweimalige verpasste Chance.
2020 schied der Schwarzenfelder aus der Nationalmannschaft aus – selbstbestimmt. Die Vorbereitung auf die großen Turniere habe zu viel Zeit in Anspruch genommen. Altmann arbeitet Vollzeit bei der Agentur für Arbeit in Schwandorf, musste die ganzen Trainings nebenher absolvieren. „Ich habe lange Zeit einen Großteil meines Privatlebens dem Sport untergeordnet“, sagt er.
Den Austritt habe er nicht bereut, er genießt seine neu dazugewonnene Freizeit. Und die kann er auch gut brauchen, denn Altmann arbeitet seit Monaten akribisch daran, erneut ein Länderspiel nach Schwarzenfeld zu holen. Am 18. Februar 2024 wird es soweit sein. „Die Veranstaltung an sich wird ziemlich identisch ablaufen, wie beim letzen Mal“, sagt Altmann. Für Essen und Trinken sei bestens gesorgt, außerdem tritt ein „Local Hero“ in der Halbzeit auf. Der Eintritt bleibt kostenlos.
Spannendes Duell gegen Österreich erwartet
Mit der Firma J. Pröpster aus Neumarkt konnte sich der Schwarzenfelder einen großen Sponsor mit an Bord holen. Unterstützt bei der Organisation wird er diesmal nicht von den Red Devils aus Kümmersbruck, sondern von seiner Freundin, deren Familie und seinen Liebsten. Der Markt habe sich sofort bereiterklärt, den Sportpark wieder zur Verfügung stellen. Unterkommen werden die Sportler, wie 2019, im Hotel Schloss Schwarzenfeld. „Ich bin allen sehr dankbar“, sagt Altmann, der auf eine ähnliche Stimmung und im besten Fall auf ein ähnliches Drama auf dem Spielfeld hofft.
Auf dem Papier stehen die Chancen gut, denn wieder heißt der Gegner Österreich. Die Heim-Mannschaft wird dagegen etwas anders aussehen als 2019. Denn Altmann wird nicht mit der aktiven deutschen Auswahl antreten, sondern mit einem Oldstars-Team, bestehend aus alten Weggefährten. „Wir haben aber wirklich eine schlagkräftige Truppe“, ist Altmann überzeugt. Deshalb rechne er wieder mit einem Spiel auf Messers Schneide.
Einlass ist um 13 Uhr, Beginn um 14 Uhr. Und wer weiß, vielleicht wird die Nummer neun wieder maßgeblichen Anteil daran haben, dass die Oldstars die Halle als Sieger verlassen.
Altmanns Weg zu seiner Passion
Handicap: Nur zehn Wochen nach seiner Geburt erkrankte Altmann an einer Hirnhautentzündung. Seitdem kann er sich vom siebten Halswirbel abwärts nicht mehr bewegen.
Anfänge: Thorsten Altmann war eigentlich Rollstuhlbasketballer. Doch ihm habe es an Oberkörpermuskulatur gefehlt, um wirklich erfolgreich zu werden, wie er sagt.
Begegnung: Bei einem Training in München lernte er den Mentalcoach der ersten Basketball-Mannschaft, Jürgen Schmid, kennen, der selbst Rollstuhlrugby-Spieler war.
Training: Wenig später absolvierte Altmann sein erstes Rugby-Training. „Das hat gleich sehr gut geklappt“, erinnert er sich.
Aufstieg: Der Schwarzenfelder kämpfte sich ins Nationalteam, nahm an drei Europa- und einer Weltmeisterschaft teil. Heute spielt er Bundesliga bei den Donauhaien Illerrieden.
